Die Sache mit der Vertretung

5. März 2014, 19:19
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Ob sich die Arbeitsbedingungen für Frauen verbessern, fußt auf politischem Willen und nicht auf Geschlecht

Die Sozialpartnerschaft liegt in Männerhand. In keinem Bundesland gibt es eine Arbeiterkammerpräsidentin. Auch in den Gewerkschaften seien die Funktionärsebenen eine Domäne der Männer, sagt der Politologe Emmerich Tálos. Eine Folge dieser einseitigen Repräsentanz sei, dass in erster Linie das männliche Erwerbsleben vertreten werde, das bekanntlich deutlich weniger von Familienkarenzen unterbrochen ist und nur selten aus Teilzeitarbeit besteht.

Der Ruf nach mehr Frauen in diesen Funktionen ist daher verständlich und eine ausgewogene Repräsentanz im Sinne von Teilhabe auch wichtig. Doch ob sich die Arbeitsbedingungen für Frauen verbessern, fußt auf politischem Willen und nicht auf Geschlecht. Ein Beispiel: Viele Politikerinnen loben die Möglichkeiten für Teilzeitarbeit unter dem Stichwort "Wahlfreiheit" in den Himmel. Was so schön klingt, wirkt angesichts der Realität allerdings zynisch. Etwa in der Handelsbranche, dem Paradebeispiel für Frauen- und somit Teilzeitarbeit: Zwanzig Prozent der Teilzeitkräfte sagen dort, dass ihr Einkommen zum Leben nicht ausreicht.

Eine Arbeitnehmervertreterin vertritt Arbeitnehmerinnen nicht zwangsläufig besser. Sie vertritt sie besser, wenn sie ihre Lebensrealitäten und ihre Probleme kennt, und vor allem, wenn sie politische Visionen für Verbesserungen hat. Ansonsten bleibt die Vertretung eine rein symbolische. (Beate Hausbichler, DER STANDARD, 6.3.2014)

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