Reisebranche im Bann der Ukraine: Putin, der Touristenschreck

Kommentar5. März 2014, 17:54
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Statt Visa-Erleichterungen könnte es Einreisesperren geben

Es hätte so schön sein können: keine Vogelgrippe, kein Tsunami und auch keine andere gröbere Naturkatastrophe, die das Hochamt des internationalen Tourismus, die jedes Jahr im März stattfindende ITB in Berlin, hätte stören können. An die immer wieder aufflackernden Aufstände im Norden Afrikas, an den grauslichen Bürgerkrieg in Syrien und andere offene Konflikte hat sich die Welt, scheint's, gewöhnt. Und dann kommt Putin, will sich die Krim unter den Nagel reißen, schafft Fakten.

Schließlich war es die Tourismuswirtschaft, die sich im Abschwung einmal mehr als Stütze der Konjunktur erwiesen hat, auch und gerade in Österreich. Und es sind Gäste aus Russland, aus der Ukraine und anderen Staaten des früheren Ostblocks, mit denen die Österreich-Werbung (ÖW), aber auch Marketingagenturen anderer Länder Wachstumsfantasien verbinden. Der Kampf um den Gast wird härter. In Deutschland findet eine Materialschlacht um die Gunst der Gäste statt, die ihresgleichen sucht. Österreich tut sich zunehmend schwer, da mitzuhalten, zumal Landestourismusorganisationen noch immer glauben, sie seien allein stärker als gemeinsam mit der ÖW.

Über allem schwebt nun der (böse) Geist Putins. Statt Visa-Erleichterungen könnte es dann Einreisesperren geben. Die Reiselust insgesamt könnte bei andauerndem Säbelrasseln schwinden. Könnte, wäre, hätte. Noch stecken wir in dieser Phase. (Günther Strobl, DER STANDARD, 6.3.2014)

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