Die schwarze Angst vor der "Einzelmeinung"

5. März 2014, 18:36
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Rupprechter blitzt bei Oberösterreichs ÖVP mit "Adoptionswünschen" ab

Linz - Viel war bis dato aus der oberösterreichischen ÖVP nicht dazu zu hören, dass Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP) für ein Adoptionsrecht für Homosexuelle eintritt. Landeshauptmann Josef Pühringer zeigte sich wenig diskussionsbereit, man solle doch "jemand anderen fragen, nicht ihn". Familienlandesrat Franz Hiesl vielleicht? Fehlanzeige. "Kein Kommentar." Am Mittwoch wagte sich zumindest Klubobmann Thomas Stelzer auf STANDARD-Nachfrage aus der Deckung, um sich mit der Aussage Rupprechters, es gebe "gute Beispiele dafür, dass sich Kinder in homosexuellen Partnerschaften wohlfühlen können", zu beschäftigen.

Weibliche Bezugsperson nötig

Und um gleich einmal Missverständnissen vorzubeugen, stellt Stelzer klar: Es sei "nicht seine Meinung", sondern "eine Einzelmeinung". Ob er nicht dennoch eine Meinung zu einer Einzelmeinung habe? Stelzer: "Also, ich bin der Überzeugung, dass Kinder auch eine weibliche Bezugsperson brauchen." Und überhaupt sei im Regierungsprogramm festgehalten, dass es "in dieser Frage keine Änderung gibt". Ein Diskussionverbot innerhalb der ÖVP sieht Stelzer aber dennoch nicht: "Wir reden ja in den Gremien darüber. Und es ist der Vorteil einer großen Partei, dass es eben verschiedene Meinung gibt."

Deutlich lieber beschäftigt man sich in der ÖVP mit dem klassischen Familienbild. Konkret wollen in Linz jetzt die Stadt-Schwarzen für mehr Familienfreundlichkeit sorgen. Gar eine "neue Marke" will man der Landeshauptstadt verpassen. ÖVP-Stadtparteiobmann Bernhard Baier: "Linz muss Familienstadt werden."

Der Weg dorthin ist aber ein weiter: Linz ist zwar - laut Statistik Austria - einerseits die "Ehe-Hauptstadt" Österreichs, andererseits aber auch die Stadt mit der höchsten Abwanderung von Jungfamilien. Um diesem Trend entgegenzuwirken, bringt die ÖVP heute, Donnerstag, im Linzer Gemeinderat einen Antrag auf Eingliederung der Stadt Linz in das bundesweit laufende Familienfreundlichkeitsprogramm "Familien-Audit" ein. Dabei wird die städtische Anziehungskraft für Familien zuerst analysiert - und dann im Idealfall mithilfe eines Maßnahmenkatalogs verbessert.

Für Kirche "unfair"

Auf kirchlicher Seite ist die Position klar - auch wenn man sich in die aktuelle parteipolitische Adoptionsdebatte offiziell nicht einmischen will. Familienbischof Klaus Küng positionierte sich bereits im Vorjahr anlässlich des "Tages des Kindes" (4. Juni) zu dieser Frage klar: Ein Adoptionsrecht entspreche nicht dem Kindeswohl, da Kinder auf jeden Fall Vater und Mutter brauchen.

Per Gesetz eine Situation zu schaffen, "in der ein adoptiertes Kind mit zwei Frauen oder zwei Männern als 'Eltern' lebt, ist nicht fair gegenüber dem Kind", ist Bischof Küng überzeugt. Denn Kinder bräuchten das "Spannungsverhältnis zwischen Männlichem und Weiblichem" und die "Geborgenheit der eigenen Eltern". (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 6.3.2014)

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