Sehnsucht nach Gewalt

5. März 2014, 17:25
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Am Ende hätte man gern noch mehr Forschungsansätze kennengelernt

Die Motive für Gewaltverbrechen zu erklären, das ist im Fernsehen schnell einmal eine Gratwanderung zwischen Voyeurismus und Wissenschaft. Es mischen sich dabei die Bilder blutiger Massaker an Schulen mit Statistiken und Grafiken neurologischer Forschungsabteilungen.

Der Amok-Themenschwerpunkt auf 3sat begann am Mittwochnachmittag zwar mit ei­nem provokanten und irreführenden Titel - "Ansichten eines Amokläufers", es ging dann aber um weit mehr als um die Vermarktung eines markigen Themas. Und am Ende hätte man gern noch mehr Forschungsansätze kennengelernt.

Insbesondere ging die 40-minütige Dokumentation den möglichen biologischen Wurzeln von Gewaltausbrüchen nach. Dazu muss man neurologisch nicht viel wissen, nur, dass die reibungslose Verbindung zwischen dem präfrontalen Kortex (dort, wo im Gehirn sensorische Signale empfangen werden) und der Amygdala, dem Emotionszentrum im Gehirn, die Voraussetzung für situationsangemessenes Handeln ist. Ist die Verbindung dysfunktional, treiben einen Stress und Belastung zur Raserei. Die Sendung nimmt dafür einen Hurrikan als Metapher.

Vor allem aber wirbt die Dokumentation für ein Umdenken dahingehend, dass es nämlich keineswegs desolate Familienverhältnisse sind, auf die Verhaltensauffälligkeiten zurückzuführen sind bzw. die am Ende ein Monster kreieren, das irgendwann seine Umwelt gnadenlos strafen wird. Die Beweggründe sind einfach viel zu komplex.

Nun gilt es Angstzustände oder Depressionen bei Kindern und Jugendlichen nicht sofort als Vorboten eines zukünftigen Amoklaufs zu werten. Und dennoch könnten sie es sein. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD; 6.3.2014)

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