15-Jährige erzählen, Teil II

6. März 2014, 17:05
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Stella, Patricia, Niklas, Riccardo, Louise

Stella Lucia: "Model sein ist kein Traumjob"

Dass ich Model wurde, hat sich durch Zufall ergeben. Meine Schwester ist Fotografin und hat mich im Zuge ihrer Ausbildung schon öfter fotografiert. Vor circa einem Jahr hat mich dann ein Wiener Stylist über Facebook kontaktiert und mich gefragt, ob ich nicht modeln mag. Natürlich hab ich mich gefreut! Das passiert einem ja nicht alle Tage!

foto: irina gavrich
Die Wienerin Stella Lucia jobbt neben der Schule als Model und möchte später einmal Psychologie studieren. Sie trägt eine Bluse von Diesel Black Gold.

Es ist ein schöner, aber auch stressiger Job. Vor allem neben der Schule wird das alles manchmal ganz schön viel. Am meisten gefällt mir, dass ich beim Modeln viele interessante Menschen kennenlerne. Außerdem find ich's ziemlich cool, wenn das neueste Magazin oder die neuste Ausgabe der Zeitschrift XY erscheint und ich mich da drin irgendwo wiederfinde. Einerseits schmeichelt einem das, andererseits ist das schon auch ein bisschen strange.

"Finde die ganzen Casting-Shows wirklich lächerlich"

Viele Mädchen bezeichnen das Modeln als Traumjob. Ich verstehe zwar, dass dieser Beruf von vielen angestrebt wird, aber Traumjob ist das wirklich keiner! Zumindest nicht für mich. Ich denke, ich werde das so lange machen, solange ich Spaß habe, solange ich jung bin, solange ich angefragt werde, solange mich der Markt, die Kunden und die Stylisten interessant finden. Und das wird nicht ewig sein, denn dieser Beruf hat ein Ablaufdatum. Ich denke, dessen sind sich viele Mädels nicht wirklich bewusst.

Wirklich lächerlich finde ich die ganzen Casting-Shows wie etwa Germany' s Next Topmodel oder Austria's Next Topmodel. Einerseits spielen diese Shows mit den Gefühlen der jungen Kandidatinnen, und zwar einzig und allein für die Quote, andererseits sind diese Formate aber auch eine völlige Verzerrung der Realität. Mag sein, dass es bei den Top-Modeschauen in Paris oder Mailand so zugeht, aber ich persönlich war noch niemals in so einer furchtbaren, nervenzerreißenden Situation. Und ich kenne auch niemanden, der schon einmal so behandelt wurde wie von Heidi Klum.

Wissen, wie das läuft

Das Wichtigste ist, dass man als Model Kritik niemals persönlich nimmt. Wenn ich anders in die Kamera blicken soll, dann sehe ich das immer als konstruktive Kritik. Außerdem machen der Fotograf, der Stylist und natürlich das Model auch nur ihren Job, und den will jeder so gut wie möglich machen. Wie es bei mir weitergeht, kann ich noch nicht sagen. Jetzt heißt es erst einmal: Schule fertigmachen. Und das ist gar nicht so leicht, denn leider bin ich keine wahnsinnig gute Schülerin. Daher hat Schule bei mir absolute Priorität. Gerade vor Schularbeiten kommt es manchmal vor, dass ich ein Fotoshooting absagen muss. Für die Vogue oder die Cosmopolitan würde ich vielleicht eine Ausnahme machen.

Nach der Schule möchte ich entweder Modejournalismus oder Psychologie studieren. Am liebsten würde ich einmal als Kunsttherapeutin arbeiten. Aber bis dahin habe ich ja noch ein paar Jahre Zeit. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich während des Studiums, sofern man mich dann überhaupt noch will, weitermodeln werde. Immerhin verdient man Geld damit. Für mich in meiner jetzigen Situation ist das echt viel. Aber ich gebe das Geld nicht aus, sondern lege es aufs Sparbuch.

Mein nächstes Ziel ist die Fashion Week in Mailand. Im Februar bin ich extra zum Casting nach Mailand geflogen, aber die wollten mich nicht. Ich war ihnen zu jung. Kann ich gut verstehen. Nächstes Jahr probier ich's noch mal, dann stehen die Chancen schon etwas besser. Immerhin bin ich dann schon 16! (Aufgezeichnet von Wojciech Czaja)

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