Digital bis lokal: Reisetrends für 2014

2. April 2014, 11:26
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Mobile Geräte sind auch aus der Welt des Reisens nicht mehr wegzudenken. Sie führen und leiten uns, und sie machen uns unabhängig

Das Online-Branchenmagazin Skift hat die Entwicklungen auf dem Reisemarkt analysiert und eine Prognose für 2014 erstellt. Wir zeigen die wichtigsten Trends für das Reisejahr.

Der "stille Reisende"

Das wachsende Angebot an digitalen Helfern bringt eine neue Gruppe von Reisenden hervor. Diese "stillen Reisenden" wissen, dank Vernetzung und diversen Apps bestens, wie sie sich in der Welt bewegen. Die Suche nach einem Restaurant wird mittels Smartphone-App erledigt, ebenso die Auswahl des Hotels oder die Organisation einer Rundfahrt durch die Stadt. Diese Reisenden brauchen weder Touristeninformation noch Hotelangestellte, um eine Destination zu erkunden. Die "stillen Reisenden" brauchen niemanden mehr, der sie an der Hand nimmt und begleitet. Der direkte, zwischenmenschliche Kontakt verliert an Bedeutung.


Foto: Reuters

 

Die Verschmelzung von Job und Freizeit

Mit den mobilen Geräten verschwimmen auch immer öfter die Grenzen zwischen Job und Privatleben. Immer mehr Geschäftsreisende suchen Alternativen zu den schwerfälligen Buchungstools ihrer Unternehmen und nutzen jene Möglichkeiten, die sie auch für Privatreisen heranziehen. Mobile Endgeräte, die beruflich genutzt werden, sind bei den meisten Reisenden immer mit dabei und werden genutzt, um mit der Familie zuhause in Verbindung zu bleiben. Gleichzeitig sind immer mehr Menschen im Urlaub für ihren Chef oder Arbeitskollegen erreichbar. Viele bearbeiten E-Mails im Urlaub, viele beginnen bereits auf dem Weg in die Arbeit damit, ihre Arbeit zu erledigen. Geschäftsreisende hängen immer öfter noch ein paar Tage an, um am Ende noch ein wenig Zeit privat zu genießen.


Foto: AP

 

Pflege von Online-Buchungslisten

Die Flut an Informationen ist inzwischen überwältigend. Viel Zeit muss investiert werden, um aus einem riesigen Onlinepool das Passende zu finden. Daher werden Online-Listen in Zukunft bessere Betreuung brauchen, um auf die Bedürfnisse der User eingehen zu können. Die Auswahlkriterien werden genauer, sodass die ausgegebenen Vorschläge ziemlich genau auf den Geschmack des Users zugeschnitten sind. So müssen diese nicht mehr stundenlang hunderte Bed-And-Breakfast-Angebote durchstöbern, sondern finden punktgenau das, was sie sich wünschen.


Foto: screenshot

 

Die Welt der Bilder

Heute haben beinahe alle Reisenden hochauflösende Kameras am Handgelenk baumeln, die Sprache der Bilder ist wichtiger als je zuvor. Und die Reiseindustrie hat darauf reagiert, indem sie Reisende mit Fotos, Videos und ihren Auftritten in Sozialen Netzwerken zu ködern versteht. Die Diskussion im Internet ist lebendig, Reisende tauschen sich aus und zeigen ihre Sicht auf die Dinge, und die Reisebranche kann diese Lust am Austausch für sich nutzen. Virale Videos von Airlines verbreiten sich wie Lauffeuer auf Facebook oder Twitter.


Video: Virgin Atlantic

 

Kampf der Travel-Startups

Das Internet ist voll mit neuen Ideen für Reisende, gemeinsam mit Social-Media-Unternehmen und Fotosharing-Start-ups kann davon ausgegangen werden, dass dynamische Zeiten auf uns zukommen, in denen nicht nur neue Ideen auftauchen, sondern viele Konzepte auch wieder verschwinden werden. Flugsuchmaschinen, Hotelsuchmaschinen, Fotosharing-Seiten schießen wie die Schwammerl aus dem Boden und vertrocknen auf dem Weg in die Rentabilität. Nur wenige werden von größeren Unternehmen aufgefangen, Tripadvisor etwa hat viele Start-ups aufgefangen. Die Zeit wird zeigen, welche Neustarter diesen wilden Konkurrenzkampf um die Gunst - und das Geld - der Reisenden letztendlich überleben.

 

Indivudalreisende aus China

Reisende aus China haben 2013 erstmals die Spitze auf dem Weltreisemarkt erklommen. Mit Auslandsausgaben von rund 80 Milliarden Euro sind die Chinesen die heißumkämpfte Zielgruppe der Reiseindustrie. Konnte man aber bisher damit rechnen, dass die Gäste in Gruppen unterwegs sind, zeigt sich hier ein deutlicher Wandel: Die Chinesen reisen immer öfter individuell. Ein Grund dafür sind die steigenden Preise für Gruppenreisen. Außerdem ist die neue Generation gebildeter, globaler und konsumorientierter als ihre Eltern. Sie haben ganz andere Gewohnheiten als die Generation davor und sind eher an der lebendigen Kultur eines Landes interessiert als an seinen Shoppingcentern. 


Foto: Reuters

 

Hotels mit lokalem Flair

Reisende wollen nicht mehr in unpersönlichen Bettenburgen wohnen. Sie suchen individuelle Hotels, die sie davor durch Recherche genau auswählen. Dann sind die Erwartungshaltungen aber auch sehr hoch, der Reisende der Zukunft will etwas erleben - sogar in der Unterkunft. Und als genau solche "Erlebnishotels" präsentieren sich immer mehr Unterkünfte. Die großen Hotelketten reagieren nur sehr langsam auf diesen Trend. Die neuen Hotels sind eine Art Tür zur lokalen Bevölkerung und zur lokalen Kultur, die vor den Hotelmauern wartet. Sie arbeiten mit kleinen Betrieben aus der Umgebung zusammen, agieren als Veranstalter für kleine Events und als Infoplattform für Reiseerlebnisse via Social Media und Blogs. Noch kann man nicht feststellen, ob diese neue Positionierung langfristig Einfluss auf die Buchungen haben wird, aber viele Hoteliers sehen in der Besinnung auf lokale Werte eine Chance, Touristen für sich zu begeistern.


Foto: flickr, cc

 

Die Billigflieger kamen - um zu bleiben

Die Low-Cost-Carrier setzten ihre Erfolgsgeschichte rund um die Welt unbeirrt fort. In den USA haben Billigairlines 2013 auf Inlandsstrecken erstmals mehr Umsatz gemacht als etablierte Fluggesellschaften. In Asien und im Nahen Osten bringen die Billigairlines die System-Carrier ebenfalls gehörig unter Druck. Der Erfolg der Billigflieger erzeugt Nachahmer, was herkömmlichen Airlines zusätzlichen Druck macht. Darüber hinaus kehren die Low-Cost-Carrier zurück zur Langstrecke: Norwegian, Wow Air, Westjet und Ryanair nehmen sich ein Beispiel am Erfolg von AirasiaX, die auf der Langstrecke sehr erfolgreich unterwegs ist. Auch bei den Geschäftsreisen wollen sich die Billigflieger etablieren. Easyjet, Ryanair, Jetblue und Southwest verstärken ihre Bemühungen, Businessreisende zu gewinnen.


Foto: flickr, cc

 

Lockerung der Visabestimmungen

Strenge Visabestimmungen halten Reisende davon ab, Länder zu besuchen. Diese Erkenntnis führt dazu, dass ebendiese Bestimmungen vermehrt gelockert werden. Zwei Drittel der Weltbevölkerung benötigen nach wie vor ein Visum, um in andere Länder reisen zu können - ein Hemmschuh für das globale Reisen. Und Reisen bleibt auch in Zeiten der Krise ein stabiler Wirtschaftsfaktor. Reisende aus Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC-Staaten) werden besonders heiß umworben. Mit gelockerten Visabestimmungen werden diese gut zahlenden Gäste angelockt.


Foto: APA

 

Alternativen im Transport

Die Millennials - also jene Generation, die um das Jahr 2000 im Teenageralter war - suchen neue Wege für ihr Fortkommen. Fahrrad und Bahn erleben ein Comeback, mit Citybikes flitzen die neuen Reisenden durch die Städte. In Europa erfreuen sich die Intercity-Züge wachsender Beliebtheit, die mit Highspeed zwischen London und Amsterdam oder zwischen Paris und Barcelona unterwegs sind. Die Hochgeschwindigkeitsstrecken in Europa werden mehr, auch 2014 werden neue Strecken eröffnet. Auch in China reisen immer mehr Menschen mit den Highspeed-Zügen. Im Gegensatz zum Fliegen ersparen sich Zugpassagiere das nervenaufreibende Prozedere am Flughafen. Bei kurzen Strecken sind Züge mittlerweile ein echter Konkurrent zu Flugzeugen.


Foto: EPA

 

Der "Do-it-yourself"-Passagier

Der moderne Passagier sucht und bucht am Tablet oder Laptop, er reserviert sich seinen Sitzplatz, schließt online eine Reiseversicherung ab. Das Ticket druckt er zu Hause aus, in manchen Fällen auch das Kofferband, das Gepäck wird sowieso online eingecheckt. Am Flughafen geht er zum Check-in-Computer, druckt seinen Boardingpass aus, gibt den Koffer ab. Immer mehr laden sich das Ticket überhaupt aufs Smartphone. Der modere Passagiere macht alles selber. Informationen über Verspätungen oder eine Änderung des Gates kommen aufs Handy, die digitale Beschilderung weist den Weg durch den Airport. Oft haben Reisende heute mehr aktuelle Informationen auf ihrem Smartphone als das Personal am vereinsamten Informationsschalter. Für die Flughäfen und für die Airlines bedeutet das Geldersparnis. Ein Passagier, der vom Ein- bis zum Ausgang alles selber macht, spart Personal.


Foto: flickr, cc

(todt, derStandard.at, 2.4.2014)

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