Wie der Freitag zum RONDO kam

6. März 2014, 15:40
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Es war einmal ein RONDO, und das vermehrte sich prächtig. Zum 15. Geburtstag blicken wir auf einen Stapel von 763 Ausgaben, in denen sich tausende Geschichten aus aller Welt und unserer Redaktionsstube finden. Ein Rückblick von einem, der von Anfang an dabei war.

An einem 5. März wird Manchester United gegründet, "der Hauptmann von Köpenick" uraufgeführt, Eva Mendes erblickt das Licht der Welt, Paul Hörbiger tut Gegenteiliges und Olivias feiern bis heute Namenstag. An einem 5. März, und zwar an jenem des Jahres 1999 erscheint auch das erste RONDO: 24 Seiten, in denen viel Tüftelei steckt.

Wir befänden uns nicht in Österreich, wäre man nicht skeptisch gegenüber dem bunten, großformatigen Ding, das von diesem Tag an den Freitag im Standard zum RONDO-Tag machen wird. Allein der Name RONDO lässt nicht wenige die Nase rümpfen. "Einzelteile in harmonischer Abfolge aneinanderzureihen, das ist die Funktion des Rondos in der Musik. Das Ergebnis ist im Idealfall mehr als die Summe der Einzelteile.

Im Standard-RONDO heißen die Komponenten Mode und Kosmetik, Reisen, Essen und Trinken, Disc, Video und Medien, Möbel und Design. Zu gegensätzlich, um einen Reigen zu bilden? Keineswegs." Das schreibt die langjährige RONDO-Ressortleiterin Bettina Stimeder im allerersten Editorial. Diesem Text folgen die Buzzo-Kolumne, in welcher die Geschehnisse aus der Sicht eines Cocker-Spaniels beobachtet werden, der Heftaufmacher dreht sich um die Modemacher von Strenesse, unter die Lupe genommen werden Uhren aus dem Hause Porsche, verkostet wird Brunello und die Reise-Autoren verschlägt es nach Kreta und New York. Eine andere Story dreht sich um das rätselhafte Comeback des Wackeldackels auf Hutablagen in Autos. In den Hitparaden sind Modern Talking zu finden und im Kino läuft E-Mail für Dich, eine Filmschnulze mit Meg Ryan und Tom Hanks.

Rolls-Royce und S-Bahn 

Geschätzte 13.000 Kaffees, 15 Weihnachtsfeiern und hunderte Redaktionssitzungen später lässt sich die Antwort "Keineswegs" auf die Frage, ob die RONDO-Sparten unharmonisch wären, fett unterstreichen. 763 RONDO-Ausgaben lang sprießen unsere Gärtchen schon. Nimmt man im Schnitt 30 Seiten pro Magazin, wächst der Stapel bis heute auf über 20.000 Seiten. Gefüllt sind diese mit Millionen von Buchstaben (okay, eine Handvoll davon an der falschen Stelle) und Fotos von Starfotografen ebenso wie mit Schnappschüssen. Die Geschichten basieren auf einer Unzahl von Telefonaten, verbratenen Hirnzellen und zurückgelegten Kilometern. Letztere werden mit dem Rolls-Royce und dem Kampfjet (beides eher selten) ebenso überwunden wie mit der S-Bahn oder dem Bus (beides eher öfter).

Diese Geschichten wären nicht zustande gekommen ohne massenhaft Wurstsemmeln, Notizbücher, Stoßgebete, Brillenputztücher, abgenagte Bleistifte, blanke Nerven, Musenküsse, verdrehte Augen, Pressekonferenzen, Gummibärchen und so manchem Fluch.

All dies trägt bei zu Reiseberichten von Orten zwischen nördlichem Polarkreis und Neuseeland, zu Wirtshauskritiken vom Würstelstand bis zum Luxusrestaurant, zu Reportagen von den Laufstegen zwischen Mailand und New York, zu Geschichten über den Besuch bei Schweinebauern, Parfümeuren, Sockenproduzenten, Yachtwerften oder Ostereierfarbenfabrikanten. Die Autoren übernachten im Fünf-Sterne-Palast ebenso wie auf Frachtschiffen oder in Wohnwägen. Apropos: Im Rahmen unseres "Pro & Contra" entstehen von Autoren aus dem ganzen Haus Wortduelle zu Themen wie "die Zigarette danach" oder "auf der Rolltreppe links stehen".

Prominente Models

Eine weitere Säule des Blattes sind die Fotoproduktionen für seitenweise Modestrecken. Von der Badehose bis zur Abendgarderobe reicht das Gewand. Darin stecken Models wie Daniel Brühl, John Malkovich, Karoline Herfurth oder Francesca Habsburg. Doch im Fundus gibt's noch mehr: Unsere Musikredakteure lauschen sich durch Gebirge von CD-Stapeln, und unzählige Löcher fragen wir im Rahmen von Interviews in die Bäuche von Giorgio Armani, Bryan Ferry, Naomi Campbell, Jean Nouvel, Gerhard Polt, Leonard Cohen, Amy Winehouse, Philippe Starck, Uschi Obermaier, Ferran Adrià, Wolfgang Joop und sehr vielen anderen.

Das und ein paar Geschichten, die im Reich der Verschwiegenheit besser aufgehoben sind, liegt zwischen dem Heute und dem 5. März 1999, jenem Tag, an dem das erste druckfrische RONDO auf dem Tisch in der Redaktionsstube in der Wiener Herrengasse landet.

Beim Wort Weltwirtschaftskrise denkt man vor 15 Jahren an 1929, nach Feierabend werden keine E-Mails gecheckt, sondern dann und wann wird ein Flascherl entkorkt, Handys haben Knöpfe zum Draufdrücken, und das Fax ist noch kein technogreises Waisenkind, sondern fiept munter durchs Büro. Zündet man sich eine Zigarette an, wird das Büro nicht evakuiert, recherchiert wird unter anderem in Bibliotheken statt auf Google, und bei den Kollegen vom Layout trabt man mit echten Fotos an, anstatt ZIP-Dateien weiterzumailen. Flatscreens sind Fat Screens und Coffee to go noch ein Schmafu. Hat man keine Zeit, hat man keine Zeit und ist deshalb nicht unbedingt "in einem Termin".

15 Jahre, das ist kein Pappenstiel. Was und wie viel in dieser langen Zeit wachsen kann, zeigen unter vielem anderen auch die im Heft porträtierten 15-Jährigen.

Ein Ausblick auf die nächsten 15 Jahre gestaltet sich schwierig. Fix, und das Wichtigste, ist: Freitag ist RONDO-Tag. Was auf den nächsten 20.000 Seiten zu lesen und zu sehen sein wird, bleibt in einer Kristallkugel verborgen, die heute so beschlagen ist, wie sie es vor 15 Jahren war. Und das ist gut so. Gültig bleibt auf jeden Fall das Schlusswort des allerersten Editorials: "Genau so wichtig wie das Objekt ist das Reflektieren über seinen Zweck, über sein Aussehen, seine Brauchbarkeit. Beides finden sie in diesem und in allen folgenden RONDOS."  (Michael Hausenblas, DER STANDARD, 7.3.2014)

  • Genau so sah es aus, das allererste RONDO, das am 5. März 1999 herauskam - darunte die dazugehörigen Aufmacherseiten.
    foto: lukas friesenbichler

    Genau so sah es aus, das allererste RONDO, das am 5. März 1999 herauskam - darunte die dazugehörigen Aufmacherseiten.

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    foto: lukas friesenbichler
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