Unzeitgemäßes Arbeitszeitgesetz?

5. März 2014, 10:39
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Rund um werden starre Arbeitszeitregeln kritisiert. Eigentlich sollen sie ja schützen. Versicherungsmathematiker Christoph Krischanitz sieht aber "Behinderungen"

"Warum darf ein Bilanzbuchhalter in den Wochen der Bilanzerstellung nicht kurzfristig mehr als 50 Stunden arbeiten, wenn Spitalsärzte sogar 25 Stunden am Stück arbeiten dürfen", wundert sich Christoph Krischanitz, Geschäftsführer der arithmetica. "Diese starre Regelung im Arbeitszeitgesetz behindert die Wirtschaft, ihre Arbeitnehmer und bringt letztlich den österreichischen Wirtschaftsstandort in fortwährende Schwierigkeiten", stellt der Chef des versicherungsmathematischen Beratungsunternehmens fest.

In Zeiten hoher Mobilität, bedingt durch mobile Kommunikationstools ist die Arbeit nicht mehr auf den eigenen Arbeitsplatz beschränkt. "Die Leute arbeiten im Bus, in der Bahn, zu Hause oder auf der Parkbank", betont Krischanitz, „teilweise ohne diese Arbeitszeiten aufzuzeichnen und sich anrechnen zu lassen, da oft die 10 Stundengrenze am Tag schon überschritten ist." Zudem verlangen Kunden mehr Flexibilität in der Behandlung ihrer Anliegen und Eigentümer bzw. Investoren möchten schnellere und genauere Informationen über die Unternehmen. "Das alles sind Entwicklungen, die mit dem veralteten Arbeitszeitgesetz aus dem Jahre 1969 nicht mehr in Einklang zu bringen sind", stellt arithmetica-Boss Krischanitz klar.

Demografische Herausforderungen

Auch die Zukunft sieht nicht besonders rosig aus, wie man leicht aus den demografischen Prognosen für Österreich ablesen kann, rechnet der Aktuar Krischanitz vor: „Die Menschen mit Versorgungsansprüchen werden mehr, die Menschen, die diese Versorgungsleistungen erbringen, werden weniger. Das bedeutet dass eine überproportionale Mehrarbeitsbelastung auf die zukünftig Erwerbstätigen zukommt." Die Wirtschaft muss also effizienter, effektiver und flexibler werden, diese Belastungen zu bewältigen. „In 20 Jahren werden wir uns keine 38,5 Stunden Woche mehr leisten können", warnt Krischanitz.

Zeitwertkonten

Ein relativ einfach umzusetzendes Mittel, das in Deutschland schon lange existiert, ist das sogenannte Zeitwertkonto. "Die Idee besteht ganz einfach darin, Zeit zu sammeln um sie später zu genießen", erklärt Krischanitz, "und zwar über einen deutlich längeren Zeitraum als das durch die Gleitzeit mögliche eine Jahr." Das Zeitwertkonto kann aber noch mehr. "Eine weiterführende Idee ist auch Geldbeträge in das Zeitwertkonto zu führen und den Genuss der angesparten Werte entweder in Zeitkonsumation oder in Geldkonsumation zu ermöglichen", so Krischanitz weiter. Sabbaticals, Altersteilzeit, früherer Pensionsantritt oder auch einfach eine erhöhte Abfertigungsleistung oder Hinterbliebenenvorsorge wären mit diesem Modell einfach zu erreichen. "Verfallene Urlaubstage, Überstunden, Boni, Diäten, etc. könnten in dieses Konto eingebracht werden und würden vor Pensionsbeginn einen schönen Zusatzpolster für eine höhere Pension oder einen früheren Pensionsantritt bringen".

Für die Verwaltung eines solchen Kontos hält er  besonders Versicherungsgesellschaften, aber auch Pensionskassen und Vorsorgekassen für geeignet. (kbau, derStandard.at, 05.03.2014)

  • Christoph Krischanitz (arithmetica): Zeitwertkonten nach deutschem Modell.
    foto: ho

    Christoph Krischanitz (arithmetica): Zeitwertkonten nach deutschem Modell.

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