WhatsApp wollte "mindestens 20 Milliarden Dollar"

5. März 2014, 10:15
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Facebook-Chef Zuckerberg war „hartnäckig" und punktete mit garantierter Unabhängigkeit

Im Frühjahr 2012 erhielt WhatsApp-Gründer Jan Koum ein Email, das ihm in all seiner Konsequenz später einmal sieben Milliarden Dollar bringen würde. Der Absender: Facebook-Chef Mark Zuckerberg, der in seiner Email von WhatsApp schwärmte, das er "privat gern benutzte". Zu jenem Zeitpunkt war Koum vor allem genervt, klopften doch täglich potenzielle Investoren an, die zumindest Anteile an WhatsApp erwerben wollten. Koum antwortete, dass er leider bald verreisen und sich um Server-Angelegenheiten kümmern müsse. Zuckerberg schlug daraufhin ein sofortiges Treffen vor.

Freundschaft

"Hartnäckig!", kommentierte Jim Goetz, der damals einzige WhatsApp-Investor. Seine Sequoia Capital hatte zu diesem Zeitpunkt acht Millionen Dollar in den Messenger-Dienst gesteckt. Mit dieser Summe waren Koum und Mitgründer Brian Acton mehr als zufrieden, da sie ihnen kreative Unabhängigkeit und ein zufriedenstellendes Auskommen garantierte. Daher hielt sich Zuckerberg vorerst mit Angeboten zurück – freundete sich jedoch im Lauf der Jahre immer mehr mit Koum an.

Google nimmt Kontakt auf

Im Juni 2013 traf sich die WhatsApp-Führungsetage mit Googles Android- und Chrome-Chef Sundar Pichai, um allgemein über Entwicklungen im mobilen Markt und digitale Produkte zu sprechen. Auf diesem Weg entstand der Kontakt zu Google-Chef Larry Page, der ein Meeting für den 11. Februar 2014 vorschlug. Davon bekam Facebook zufällig Wind, woraufhin man sich entschloss, das ohnehin schon lang geplante Übernahmeangebot zu beschleunigen.

"Angenehmes Gespräch"

Das Meeting mit Google verlief relativ ereignislos. Laut WhatsApp-Chef Koum habe man ein "angenehmes Gespräch" geführt, Page habe nicht den Eindruck gemacht, Interesse an einer WhatsApp-Übernahme zu haben. Allerdings sei er schlecht darin, zwischen den Zeilen zu lesen, so Koum gegenüber Forbes. Zwei Tage später fixierte er den Deal mit Mark Zuckerberg, nach einem kurzen Händedruck fielen sich die zwei in die Arme.

Mindestens 20 Milliarden

In den Stunden davor gab es allerdings harte Verhandlungen: WhatsApp schätzte seinen Wert selbst laut Insidern auf "mindestens 20 Milliarden Dollar", als Referenzgröße zog man Twitter heran, dessen Marktwert momentan bei 30 Milliarden liegt. Zuckerberg wollte hingegen maximal 15 Milliarden ausgeben. Was Koum letztlich überzeugte, war die Zusage, Aufsichtsrat bei Facebook zu werden und maximale Unabhängigkeit zu genießen. (fsc, derStandard.at, 5.3.2014)

Links:

Forbes

  • Facebook-Chef Mark Zuckerberg umgarnte WhatsApp für mehr als zwei Jahre, konnte aber den Preis drücken
    foto: reuters/albert gea

    Facebook-Chef Mark Zuckerberg umgarnte WhatsApp für mehr als zwei Jahre, konnte aber den Preis drücken

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