Lehrergewerkschaft will an Zentralmatura festhalten

5. März 2014, 10:44
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Heinisch-Hosek will sich bis April festlegen, Schülervertreterin und Lehrergewerkschaft pochen auf Zentralmatura schon heuer

Wien - Wenn es nach Bundesschulsprecherin Angie Groß von der ÖVP-nahen Schülerunion geht, soll die Datenaffäre am Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) keine Auswirkungen auf die geplante Zentralmatura haben. Vergangene Woche war bekannt geworden, dass Testergebnisse von rund 400.000 Schülern und E-Mail-Adressen von 37.000 Lehrern angeblich unverschlüsselt auf einem rumänischen Server gelandet waren.

Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) will jetzt bis April vom TÜV prüfen lassen, was das für die an rund 400 Testschulen bereits heuer in Teilbereichen stattfindende Zentralmatura bedeutet. Denn nur bei absoluter Datensicherheit, die die Ministerin selbst vergangene Woche in einem Radiointerview noch ausgeschlossen hatte, werde diese vorgezogene Zentralmatura auch wie geplant stattfinden.

"Unsicherheit der Schüler egal"

Für Bundesschulsprecherin Groß ist die "große Frechheit, dass die Unsicherheit der Schüler egal ist", sagte sie dem ORF-"Morgenjournal". Immerhin hätten sich diese seit langem auf die neue Art der Reifeprüfung vorbereitet. Bedenken bezüglich Datensicherheit wischt Groß zur Seite: "Wenn die Daten anonymisiert sind, ist das nicht so das große Problem."

"Dilettantismus"

Unterstützung bekommt sie vom ÖVP-nahen Lehrergewerkschafter Eckehard Quin: "Ich erwarte mir so viel Professionalität vonseiten des Unterrichtsministeriums und des Bifie, dass das auch sichergestellt werden kann. Wenn das nicht so ist, dann haben wir hier ja Dilettantismus in der größten Ausprägung."

Heinisch-Hosek will sich erst im April festlegen. Sollte sie zu dem Schluss kommen, die Zentralmatura nicht unter den notwendigen Sicherheitsbedingungnen durchführen zu können, müsste die Matura an den rund 400 Testschulen noch nach altem Muster stattfinden. Die Testaufgaben kämen also nicht zentral vom Bifie, sondern so wie bisher von den Lehrern.

Mit Fußballtraining zur Handball-WM

Dieses Szenario ist für Quin undenkbar: "Die können nicht im letzten Moment die Spielregeln ändern. Das ist so, wie wenn Sie acht Jahre lang Fußball trainieren, und dann sagt man mal zwei Monate vor der Weltmeisterschaft: Aber jetzt fährst du zur Handball-Weltmeisterschaft."

Schülervertreterin Groß erinnert auch an schlechte Erfahrungen aus dem Jahr 2012, als man die Zentralmatura schon einmal verschoben hatte. Hält der neue Zeitplan, soll die Zentralmatura nach dem Testlauf im Mai ab 2015 an allen Gymnasien und in allen Fächern stattfinden. Im Jahr 2016 sind die berufsbildenden höheren Schulen dran.

Auch Grüne pochen auf Zentralmatura im Mai

"Fassungslos" reagierte Grünen-Bildungssprecher Harald Walser auf die Ankündigung Heinisch-Hoseks, die Zentralmatura an den AHS eventuell nicht wie geplant stattfinden zu lassen. In diesem Fall müssten Lehrer die Fragen selbst ausarbeiten.

"Es gibt überhaupt keinen Hinweis, dass im Zusammenhang mit der Zentralmatura irgendwelche Daten nicht sicher seien. Warum die Ministerin ohne Not ein Problem herbeiredet, ist mir schleierhaft", kritisierte Walser die Ankündigung der Ministerin, für ihre Entscheidung das Ergebnis einer bis 4. April geplanten Sicherheitsprüfung abzuwarten. Walser warnt vor einer Verunsicherung von Schülern und Lehrern. Er forderte von Heinisch-Hosek ein klares Bekenntnis zum Zeitplan für die ohnehin bereits um ein Jahr verschobene Matura, sie solle außerdem den Fokus auf die "ordnungsgemäße Durchführung" legen. Eine Rückkehr ins bisherige System wäre nicht ohne Probleme möglich und die Vorbereitungen auf die bei der neuen Matura verpflichtende vorwissenschaftliche Arbeit vielfach nutzlos, so Walser.

Die Wiener Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ), die nach Bekanntwerden des angeblichen Datenlecks bereits die Zusammenarbeit mit dem Bifie beim Wiener Lesetest beendet hatte, schießt sich weiter auf das Institut ein: "Die Durchführung der bundesweiten Zentralmatura ist mit diesem Bildungsinstitut jedenfalls nicht machbar", ortet sie in der "Kronen Zeitung" Qualitätsprobleme unter der derzeitigen Führung. (red/APA, derStandard.at, 5.3.2014)

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