Carplay: Apple fährt jetzt im Ferrari mit

5. März 2014, 09:53
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Unternehmen führt iOS-Integration auf Genfer Automesse vor - Erste Tests im Netz

Dass Apple vor kurzem offiziell mit Carplay seine Auto-Adaption von iOS angekündigt hat, ist aus Marketingsicht wohl kein Zufall. Das kalifornische Unternehmen und die mit ihm zusammenarbeitenden Autobauer sichern sich damit auch die Aufmerksamkeit der Journalisten und Besucher des 86. Genfer Autosalons, der am Donnerstag seine Pforten öffnet.

Schon jetzt herrscht reger Betrieb auf dem Gelände, und schon im Vorfeld gewährten mehrere Firmen einen Blick auf den neuen elektronischen Beifahrer. Vertreten ist auch der italienische Formel-1-Rennstall und Luxuswagen-Hersteller Ferrari. Vertreter von Apple sind vor Ort und führen das Carplay-System vor, das auf das iPhone des Nutzers zugreift.

Vorführung

Ein Video von Engadget zeigt eine rund achtminütige Führung durch das System, das von einer Apple-Repräsentantin namens "Emily" vorgestellt wird.

 

Video: Engadget

Auffallend ist, dass das System (das über das iPhone in diesem Fall über eine LTE-Verbindung verfügt) schnell auf alle Spracheingaben reagiert. Vom Kommando bis zum Start eines Anrufs, dem Versand einer Nachricht oder der Wiedergabe eines Audioinhalts vergehen nur wenige Augenblicke. Dass beim Vorlesen von Nachrichten der Text nicht auf dem Display erscheint, soll eine Ablenkung des Fahrers verhindern.

Apple scheint bemüht gewesen zu sein, die Notwendigkeit von Toucheingaben gering zu halten. Das Interface an sich orientiert sich wenig überraschend an jenem von iOS auf dem iPhone, bringt aber auch Änderungen. So scheint an manchen Stellen ein Bedienelement zum einfachen Antippen auf, wo man üblicherweise eine Wischgeste nutzen würde.

Carplay nicht als Ersatz für Eigenlösung

Ferrari verlangt allerdings von seinen Kunden nicht, sich für die Nutzung von Entertainment-Funktionen und Navigation im Auto ein iPhone anzuschaffen. Der Hersteller setzt Carplay neben seiner eigenen Softwarelösung ein und ermöglicht den Wechsel zum Apple-System per Knopfdruck. Mehrere Autobauer, die mit an Bord sind, gehören auch zu Googles Open Automotive Alliance, die daran arbeitet, dass auch Android künftig straßentauglich wird.

Mercedes ergänzt System mit Navigationsrad

Nachdem kürzlich schon Volvo in einem kurzen Videoclip eine Einführung in Carplay gegeben hat, zeigt nun auch Mercedes das System in einem siebenminütigen Pressefilm. Der Fokus liegt hier auf Kommunikationsfunktionen, gleichzeitig sieht man, dass Mercedes offenbar auf ein Steuerrad unterhalb der Konsole setzt, das komfortablere Navigation durch die Onscreen-Elemente ermöglichen soll. Ein kurzer Clip von einem Probelauf bei Volvo findet sich bei Jalopnik.

Video: Mercedes

Vorteile und Nachteile

Mahnende Worte für Carplay findet "New York Times"-Autorin Molly Wood. Sie sieht die Lösung als "fast einen Schritt in die richtige Richtung". Sie betont die Vorteile eines Systems, welches sich eines ans Internet angebundenen Telefons bedient. Auf diesem Wege hätte man aktuelleres Kartenmaterial zur Verfügung als üblicherweise bei integrierten Lösungen.

Dazu mache es Sinn, jenes Gerät, mit welchem viele Menschen wichtige Teile ihres Lebens verwalten, ans Auto anzubinden, um auch dort unproblematisch auf dessen Informationen und Funktionen zugreifen zu können.

Proprietäres Problem

Als großes Problem von Apples Implementation sieht sie allerdings den proprietären Lightning-Anschluss. Dieser wurde vor anderthalb Jahren mit dem iPhone 5 eingeführt, auch aus diesem Grund arbeitet Carplay derzeit ausschließlich mit diesem Modell sowie den Nachfolgern 5C und 5S. Führt Apple einen neuen Standard ein, muss man bis zum nächsten Autokauf bei seinem aktuellen Smartphone bleiben.

Wood schildert dazu eine Erfahrung aus der Vergangenheit. Sie besaß einst einen BMW X3 mit einem 30-Pin-Dock-Connector für Apple-Geräte, gedacht für das Zusammenspiel mit dem iPod. Sie erwarb das Auto im Jahr 2006 und wollte es nutzen, um über ihr iPhone 3G Musik zu hören. Das funktionierte jedoch nicht, weil Apple die Zuweisung der Pins geändert hatte. Das Problem löste erst die Anschaffung eines zusätzlichen Adapters eines Drittherstellers.

Alternativen

Wood verweist weiters auf plattformagnostische Lösungen, wie sie Chevrolet etwa in seinem Kleinwagen Spark anbietet. Diese bietet zwar nicht den Leistungsumfang von Carplay, ermöglicht aber die Anbindung des Telefons an ein integriertes 7-Zoll-Display über eine App und Bluetooth, um die einfachere Nutzung verschiedener Funktionen zu ermöglichen. Mit Bringgo steht eine dafür optimierte Navigationslösung ebenfalls in Form einer App bereit. (gpi, derStandard.at, 5.3.2014)

  • Auch Ferrari wird Autos mit Carplay ausstatten.
    foto: ap

    Auch Ferrari wird Autos mit Carplay ausstatten.

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