Hudriwusch als Archivar des Widerstands

Kopf des Tages4. März 2014, 18:41
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Gerhard Baumgartner ist der neue Kopf des Dokumenationsarchivs. Ehre und Herausforderung sind gleichermaßen groß für ihn.

Gerhard Baumgartner hält ab Mai das DÖW auf Trab. Foto: Zolles


Menschen, die Gerhard Baumgartner gut kennen, beschreiben ihn als einen, der zuweilen etwas hudriwuschoid daherkommt; stets busy also, um nicht zu sagen: multitaskend in einer Tour.

Genau so einen aber hat das - mittlerweile auch schon ins 51. Jahr gekommene - Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, kurz: DÖW, offenbar gesucht. Einen, der nicht bloß Historiker ist und Archivar, sondern - nun ja, Gerhard Baumgartner zum Beispiel: Lehrer, Historiker, Journalist, Ausstellungsmacher, Zeitschriftenherausgeber und -mitarbeiter und, nicht zuletzt, Burgenlandungar.

DÖW muss Themengeber sein

Ab Mai steht Baumgartner dem 22-köpfigen Team des DÖW vor. Das sei, meint er, "eine große Ehre", nicht weniger groß aber sei die Herausforderung, die jahrzehntelange Arbeit der "wahnsinnig guten Truppe" dorthin zu tragen, wo sie vor allem hingehört: in die Öffentlichkeit. "Das DÖW muss auch ein Themengeber in der öffentlichen Debatte sein, die Gestaltung von Unterrichtsmaterialien etwa muss uns ein Anliegen sein."

Dieses Handwerk hat der 56-jährige Südburgenländer - geboren 1957 in Felsoör/Oberwart, aufgewachsen in Nagyszentmihály/Großpetersdorf - sozusagen von der Pike auf gelernt. Er studierte Englisch und Geschichte "auf Lehramt", wie man so sagt, absolvierte 1985/86 auch das Probejahr an einem Wiener Gymnasium, entschied sich dann aber doch für die eher harte Tour, das Projekteln, das schon damals stets auch am Prekariat entlanggeschrammt ist.

Schnittpunkt von Forschung und Vermittlung

Dabei bewegte er sich stets am Schnittpunkt von Forschung und Vermittlung. Er versenkte sich tief in die Geschichte der burgenländischen Roma und deren Auslöschung im Nazi-Furor, war Anfang des Jahrtausends Projektleiter der Historikerkommission im Burgenland, seit 1991 auch sendungsverantwortlicher TV-Redakteur für ungarischsprachige Produktionen. Er ist also auch ein ausgewiesener Kenner der Volksgruppenszene mit engen Kontakten nach Osteuropa. Nicht umsonst belegte er einst auch das Fach Uralistik. Seit 2010 lehrt er an der FH Graz Informationsdesign.

Die hier nur bedauernswert knapp skizzierbare Lebensaufgabe des geschiedenen Vaters eines erwachsenen Sohnes wird sich nicht wesentlich ändern. Gerhard Baumgartner wird im und mit dem DÖW weiter tun, was er eh nicht lassen kann: seine Hudriwusch-Qualitäten Umtriebe treiben lassen. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, 4.3.2014)

  • Gerhard Baumgartner hält ab Mai das DÖW auf Trab.
    foto: parlamentsdirektion/carina ott

    Gerhard Baumgartner hält ab Mai das DÖW auf Trab.

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