Schrotts Zwischenschritt in Sopot

4. März 2014, 17:47
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Österreichs Hürdensprinterin läuft ihrer Form hinterher, das aber bei der Hallen-WM

Wien - "Es geht mir den Umständen entsprechend." Aus gesundheitlicher Sicht ist bei Beate Schrott alles in Ordnung. Es hapert an der Form. Die Hallen-WM in Sopot/Polen (Freitag bis Sonntag) steht trotzdem vor der Tür. Schrott, Hürdensprinterin, Aushängeschild der heimischen Leichtathletik, hat das Limit über 60 Meter Hürden heuer nicht erbracht. Statt der geforderten 8,16 Sekunden war die Niederösterreicherin bei sechs Starts nie schneller als 8,21 Sekunden. Über die WM-Teilnahme bestand dennoch keine Diskussion. Nicht vonseiten des Verbandes (ÖLV), nicht vonseiten der Sportlerin. Neben Schrott ist mit 1500-Meter-Läufer Andreas Vojta nur noch ein weiterer ÖLV-Athlet dabei.

"Im Hinblick auf die EM ist ein Antreten wichtig." Die Europameisterschaft im August in Zürich ist das große Saisonziel der Olympia-Achten von London 2012. Nach Sopot fährt die 25-Jährige ohne große Erwartungen. "Ich bin über jede Runde, die ich überstehe, glücklich." Mit einer Finalteilnahme darf Schrott, deren Bestzeit bei 7,96 (Februar 2013) steht, nicht rechnen. "Wenn ich mit der Form zur EM fahren würde, würde ich mir mehr Sorgen machen." Den bisher ausgebliebenen Leistungssprung kann sie sich nicht wirklich erklären. "Ich habe mir erwartet, schneller zu sein. Jetzt muss ich froh sein, wenn ich Saisonbestleistung laufe."

Überstandene Oberschenkelverletzung

Die Oberschenkelverletzung, wegen der Schrott im Vorjahr die WM in Moskau verpasste, ist ausgeheilt. Die Vorbereitung lief optimal. Im Jänner absolvierte sie mit dem US-Trainer Rana Reider und der britischen WM-Dritten Tiffany Porter ein dreiwöchiges Trainingslager in Südafrika. "Die Einheiten liefen gut", sagt Schrott. Insgesamt war die St. Pöltnerin heuer fünf Wochen auf Trainingslager - so lange wie nie zuvor zu dieser Jahreszeit.

Schrott hat nun mehr Zeit für den Sport. "Ich bin jetzt mehr Profisportlerin." Ihr Medizinstudium hat sie fast abgeschlossen. Derzeit schreibt sie an ihrer Diplomarbeit, die im November fertig sein soll. Zwar kommt es ihr entgegen, sich mehr auf den Sport konzentrieren zu können. Andererseits fehle ihr vielleicht die Ablenkung. Zu viel Druck, sagt Schrott, mache sie sich jedenfalls nicht. "Ich habe während der Trainings immer mehr Vorfreude auf die Wettkämpfe als Druck empfunden."

Während sie ihre berufliche Zukunft im Feld der Osteopathie sieht, plant sie sportlich zumindest bis zu den Olympischen Spielen 2016 in Rio. Was danach kommt, steht in den Sternen. Vorerst geht es nach Sopot. Die Mühen des hohen Trainingsaufwandes sollten sich spätestens in der Freiluftsaison und also auch in Zürich bezahlt machen. (Birgit Riezinger, DER STANDARD, 5.3.2014)

  • Beate Schrott bestreitet in Sopot ihren ersten großen Wettkampf seit Olympia 2012 in London, wo sie sensationell Achte wurde.
    foto: apa/hochmuth

    Beate Schrott bestreitet in Sopot ihren ersten großen Wettkampf seit Olympia 2012 in London, wo sie sensationell Achte wurde.

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