Esterházy-Transaktionen stiften Unruhe

4. März 2014, 19:28
39 Postings

Um die Esterházy-Stiftungen gibt es neue Konflikte. Stefan Ottrubay hat nun formal einige Funktionen zurückgelegt, bleibt aber Chef der Gruppe

Wien - Stefan Ottrubay wirkt gelassen. Angriffe auf seine Person, Familienstreitigkeiten und Intrigen kennt er seit vielen Jahren. Genauer gesagt, seit ihn seine Tante Melinda Esterházy de Galantha (93) mit der Leitung der diversen Stiftungen betraut hat, die das Vermögen eines der bedeutendsten früheren Adelshäuser Europas verwalten. Einmal wollen frühere Weggefährten des 1989 verstorbenen Fürsten Paul V. Jagdrechte einfordern, dann wieder kämen "vermeintliche Esterházys", um eine Apanage zu fordern.

Substanz dazu wäre vorhanden. Ländereien, Schlösser, Immobilien, Freizeitanlagen, Teile des Neusiedler Sees und, und, und zählen zum Imperium, das vom Magazin Trend einst auf 1,4 Mrd. geschätzt wurde. Unumstritten ist Ottrubay nicht. Immerhin zählt er zu den Begünstigten und leitete viele Jahre selbst die diversen Stiftungen. Wäre das nicht schon heikel genug, zementiert er seine Machtstellung, indem er für die liechtensteinische Esterházy-Stiftung zeichnet. Die wiederum hat bei Vorstandsbestellungen der heimischen Privatstiftungen das Sagen.

Widersacher werfen Ottrubay vor, Begünstigte sukzessive um ihre Ansprüche zu bringen. Dieses Schicksal ist etwa Paul Esterházys Neffen Anton widerfahren. Seine Apanagen wurden gestrichen. Anträge gegen die Bestellung von Stiftungsvorständen der Dynastie werden immer wieder eingebracht. Manchmal, so stellt es der "Konzern-Chef" dar, verlangten die Gegner siebenstellige "Ablösesummen" für die Rücknahme der Klagen. Auf derartige Geschäfte lasse man sich natürlich nicht ein. Die Gerichte hätten bisher "alle Anträge abgewiesen", wie Ottrubay dem Standard versichert.

Wogen gehen hoch

Was nun neuerlich die Wogen hochgehen lässt: Die für zentrale Dienstleistungen in der Gruppe zuständige Esterházy Betriebe GmbH hat 2012 operativ mehr als vier Millionen Euro Verlust erwirtschaftet. Unter dem Strich steht ein Gewinn von 90 Millionen. Wie das geht? Zwei Familienstiftungen haben einen größeren Immobilienbesitz an die GmbH übertragen. Die wertete die Liegenschaften um 92 Mio. Euro auf.

Ottrubays Erklärung: Aufgrund der Bilanzierungsvorschriften mussten bei der Einbringung die historischen Buchwerte auf Marktwerte angehoben werden. Bei den Immobilien handle es sich um mehrere Freizeitanlagen, die großteils an Seen gelegen seien.

Dass durch immer neue Aktivitäten der Gruppe Bilanzlöcher entstünden, die dann mit Stiftungsvermögen gestopft würden - so interpretieren Widersacher das Geschehen -, weist Ottrubay vehement zurück. Das Geschäftsergebnis aller Aktivitäten sei 2012 bei 7,6 Mio. Euro gelegen, das Stiftungsvermögen in den letzten acht Jahren um 150 Millionen gesteigert worden. Auch dass Werte zwischen den Stiftungen verschoben würden, schließt der frühere Banker aus. Wenn es überhaupt zu Transaktionen komme, dann seien das Arrondierungen, denen Marktwerte zugrunde lägen.

Dennoch hat sich Ottrubay vergangene Woche nach zwölf Jahren aus den Stiftungen zurückgezogen, um künftig einen neu geschaffenen Direktionsrat der Gruppe zu leiten. Zudem bleibt er für Melinda Esterházy zeichnungsberechtigt. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 5.3.2014)

  • Nicht nur der Erhalt von Schloss Esterházy verschlingt viel Geld.
    foto: apa

    Nicht nur der Erhalt von Schloss Esterházy verschlingt viel Geld.

Share if you care.