"Krone"-Preise: Tiroler Moser Holding bringt Mediaprint vor Kartellgericht

4. März 2014, 17:26
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Wirft Wiener Riesen Missbrauch marktbeherrschender Stellung vor

Innsbruck/Wien - "Aufgepasst!" Und: "Achtung, wichtig!", riefen Flugblätter allen Haushalten in Wien, Niederösterreich und Burgenland zu. In Krone-Lettern klärte der Postwurf die Ostösterreicher auf, dass sie für das Kleinformat im Abo "127 Prozent mehr zahlen" als jene in Tirol.

Der dramatisch formulierte Postwurf kam aus Innsbruck: Die "Krone" griff die "Tiroler Tageszeitung" mit Kampfpreisen für Abonnements an. Auf 99 Schilling im Monat halbierte die Krone ihren Abopreis beinahe in Tirol, während sie in Ostösterreich auf 225 Schilling erhöhte. Die TT-Mutter Moser Holding schlug zurück - auch vor Gericht.

"Abstellungsantrag"

Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung, befand das Kartellgericht. Der Oberste Gerichtshof hob die Entscheidung auf - aus formalen Gründen. Bevor die erste Instanz die Mediaprint neuerlich und rechtskräftig verurteilen konnte, lenkte der gemeinsame Verlag von Kronen Zeitung und Kurier ein. Mit einer Unterlassungserklärung versprach die Mediaprint: Abopreise im Eroberungsgebiet Tirol würden nicht um mehr als 27 Prozent billiger angesetzt als in ihren Stammlanden. Das war 2001.

Nun geht es nach STANDARD-Infos wieder los vor dem Oberlandesgericht Wien. Beim Kartellgericht erster Instanz liegt ein "Abstellungsantrag" des Verlags der Tiroler Tageszeitung, erklärt Reinhard Hinger auf Anfrage des STANDARD. Der Sprecher des Oberlandesgerichts Wien: "Die Antragstellerin behauptet den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung auf dem Tiroler Zeitungsmarkt durch zu billige Kronen Zeitung -Abos und zu billige Inserate in dieser Zeitung. Sie beantragt, das Kartellgericht möge Aufträge zur Abstellung des Missbrauchs erteilen."

Stellungnahme der Mediaprint ausständig

Die Moser Holding will sich auf Anfrage dazu ebenso wenig äußern wie die Mediaprint-Geschäftsführung. Auf Stellungnahme der Mediaprint wartet auch das Gericht noch. Hinger: "Der Antrag wurde der Antragsgegnerin im Februar 2014 zur Äußerung zugestellt, die Frist ist noch offen."

2008 hat das Kartellobergericht den Vergleich zwischen Moser Holding und Mediaprint samt Unterlassungserklärung aufgehoben. Die Mediaprint argumentierte damals, mit günstigeren Kompaktversionen und Gratiszeitungen habe die Tiroler Tageszeitung die Marktlage im Bundesland selbst grundlegend geändert.

Die Moser Holding könnte in ihrem Antrag auf weiterhin merkbar niedrigere Abopreise in Tirol verweisen - und ihren Erfolg in den Krone- Reichweiten, die sie seit Beginn ihrer Tirol-Offensive auf rund 40 Prozent mehr als verdreifachte.

Seit 2011 haben Mediaprint und Moser ihre Tiroler Zeitungs-Zustellogistik in einer gemeinsamen Tochterfirma vereint. (fid, DER STANDARD, 5.3.2014)

  • Moser-Boss Hermann Petz (links) gegen Mediaprint-Geschäftsführer Thomas Kralinger: Die Tiroler werfen dem "Krone"- "Kurier"-Riesen vor, er missbrauche mit seinen Preisen für Abonnements und Inserate ihre marktbeherrschende Stellung.
    fotos: pfarrhofer/standard/newald

    Moser-Boss Hermann Petz (links) gegen Mediaprint-Geschäftsführer Thomas Kralinger: Die Tiroler werfen dem "Krone"- "Kurier"-Riesen vor, er missbrauche mit seinen Preisen für Abonnements und Inserate ihre marktbeherrschende Stellung.

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