Social Media, klassischer Journalismus und das Bild des einsamen Nerds

5. März 2014, 14:20
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"Geek-Teacher" Heinz Wittenbrink im Medienquartett auf Okto über Social Media als Distributionskanal, Faszination Facebook und Journalisten als Marke

Wien - "Mein Vater hat mit über 90 angefangen zu twittern, und er macht das ganz gut", sagt Heinz Wittenbrink. Er unterrichtet Online-Journalismus und Soziale Medien an der Fachhochschule Joanneum in Graz. Am Dienstag war er zu Gast beim "Medienquartett" auf Okto. Wittenbrink bezeichnet sich als "Geek-Teacher", ein Geek sei die "nette Form des Computernerds". Seinen Studierenden empfiehlt er, zu twittern und zu bloggen und zu einer eigenen Marke zu werden.

Wittenbrink: "Es kann jeder publizieren. Es kann jeder twittern. Jeder kann jede Quelle abonnieren. Ich kann mir mein mediales Universum selbst zusammenbasteln. Es gibt soziale Netzwerkstrukturen, die das ganze kontrollieren und steuern, in dem es Leute mit mehr oder weniger Reputation gibt, mit denen man zusammenarbeiten und sich vernetzen kann. Und die nehmen ein wenig die Rolle der Verlage und Redaktionen ein." Er versucht, seinen Studenten beizubringen, Quellen zu sammeln und zwischen der Güte der Quelle zu unterscheiden.

Natürlich sei Social Media für Journalisten eine Informationsquelle, sagt Astrid Zimmermann vom Presseclub Concordia. Wittenbrink sieht Social Media als einen Distributionskanal. Die Rolle von Socal Media habe ihn vor allem beim arabischen Frühling fasziniert. Wittenbrink: "Man kann sich mit Social Media wahrscheinlich besser informieren als mit klassischen Medien. Nicht nur schneller, man kommt auch zu mehr Quellen."

Einsamer Nerd?

Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen in Österreich und Bloggerin auf derStandard.at: "Aber man muss gewahr sein, dass auch Fakes dabei sind." Social Media seien ja auch sehr zeitaufwändig, wirft Möhring ein. Man sitze ständig vor Computer oder Smartphone, es komme die Gefahr der Vereinsamung dazu. Dieses Bild des einsamen Nerds stimmt so nicht, sagt Wittenbrink. "Es gibt Lanzeituntersuchungen, die ergeben, dass Menschen, die über Social Media stark vernetzt sind auch in der Offlinewelt stark vernetzt sind."

Facebook, Profit, Steuern

Für "Falter"-Herausgeber Armin Thurnher ist Facebook eine Firma, weniger eine Community. Thurnher: "Das Problem von Facebook ist, dass das eine börsenotierte Privatfirma ist und im Westentlichen dem Profit ihrer Eigentümer dient, viel zu wenige Steuern zahlt und dadurch das bestehende Mediengeschäft untergräbt." Das muss man den Staaten vorwerfen und nicht Facebook, kontert Wittenbrink. "Dass Facebook als Unternehmen dahingeht, wo es am günstigsten ist, ist ja klar."

Es gäbe ja Alternativen wie Diaspora, auch Alternativen zu Twitter. Diese Alternativen würden aber oft nicht benutzt. Auch nicht von den Kritikern von Facebook und Twitter. Wittenbrink: "Man schimpft zwar über Facebook, ist aber von den Möglichkeiten fasziniert. Es fördert den eigenen Narzismus. Es macht eben mehr Spaß, wenn ich viele Menschen erreiche". (ae, derStandard.at, 5.3.2014)

  • Astrid Zimmermann, Armin Thurnher, Rubina Möhring und Heinz Wittenbrink im Okto-"Medienquartett".
    foto: screenshot okto/medienwquartett

    Astrid Zimmermann, Armin Thurnher, Rubina Möhring und Heinz Wittenbrink im Okto-"Medienquartett".

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