Grabsteinkatalog in der Post: Der letzte Weg der Daten

4. März 2014, 17:11
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Institutionalisiertes Datenleck bei städtischer Bestattung sei technisch auszuschließen

Wien - Post von einem Grabsteinanbieter bekommt man wahrlich nicht alle Tage. Frau S. hat vergangenen November ihren Vater verloren, die Formalitäten rund um die Bestattung waren längst erledigt, als ihr im Februar ein Katalog einer Simmeringer Firma in den Postkasten flatterte. Frau S. wohnt in Penzing, ihr Vater wurde auf dem Friedhof in Ober St. Veit beerdigt. Wie das Unternehmen auf sie kam, darauf konnte sie sich beim besten Willen keinen Reim machen. Kontakt hatte sie vorher schließlich nur mit der Bestattung Wien, einer Hundert-Prozent-Tochter der Stadtwerke-Holding, gehabt.

Frau S. ging dem Datenmysterium nach - und erhielt beim Grabsteinanbieter eine erstaunliche Auskunft: "Wir haben Ihre Adresse von der Bestattung Wien." Wäre dem tatsächlich so, dann wäre das ein klarer Missbrauch. Beim Anruf des STANDARD versuchte man freilich zu relativieren: Von der Bestattung würden manchmal Aufträge für Steinmetzarbeiten über einen Pool an Firmen weitergegeben; so kämen Unternehmen an Adressen von Hinterbliebenen, die das unter Umständen gar nicht mitbekommen würden. Ein anderer Weg seien "aufmerksame Nachbarn oder Bekannte", die schon früher mit der Firma zu tun gehabt hätten und dann im Fall des Falles einen "Hinweis" auf ein möglicheres Interesse an einem Grabstein geben.

Sie verstehe, dass Menschen befremdet seien von ihrer Post, sagt die Geschäftsführerin der betreffenden Firma. Aber das sei nun einmal ihr Geschäftsfeld.

Adresssuche auf der Parte

Bei der städtischen Bestattung kennt man noch einen anderen Weg, wie einschlägige Anbieter versuchen, an Kunden zu kommen: Sie suchen auf Parten gezielt nach Hinterbliebenen und deren Adressen, um sie anschließend zu kontaktieren. Ein "institutionalisiertes Datenleck" sei technisch auszuschließen, sagt Sprecher Florian Keusch, einzelne Mitarbeiter hätten nur höchst limitiert Zugriff auf die Kundendaten. Sollten sich fragwürdige Datentransfers wie jener bei Frau S. häufen, werde man dem in jedem Fall nachgehen. (Andrea Heigl, DER STANDARD, 5.3.2014)

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