Belcanto mit ärztlicher Hilfe

4. März 2014, 17:52
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Gaetano Donizettis "Liebestrank" mit Erwin Schrott und Nino Machaidze

Wien - Es dauerte nicht allzu lange an diesem Staatsopernabend - und der Wunsch keimte auf, den Medikus zu sehen. Doktor Dulcamara ist zwar ein Scharlatan. So wie seine Effekte - in Donizettis Liebestrank - indirekt Wirkung entfalten, so würde jedoch auch Erwin Schrott womöglich die Aufführung mit Substanz beleben. Und tatsächlich: Schrott wurde, als Charaktermix aus Leporello, Don Giovanni und Don Alfonso, zum Muntermacher.

Mit wirrem Haupthaar bekränzt, entfaltete er pointenreich schlawinerartigen Charme und setzte mit klarer, wohltönend-durchdringender Stimme Abendmaßstäbe, die zwar nicht überboten wurden. Dennoch zog die Umgebung mit: Nino Machaidze (als Adina) ist darstellerisch ohnedies auf Schrott-Niveau. Und vokal schafft sie es immerhin zum Finale hin, vergessen zu machen, dass ihre geläufig-voluminöse Stimme eine etwas herbe Nebenfarbe (nicht bei Pianopassagen und hohen Tönen) zu eigen ist, welche den Gesamteindruck torpediert.

Zweifellos ward sie von Quacksalber Dulcamara mehr mitgerissen als Tenor Charles Castronovo (als Nemorino). Selbiger wirkte lange Zeit wie kurzatmig und bei hohen Tönen als mühsam Stemmender. Gewiss zeigte auch Castronovo im Laufe des Abends Steigerungen; in Regionen eines frei strömenden Belcantogesanges drang er allerdings nie vor. Konstant solide immerhin Alessio Arduini (als angenehm lächerlicher Sergeant Belcore).

Dirigent Guillermo Garcia Calvo und das Staatsopernorchester erwiesen sich hierbei nicht als große Bühnenhilfe. Mit herb-energischem Zugriff und frei von Feinheiten wurden sie auch für den Medikus zur mauerhaften Herausforderung, über welche zu dringen bisweilen stimmlich unmöglich blieb. War nicht wirklich der Inbegriff von Sängerfreundlichkeit. Dennoch Applaus. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 5.3.2014)

Vorstellungen: 6., 9. März

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