Münzenfund stellt Kanadas Entdeckungsgeschichte in Frage

4. März 2014, 16:55
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Britischer Schilling aus dem 16. Jahrhundert beflügelt Theorie, dass der Brite Francis Drake noch vor den Spaniern das Gebiet der heutigen Provinz British Columbia entdeckte

Victoria - Schatzjäger haben an der kanadischen Westküste einen britischen Schilling aus dem 16. Jahrhundert entdeckt. Der Fund könnte von weitreichender historischer Bedeutung sein, denn damit gerät die Theorie ins Wanken, wonach die Spanier 1774 den Briten bei der Entdeckung der heutigen Provinz British Columbia zuvorkamen. Der Pensionist Bruce Campbell spürte die 435 Jahre alte Münze Mitte Dezember am Ufer eines Flusses in der Provinzhauptstadt Victoria auf.

Laut der offiziellen Geschichtsschreibung waren es spanische Entdecker, die im Jahr 1774 erstmals einen Fuß auf das nördlich vom US-Bundesstaat Kalifornien gelegene Gebiet setzten - vier Jahre später gefolgt vom britischen Kapitän James Cook.

Geheim gehaltene Entdeckungsreise von Francis Drake

Campbells Münzenfund gibt einer anderen Theorie neuen Auftrieb: Demnach stieß der britische Seefahrer Francis Drake bei einer Expedition nach Kalifornien bereits im Jahr 1579 bis zu diesen nördlich gelegenen Gefilden an der Pazifikküste vor. Seine Entdeckung habe er auf Geheiß von Queen Elizabeth I. aber geheim gehalten, um Ärger mit der Kolonialmacht Spanien zu verhindern.

Der Historiker Samuel Bawlf ist ein führender Vertreter dieser sogenannten Drake-Theorie. Die Briten hätten den Ureinwohnern die Münzen überreicht, um ihren Anspruch auf die Territorien gegenüber späteren Entdeckern anzumelden, sagte Bawlf. Bereits 1930 und in den 70er Jahren waren an Kanadas Westküste zwei britische Geldstücke aus dem 16. Jahrhundert entdeckt worden.

Historiker: "Nicht genug Belege für Drake-Theorie"

Weit zurückhaltender äußerte sich der Archäologe Grant Keddie vom Royal British Columbia Museum. Es gebe einfach nicht genügend Belege für Bawlfs Theorie. Von Drakes Reise liegen keine Aufzeichnungen mehr vor. Seine Dokumente wurden bei einem Brand in London Mitte des 17. Jahrhunderts zerstört.

Der Finder der Münze zeigte sich unbeeindruckt von dem Trubel. "Ich wurde fett und vor dem Fernseher wurde es mir zu langweilig", kommentierte Campbell seine Freizeitbeschäftigung. Mit seinem Fund ist er zufrieden. Etwas Älteres als den Schilling werde er sicherlich nie wieder entdecken. (APA/red, derStandard.at, 4.3.2014)

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