Ukraine: "Russia Today"-Moderatorin geht mit Russland hart ins Gericht

4. März 2014, 19:20
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Nachrichtensprecherin Abby Martin kritisierte Russland wegen der Krim-Krise: "Was Russland tat, ist falsch" - Agentur gestürmt

Medien zählen zu den ersten Zielen von Streitkräften, so auch der russischen auf der Krim: Der einzige private Fernsehsender ist abgedreht. Maskierte Männer stürmten die Agentur für investigativen Journalismus und besetzten die Redaktion vorübergehend. Jedenfalls eine weitere Journalistin wurde attackiert, ihre Kamera abgenommen. Das New Yorker Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) protestierte Dienstag gegen diese Übergriffe.

"Nun bekommen wir nur noch eine, die ,korrekte' Sicht", sagte die Chefredakteurin des ohne Angabe von Gründen gestoppten Chernomorksaya TV, Alexandra Kvitko. Diese eine, im Sinne Russlands korrekte Sicht, kann nur das Staatsfernsehen senden.

Kritik im Fernsehen

Aber auch Fernsehen unter staatlicher russischer Kontrolle ist keine lückenlose Gewähr für regierungsfreundliche Berichterstattung: Abby Martin, Moderatorin von Russia Today, kritisierte die russische Intervention auf der Krim am Montagabend vor laufender Kamera in RT America, des internationalen, von Russland finanzierten Fernsehens.

"Was Russland getan hat, ist falsch", verurteilte Martin die Okkupation "von ganzem Herzen". "Nur weil ich für RT arbeite, heißt das nicht, dass ich keine redaktionelle Unabhängigkeit habe." Sie könne gar nicht ausdrücken, wie sehr sie Interventionen in die Angelegenheiten souveräner Staaten ablehne.

"Schachspiel der Weltmächte"

Sie wisse vielleicht nicht genug über die Geschichte der Ukraine; auch nicht über bilateralen Verhältnisse in der Region, sagte Martin: "Aber mit Bestimmtheit weiß ich: Militärische Intervention ist nie eine Antwort. Und ich werde hier nicht militärische Aggression entschuldigen oder verteidigen." Die "wahren Verlierer in diesem Schachspiel der Weltmächte" sei die Bevölkerung der Ukraine, der sie ihre Solidarität erklärte.

"Russia Today" ist ein russischen Staatssender mit Sitz in Moskau, gesendet wird auf Englisch, Arabisch, Spanisch und Russisch. Die russische Regierung betreibt den Sender, um dem internationalen Publikum die russische Sichtweise zu vermitteln.

Am Mittwoch reist die OSZE-Beauftragte für Medienfreiheit, Dunja Mijatovic, auf die Krim und will mit Journalisten zusammentreffen. (red, STANDARD, 5.3.2014)

  • Abby Martin moderiert beim russischen Staatssender "Russia Today".
    foto: screenshot/youtube

    Abby Martin moderiert beim russischen Staatssender "Russia Today".

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