Eiweißstoffe aus Mitochondrien verraten Krebszellen

9. März 2014, 17:48
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Vetmed-Forscher: Durch unterschiedliche Entkopplerproteine könnte man Tumorzellen schon früh erkennen

Wien - Wiener Forscher haben eine neue Möglichkeit entdeckt, wie man Krebszellen frühzeitig erkennen kann. Spezielle Eiweißstoffe in den Kraftwerken von sehr aktiven und rasch wachsenden Zellen verraten ihre Natur, wie die Wissenschafter nun in der Fachzeitschrift "Plos One" berichten.

Die Forscher um Elena Pohl von der Abteilung für Physiologie und Biophysik der Veterinärmedizinischen Universität (Vetmed) Wien haben mit Berliner Kollegen bei Mäusen untersucht, welche Entkopplerproteine, das sind Eiweißstoffe in den Kraftwerken (Mitochondrien) der Körperzellen, in fertigen Nervenzellen vorkommen und welche in ihren ungelernten Vorgängern, den embryonalen Stammzellen.

Dabei fanden sie heraus, dass das Entkopplerprotein UCP2 nur in den ungelernten Stammzellen vorhanden ist und verschwindet, wenn sie zu Nervenzellen ausgebildet werden. Dann jedoch taucht das Entkopplerprotein UCP4 auf, schrieben sie in dem Fachartikel. "Ein sehr hoher UCP2-Gehalt zeigte einen besonders stark angekurbelten Stoffwechsel an", so Anne Rupprecht (Vetmed) in einer Aussendung. Auch in Krebszellen hätte man das Protein früher bereits nachweisen können.

Verräterisches UCP4

Tatsächlich fanden die Forscher in der aktuellen Studie lediglich UCP2 in bösartig veränderten Nervenzellen (Neuroblastomazellen) und nicht das für fertige Nervenzellen übliche UCP4. "Am Weg zur sich schnell vermehrenden Krebszelle geht UCP4 offensichtlich verloren", erklärten sie.

"Die Zusammensetzung der UCPs in den Zellen gibt Auskunft darüber, in welchem Zustand sie sich befinden", so Rupprecht. So könnte das Vorhandensein von UCP2 Krebszellen schon recht früh verraten, meint sie. Die Forscher halten sogar eine Einstufung von Tumoren nach ihrer Bösartigkeit anhand dieser Proteine für möglich.

Zuvor habe man nur über eines von insgesamt fünf Entkopplerproteinen näher Bescheid gewusst, erklärten sie, nämlich UCP1. Es hilft Babys und winterschlafenden Tieren Wärme zu erzeugen, ohne dass sie dafür ihre Muskeln anstrengen müssen. (APA/red, derStandard.at, 09.03.2014)

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