Vettel zwischen Frust und Galgenhumor

4. März 2014, 14:49
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Das Test-Desaster hat beim Weltmeister Spuren hinterlassen. Red Bull übt sich zwei Wochen vor Saisonstart in nobler Zurückhaltung

Salzburg - Die Serie von albtraumhaften Tests hat bei Sebastian Vettel Spuren hinterlassen. Der viermalige Formel-1-Weltmeister steht angesichts seines schwächelnden Red-Bull-Boliden vor der Herausforderung, in einem anscheinend nicht konkurrenzfähigen Wagen eine Saison beginnen zu müssen. Knapp zwei Wochen vor dem Auftakt in Melbourne wartet Vettel deshalb mit einer interessanten Kommunikationspolitik auf - einer Mischung aus Frust, Galgenhumor und nobler Zurückhaltung. Möglicherweise aber ist auch Kalkül im Spiel.

"Zunächst einmal wollen wir ins Ziel kommen. Das wäre schon ein Erfolg", sagte Vettel am Montag in der Sendung "Sport und Talk aus dem Hangar-7" bei Servus TV. Und er fügte hinzu: "Wenn die Hälfte der Fahrer ausfällt, können wir sogar ein paar Punkte mitnehmen", sagte ausgerechnet der Sieger der letzten neun Rennen.

Marko: "Saisonauftakt zwei Monate zu früh"

Doch die Entwicklung eines neuen Autos mit neuem Motor und neuem Getriebe stellten Red Bull und den Motorenlieferanten Renault anscheinend vor unerwartete Probleme. Vettels Mentor und Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko schlägt deshalb Alarm. "Wir sind nicht dort, wo wir sein sollten. Der Saisonauftakt kommt für uns mindestens zwei Monate zu früh", sagte Marko: "Es wird schwer, das aufzuholen - momentan wissen wir nicht, wann und ob das möglich ist."

Auch Red Bull macht sich angesichts der katastrophalen Vorbereitung so klein wie möglich und fügt sich in die Rolle des krassen Außenseiters. Und wie Vettel tut das Team dies mit einem Augenzwinkern. Auf Twitter wurde ein Spielzeugbolide mit Bullen-Hörnern veröffentlicht und mit dem Titel "Plan B?" versehen.

Lauda: "Red Bull darf man nicht unterschätzen"

Sollte die Kommunikationszentrale im Hause Red Bull auch die Strategie verfolgen, die Konkurrenz in Sicherheit zu wiegen, so dürfte die erhoffte Wirkung weitgehend ausbleiben. "Red Bull darf man nicht unterschätzen, auch wenn es jetzt schlecht aussieht", sagte Niki Lauda, der Aufsichtsratsvorsitzende des Mercedes-Formel-1-Teams, im "Hangar-7". Die "Aufholphase", die Red Bull zu bewältigen habe, könne "ganz kurz" sein: "Dann fahren sie sofort ganz vorne mit - davon bin ich überzeugt!" Die Wahrheit, da ist sich Lauda sicher, "wird sich erst in Australien zeigen".

Fakt ist aber: Der neue Red Bull, der von Vettel traditionell kurz vor dem ersten Rennen noch einen (Mädchen-)Namen erhalten soll, ist bislang eine Diva. Während die großen Konkurrenten Mercedes und Ferrari nach dem Abschluss der Tests zufrieden Bilanz zogen, türmten sich bei Red Bull die Probleme: Insgesamt absolvierte Vettel im Vergleich mit den Rivalen weniger als die Hälfte an Testkilometern.

Stotternder Motor

Die Schuld für das Testdesaster liege laut Marko aber nicht bei Red Bull, sondern bei Motorenlieferant Renault. "Das zeitliche Problem ergibt sich dadurch, dass Renault - im Vergleich zu Ferrari und Mercedes - nur den Motor alleine am Prüfstand getestet hat, ganz ohne Getriebe", sagte er.

Doch es bleibt abzuwarten, wie rasch Red Bull die Probleme in den Griff bekommt. Sollte Vettel wie im Vorjahr wieder die letzten neun Saisonrennen gewinnen, wird er mit großer Wahrscheinlichkeit wieder Weltmeister - egal, wie die ersten zehn ausgegangen sind. (sid/red, 4.3.2014)

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    foto: ap/ hasan jamali

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