Deutsche Mediziner gegen Salzburger Privatuni

4. März 2014, 14:44
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Medizinischer Fakultätentag sieht Umgehung deutscher Vorgaben - Paracelsus-Privatuni weist Kritik zurück

Wien/Salzburg - Der zweite Standort der Salzburger Paracelsus Medizinischen Privatuni (PMU) in Kooperation mit dem Klinikum Nürnberg stößt in Deutschland auf Widerstand: Der Medizinische Fakultätentag ortet in der "Süddeutschen Zeitung" eine Umgehung deutscher Vorgaben und mangelnde Wissenschaftlichkeit bei dem in Österreich akkreditierten, in Deutschland anerkannten Medizin-Studiengang.

Widerspruch zu EU-Richtlinie

Laut Bundesärzteordnung muss ein Medizinstudium an einer wissenschaftlichen Hochschule stattfinden, so der Fakultätentags-Generalsekretär Volker Hildebrandt. Das Klinikum Nürnberg sei aber kein Uni-Klinikum. Zusätzlich sieht er noch Widerspruch zu einer EU-Richtlinie, wonach die ärztliche Grundausbildung an oder unter Aufsicht einer Uni stattfinden muss. "Die Aufsicht durch die private Universität aus Salzburg ist nicht ausreichend."

Hildebrandt: "Vorklinik ist Forschungsstütze"

Kritik übt Hildebrandt auch daran, dass ein Teil des Vorklinikums, nämlich Biochemie, Physik und Biologie, von Lehrenden der früheren Fachhochschule "Technische Hochschule Georg Simon Ohm" unterrichtet werden soll. "Die Vorklinik ist die Forschungsstütze, da werden die wissenschaftlichen Grundlagen gelegt, das kann man nicht von einer FH übernehmen", wird Hildebrandt zitiert.

In einer gemeinsamen Stellungnahme mit dem Verband der Universitätsklinika wird davor gewarnt, neue Standorte zu gründen, während die bestehenden schlecht finanziert seien. "Bis ein neuer hochschulmedizinischer Standort soweit entwickelt ist, dass Qualität und Leistung stimmen, kostet das sehr viel Geld und dauert mindestens ein Jahrzehnt, wenn nicht sehr viel länger." Gestützt sehen die beiden Verbände ihre Position durch ein Gutachten der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI): "Als Instrument des Regionalproporzes sind Hochschulklinika denkbar ungeeignet."

Am Standort Nürnberg sollen ab August 50 Studenten pro Jahrgang ein Medizinstudium nach dem Curriculum der PMU beginnen können, der Abschluss nach fünf Jahren soll auch in Deutschland anerkannt sein. Die Studiengebühr beträgt 13.500 Euro pro Jahr. Prinzipiell unterrichten am Standort Nürnberg das Stammpersonal des Klinikums Nürnberg bzw. Lehrende aus Abteilungen der Salzburger Institute für Anatomie sowie für Physiologie und Pathophysiologie, heißt es auf der PMU-Homepage.

Paracelsus-Privatuni: Keine Vorgaben umgangen

Die PMU hat die Kritik von Medizinischem Fakultätentag an ihrem neuen Standort am Klinikum Nürnberg am Dienstag zurückgewiesen. Die PMU habe bei der Schaffung des neuen Standorts weder deutsche noch EU-Vorgaben umgangen, heißt es in der Stellungnahme. Den Vorwurf mangelnder Wissenschaftlichkeit wies die PMU zurück.

An der PMU in Nürnberg werde ein nach österreichischem Recht akkreditiertes Studium angeboten, es würden daher keine deutschen Vorgaben umgangen. Da es sich bei der PMU um eine wissenschaftliche Hochschule mit qualifiziertem wissenschaftlichem Personal handle, entspreche die neue Medizinerausbildung am Klinikum Nürnberg auch den EU-Richtlinien. Der Unterricht erfolge außerdem "nach dem bewährten (und wissenschaftlichen) Curriculum der PMU", weist die Uni die Kritik zurück, wonach die wissenschaftlichen Grundlagen von der "Technische Hochschule Georg Simon Ohm" gelehrt würden. Auf die Finanzierung bestehender deutscher Medizin-Unis habe die PMU in Nürnberg wiederum wegen der überwiegend privaten Finanzierung keine Auswirkungen. (APA, 4.3.2014)

  • Der zweite Standort der Salzburger Paracelsus Medizinischen Privatuni (PMU) in Kooperation mit dem Klinikum Nürnberg stößt bei deutschen Medizinern auf Widerstand.
    foto: apa/fohringer

    Der zweite Standort der Salzburger Paracelsus Medizinischen Privatuni (PMU) in Kooperation mit dem Klinikum Nürnberg stößt bei deutschen Medizinern auf Widerstand.

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