Börsen erholen sich vom Ukraine-Schock

4. März 2014, 17:20
14 Postings

Nach dem Vortagesgemetzel an den Märkten sieht die Lage am Dienstag wieder heiterer aus

Wien/Moskau - Entspannung in Sicht: Die Börsein Tokio hat am Dienstag infolge von Schnäppchenkäufen fester geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte notierte zum Handelsende mit einem kleinen Plus 0,47 Prozent, der breit gefasste Topix stieg um 0,61 Prozent. Auch der russische Aktienmarkt, an dem die Verluste am Montag besonders kräftig ausgefallen sind, ist heute Dienstag mit schönen Gewinnen in den Handel gestartet. Im internationalen Gleichklang hat sich auch an Europas Börsen, sowie in Wien die Lage entspannt. Die Finanzmärkte haben mit Erleichterung auf die Äußerungen von Russlands Staatschef Wladimir Putin zur Krim-Krise reagiert. Die Aktienkurse an Europas großen Börsen machten nach dem im Fernsehen übertragenen Interview Putins am Dienstag einen Sprung nach vorn.

Auch der Euro hat sich am Dienstag ein Stück weit von seinen Vortagesverlusten erholen können. In der Nacht zum Dienstag war die Gemeinschaftswährung bis auf etwa 1,3720 Dollar gefallen. In der Früh stieg der Kurs wieder auf 1,3752 Dollar. Die Krim-Krise bleibt nach Einschätzung von Experten ein bestimmendes Thema am Devisenmarkt. "Die Nachrichten aus der Ukraine werden vorerst weiter den Ton angeben", sagte Experte Dirk Gojny von der National Bank. Allerdings dürften auch die geldpolitischen Entscheidungen der EZB am Donnerstag immer stärker in den Fokus rücken.

Eine Stabilisierung zeigte sich auch beim Kurs des russischen Rubels. Nachdem die russische Währung wegen der Krim-Krise zum Wochenauftakt im Handel mit dem US-Dollar auf ein Rekordtief gefallen war, ging die Talfahrt vorerst nicht weiter. Am Dienstag in der Früh wurde ein Dollar bei 36,34 Rubel gehandelt. Am Vorabend stand der Kurs noch bei 36,60 Rubel. Auf das Rekordtief war die russische Währung Montag früh gefallen, es wurde bei 36,67 Rubel für einen Dollar erreicht. Russland will indes vorerst keine ausländischen Währungen mehr kaufen. "Wegen der aktuell hohen Volatilität an den Finanzmärkten" werde der Erwerb mit sofortiger Wirkung ausgesetzt, teilte das Finanzministerium mit. Das Ministerium kann täglich Devisen im Gegenwert von 3,5 Milliarden Rubel (rund 70 Millionen Euro) erwerben, um einen der beiden staatlichen Reservefonds aufzufüllen, der mit Ölsteuern finanziert wird.

US-Anleger strichen Gewinne ein

Am Montag ging es an den Märkten turbulent zu. Europas Börsen verzeichneten kräftige Abstürze. Weit weniger dramatisch verlief der Tag für die Wall Street. Zwar strichen auch die US-Anleger Gewinne ein und investierten lieber in sichere Anlagen wie Gold oder US-Staatsanleihen, die Verluste fielen allerdings weitaus moderater aus.

Dennoch: Auch in New York gingen die Kurse nach Frankfurt und London auf Talfahrt. Der Dow-Jones-Index ging mit einem Minus von knapp einem Prozent auf 16.167 Punkte aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P-500 gab 0,7 Prozent nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel ebenfalls 0,7 Prozent. Der deutsche Leitindex Dax ist immerhin mit einem Minus von 3,4 Prozent aus dem Handel. Vergleichbar fielen die Verluste beim Wiener Leitindex ATX aus.

"Bevor zu diesem Zeitpunkt spekuliert werden sollte, gilt es eher, sich abzusichern", sagte Händler Randy Frederick von Charles Schwab. Noch sei die Lage zwischen Russland und der Ukraine zu unsicher. Die Unruhe am Markt spiegelt auch der Volatilitäts-Index VIX wider. Er sprang über 14 Prozent in die Höhe.

Zu den größten Verlierern an der New Yorker Börse gehörten Werte von in Russland ansässigen Unternehmen. So brachen die Aktien der größten russischen Suchmaschine Yandex um 14 Prozent ein. Die Papiere des Mobilfunkunternehmens Mobile Telesys gaben 7,5 Prozent nach und die des Konkurrenten Vimpelcom um fünf Prozent.

Durchaus positive Konjunkturdaten, die auf ein Anziehen der US-Wirtschaft hinweisen, gerieten angesichts der Krim-Krise in den Hintergrund. Die US-Verbraucher gaben im Januar mehr aus als erwartet. Das dürfte wegen des kalten Winters aber vor allem an höheren Heizkosten gelegen haben. Auch die US-Industrie nahm im Februar wieder mehr Tempo auf. (APA/red, derStandard.at, 4.3.2014)

  • Gewinnmitnahmen auch an der Wall Street - so dramatisch wie in Europa fielen die Verluste allerdings nicht aus.
    foto: reuters/mcdermid

    Gewinnmitnahmen auch an der Wall Street - so dramatisch wie in Europa fielen die Verluste allerdings nicht aus.

Share if you care.