Gedränge um Arbeitsplätze in Tourismus und Dienstleistung

3. März 2014, 18:16
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Trotz Nächtigungsrekorden im Städtetourismus sind Hotel- und Gastgewerbe keine Jobgaranten

Wien - Nächtigungsrekorde im Städtetourismus stellen augenscheinlich ebenso wenig einen Schutz gegen Arbeitslosigkeit dar wie mehr Angebot durch neue Hotels. In Wien ist die Zahl der als stellensuchend Gemeldeten in den Branchen Tourismus, Beherbergungsbetriebe und Gastronomie im Februar (im Vergleich zum Vorjahresmonat) um fast 14 Prozent in die Höhe geschnellt.

Als Ursachen nennt man im Arbeitsmarktservice (AMS) Wien vor allem den Ansturm an Arbeitskräften im Tourismus. Der sei in der Bundeshauptstadt besonders groß und führe zu einem Verdrängungsmechanismus durch Zuwanderer - aus In- und Ausland. Neuzugänge verdrängten etablierte Arbeitnehmer im Hotel- und Gastgewerbe, sagt AMS-Wien-Sprecher Sebastian Paulick zum Standard. Arbeitsmarktexperten der Arbeiterkammer führen außerdem saisonale Schwankungen ins Treffen. Zudem sei die Arbeitsverdichtung enorm. Je nach Auslastung würden Mitarbeiter freigesetzt und später wieder angestellt, heißt es.

Auch der von Politikern beschworene steigende Bedarf an Gesundheits- und Pflegekräften schlägt sich nicht im Jobangebot der Bundeshauptstadt nieder. In Wien verloren im vergangenen Monat 1580 Personen ihren Arbeitsplatz im Gesundheits- und Sozialwesen - das ist eine Steigerung von 22,9 Prozent. Satte Zuwachsraten - Wien ist mit einem Gesamtanstieg der Arbeitslosigkeit um 12.363 Personen (oder 13,2 Prozent) auf 106.345 der Spitzenreiter in Österreich - verzeichneten auch die unter "sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen" subsumierten Arbeitskräfteüberlasser. In dieser Branche, die fast zur Hälfte aus Gebäudereinigungspersonal besteht, schnellte in Wien die Zahl der Erwerbslosen um 14 Prozent auf 23.510 in die Höhe.

Insgesamt waren in Wien 35.590 Personen arbeitslos. Besonders betroffen: über 45-Jährige - hier stieg die Arbeitslosigkeit gar um 18,6 Prozent, obwohl es um zehn Prozent mehr gemeldete offene Stellen gab. Dramatisch das Bild auch hinsichtlich Bildung: Jeder vierte Wiener mit Pflichtschulabschluss hat keinen Arbeitsplatz.

Etwas besser scheint die Situation für jugendliche Jobsuchende: Die Zahl der Arbeitslosen unter 20 Jahren ist nur um 3,9 Prozent gestiegen. Das AMS plant daher eine intensivere spezifische Beratung für ältere Arbeitslose und arbeitet an einem eigenen Kompetenzzentrum, teilte AMS-Wien-Chefin Petra Draxl via Aussendung mit.

So dramatisch wie in Wien scheint der Anstieg der Arbeitslosigkeit in den Bundesländern nicht. Zweistellig gestiegen ist sie aber auch in Tirol. Insgesamt waren in Österreich im Februar 440.843 Menschen ohne Erwerbsarbeit, das ist ein Plus von 9,1 Prozent. An Schulungen nahmen 84.098 Personen teil.

Wiewohl ÖVP-Seniorensprecherin Gertrude Aubauer bejubelte, dass 783.000 über 50-Jährige, also rund 60 Prozent der über 50-Jährigen erwerbstätig sind (um 35.000 mehr als im Februar 2013): Die 15.343 Arbeitslosen in diesem Alter sind ebenso Rekord wie 8773 Langzeitarbeitslose. Die im Koalitionspakt vorgeschlagene Teilpension würde nur jenen helfen, die Anspruch auf Frühpension haben. (ung, APA, DER STANDARD, 4.3.2014)

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    grafik: apa
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