Arbeitsmarkt: Ältere am Abstellgleis

Kommentar3. März 2014, 17:32
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Schön, wenn Politiker in Sonntagsreden die niedrigste Arbeitslosigkeit in Europa und somit sich selbst loben

Wer kennt die Situation in Betrieben in angespannter Lage nicht? Gespart werden muss, selbstredend, beim Personal. Und weil Ältere mehr verdienen, gelangen sie bei Rationalisierungen als Erste auf die Abschussliste. Zur Hilfe kommt der Staat, der nach wie vor einige Schlupflöcher in die Frühpension offenhält (und sogleich noch die Arbeitslosenstatistik schönt).

Schön, wenn Politiker in Sonntagsreden die niedrigste Arbeitslosigkeit in Europa und somit sich selbst loben. Glauben tut das der ohnehin keiner. Vielmehr wird eine Gesellschaft durch die Verdrängung der Älteren massiv geschädigt: Das Ausmustern erfahrener Köpfe hat einen Wegfall an Wissen zur Folge, demotiviert die Betroffenen und kostet obendrein eine Stange Geld.

Wenn jetzt mit einem zarten Bonus-Malus-System gegengesteuert wird, besteht die Gefahr, dass sich die Problematik noch verschärft. Wer möchte schon in einem Betrieb arbeiten, der jemanden nur aus Angst vor Strafzahlungen behält? Zudem ist zu befürchten, dass die Freisetzung künftig vor dem Erreichen der jeweiligen Altersschwellen erfolgt. Echte Verbesserungen bedürften schon tieferer Reformmaßnahmen. An erster Stelle braucht es eine radikale Abflachung der automatischen Vorrückungen und damit des Senioritätsprinzips. Wenn Arbeit ohne Mehrleistung so teuer gemacht wird, dass sie nicht mehr leistbar ist, werden die Älteren weiter auf dem Abstellgleis landen. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 4.3.2014)

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