Nach Blutbad fasst Chinas Polizei alle Täter

3. März 2014, 15:37
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Führung beschuldigt uigurische Separatisten - Rufe nach neuem Antiterrorgesetz

Chinas Sicherheitsbehörden haben alle acht Terroristen, darunter zwei Frauen, die für das Blutbad mit insgesamt 33 Toten und 143 Verletzten im Bahnhof der südwestchinesischen Provinzhauptstadt Kunming verantwortlich waren, als uigurische Separatisten identifiziert. Vier der Attentäter aus der schwarz gekleideten und vermummten Gruppe, die mit Macheten und Dolchen wahllos auf wartende Reisende einstachen, waren Samstagnacht auf dem Bahnhof erschossen worden, darunter eine Frau. Eine weitere wurde verletzt festgenommen.

Nach 40-stündiger Großfahndung konnten alle drei entkommenen Angreifer gefasst werden, darunter ihr mutmaßlicher Anführer, meldete das CCTV-Staatsfernsehen am Dienstag. Das Ministerium für Öffentliche Sicherheit gab seinen Namen mit Abdurehim Kurban an, nannte aber keine weiteren Einzelheiten. Auf der Webseite des größten Internetportals Sina.com tauchten fünf Polizeifotos der vier Erschossenen und der verletzten Frau auf. Sie wirken offenbar alle noch sehr jung zwischen 20 und 30 Jahre alt. Es wurden keine Angaben gemacht, woher die Fotos stammen.

Das Pekinger Außenamt erklärte, dass am Tatort "Ost-Turkestan-Fahnen" aufgefunden worden sei. Sie belege den Vorwurf, dass hinter der Tat die terroristische Unabhängigkeitsbewegung (Etim) stecke, die die Abspaltung der nordwestlichen Minderheitenprovinz Xinjiang von China und die Errichtung eines eigenständigen islamischen Staates zum Ziel hat. Der Hongkonger Sender Phoenix TV zeigte eine dunkelblaue Fahne mit einer bestickten islamischen Glaubenserklärung, die auf dem Bahnhof gefunden wurde.

Die Gräueltaten haben zu verschärften Sicherheitsvorkehrungen und Polizeipatrouillen an allen Bahnhöfen, Flughäfen und öffentlichen Plätzen Chinas geführt. Sie überschatten auch die seit Montag tagenden, bis 13. März dauernden Parlamentssitzungen des Volkskongresses und seiner Beraterkammer.

Die Sitzung des Ratgeberparlaments, an dessen Eröffnung die Pekinger Führung teilnahm, begann mit einer Trauerminute für die 29 Opfer und die Verletzten, von denen 20 noch in Lebensgefahr schweben sollen. Viele Delegierte riefen nach einem besonderen "Anti-Terrorismus-Gesetz". (Johnny Erling aus Peking, DER STANDARD, 5.3.2014)

  • Verschärfte Sicherheitsmaßnahmen in Kunming.
    foto: ap/yuan

    Verschärfte Sicherheitsmaßnahmen in Kunming.

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