Wissenschaftsrat gegen Promotionsrecht für FHs

3. März 2014, 13:46
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"Gehört zum institutionellen Kernbereich der Universität" - Fachhochschulrat: "Desavouierung der gesamten Hochschulkonferenz"

Wien - Der Wissenschaftsrat spricht sich gegen eine Verleihung des Promotionsrechts an Fachhochschulen (FH) aus. Dieses gehöre "zum institutionellen Kernbereich der Universität und macht, zusammen mit der Habilitation, die besondere Stellung der Universität in einem differenzierten Hochschulsystem aus", so der Rat in einer Empfehlung. Die Unis sollten aber mit den FH in diesem Bereich kooperieren.

Derzeit dürfen nur Universitäten Doktorate vergeben. Zuletzt erhielt die Donau-Uni Krems, der als reiner Weiterbildungsuniversität eine Sonderstellung im Hochschulsystem zukommt, das Promotionsrecht.

Die Promotion dokumentiert laut Universitätsgesetz die Befähigung zu eigenständiger wissenschaftlicher Forschung. Voraussetzung für den Erwerb dieser Befähigung sei "die enge Verbindung zu wissenschaftlicher Forschung und ein entsprechendes weites, modernen interdisziplinären Forschungsentwicklungen entsprechendes Fächer- und Disziplinenspektrum, das in dieser Form ebenfalls nur an der Universität gegeben ist", argumentiert der Wissenschaftsrat. Noch deutlicher ausgeprägt komme dies in der PhD-Kultur amerikanischer Unis zum Ausdruck: Dort besäßen nicht einmal alle Unis ein Promotionsrecht, sondern nur solche mit herausragender wissenschaftlicher Leistungsfähigkeit im Grundlagenbereich.

FH nicht für wissenschaftlichen Nachwuchs zuständig

"Die Herausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist der Universität als derjenigen Einrichtung vorbehalten, in der Forschung und Lehre nicht zuletzt zum Zwecke der wissenschaftlichen Reproduktion systematisch aufeinander bezogen werden", zitiert der Wissenschaftsrat sein deutsches Pendant. Diese Funktion komme den FH von ihrem institutionellen Auftrag her nicht zu. "Vor dem Hintergrund der Diagnose einer verstärkten Nachfrage nach wissenschaftlicher Ausbildung, die gerade nicht in einen wissenschaftlichen Karrierepfad mündet, wäre eine solche Ausweitung des Promotionsrechts eine Form der Entdifferenzierung." Dies könne weder im Interesse der Erhaltung eines differenzierten Hochschulsystems liegen noch in jenem der FH selbst.

Das bedeute aber nicht, dass FH-Absolventen keinen Zugang zur Promotion haben sollen, betont der Rat. Die exklusive Ausstattung der Unis mit dem Promotionsrecht impliziere umgekehrt eine "Kooperationspflicht" gegenüber den FH: "Universitäten haben auf der einen Seite für qualifizierte Absolventinnen und Absolventen von Fachhochschulen den Zugang und die Abwicklung des Promotionsverfahrens transparent und kalkulierbar zu machen und auf der anderen Seite die Fachhochschulen an der Betreuung von Doktoranden und an entsprechenden Verfahren angemessen zu beteiligen." Dies könne etwa durch die Einrichtung gemeinsamer Promotionskommissionen sowie kooperativer Promotionsprogramme geschehen.

Fachhochschulrat: "Desavouierung der gesamten Hochschulkonferenz"

Die Fachhochschulkonferenz (FHK) hat sich am Montag "verwundert" über die "voreilige Pressemeldung des Wissenschaftsrates" zum Promotionsrecht gezeigt. Das Thema stehe erst am Donnerstag auf der Agenda der Hochschulkonferenz. Dass der Rat schon vor Beginn der gemeinsamen Sitzung "die vermeintlichen Ergebnisse" vorwegnehme, sei "eine Desavouierung der gesamten Hochschulkonferenz".

"Noch ungeheuerlicher" sei dieses Vorgehen, nachdem sich der Wissenschaftsrat selbst in der letzten Sitzung der Hochschulkonferenz als neutraler Moderator zu diesem Thema angepriesen habe und eine Präsentation zu diesem Thema auf der Agenda der Hochschulkonferenz stehe. In dieser Rolle habe er sich nun allerdings "disqualifiziert", so FHK-Präsident Helmut Holzinger in einer Aussendung.

Die Hochschulkonferenz soll als Beratungsgremium des Wissenschaftsministers das Angebot von Forschung und Lehre in Österreich koordinieren und vernetzen. Neben FHK und Wissenschaftsrat sind Wissenschaftsministerium, Universitätenkonferenz (uniko), die Uni-Senate und die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) darin vertreten. (APA, 3.3.2014)

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