"Wenn du arm bist, hast du die Pappn zu halten"

3. März 2014, 14:46
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Peter P. war einst ein erfolgreicher "Troubleshooter" für verschiedene Unternehmer. Heute muss der 61-Jährige von der Invaliditätspension leben

7,50 Euro hat Herr Peter P. am Tag, wenn er Miete und Strom und eine Sterbeversicherung ("Damit meine Kinder keine Begräbniskosten haben, wenn ich tot bin") abbezahlt hat. "Das geht sich für Essen sehr gut aus", sagt er, "ich gräme mich nie. Nur sonst darf halt nichts sein."

Wenn was ist, hilft dem 61-jährigen Grazer, der Invaliditätspension bezieht, manchmal die Caritas aus der Patsche. Heuer hat er bereits 50 Euro erhalten, weil seine Brille kaputtging und er Schuhe brauchte.

Traum von einer Pferdefarm

Er würde gerne arbeiten, aber er findet keinen Job mehr, erzählt der Absolvent der Hotelfachschule Bad Gleichenberg, der in den 1980ern unter anderem in Miami in den nobelsten Hotels arbeitete, bevor er sich in Deutschland mit seiner damaligen Frau selbstständig machte. "Ich war ein Troubleshooter", sagt er ruhig, "ich habe sieben bankrotte Unternehmen saniert". Seine Frau, mit der er zwei Kinder bekam, und er hatten eine Projektentwicklungsfirma für Sport- und Freizeitanlagen. "Und ein eigenes Pferd." Herr P. hatte nämlich schon mit sechseinhalb Jahren in Graz reiten gelernt. "Mein Traum als Kind war es, einmal eine Pferdefarm zu haben."

2001 kam das Ehepaar P. in Peters Heimatstadt Graz zurück, wo seine Mutter ein Geschäft hatte, um den Erfolg als Unternehmer hier fortzusetzen. Doch schon kurz danach begann sein "wirtschaftlicher und privater Untergang". P. erkrankte an Nierenkrebs. "Bis 2004 gleich zwei Mal", erzählt er. Er verlor alles. "2006 war dann die Trennung, 2010 die Scheidung. Einvernehmlich."

2012 wagte Peter P. einen "Neustart". Schon zuvor hatte er nebenbei Seminare gehalten, unter anderem auch am Wifi, "eine Vortragsreihe über Troubleshooting". Doch die neue Vortragsreihe fand ein jähes Ende durch eine Herzattacke.

"Suche nimmer"

"Jetzt such ich nimmer", sagt P. zu seiner Arbeitslosigkeit. Und gelernt hat er auch etwas in den letzten Jahren: "Wenn du arm bist, hast du die Pappn zu halten, zumindest hat mir das eine Dame so mitgeteilt."

Zu seinen kleinen Freuden gehört der Besuch des traditionsreichen Cafés des Hotels Erzherzog Johann nahe dem Grazer Hauptplatz - zumindest, wenn er dort von Freunden auf einen Tee eingeladen wird. "Das ist mein Lieblingsplatzerl in Graz", lächelt er über den Rest von "Luxus" in seinem Leben.

Was er machen würde, wenn er unerwartet Geld von jemandem bekäme? "Ein Bügelbrett kaufen und einen Staubsauger." (cms, derStandard.at, 3.3.2014)

  • Herr Peter P. an seinem Lieblingsplatz im Café Erzherzog Johann.
    foto: cms

    Herr Peter P. an seinem Lieblingsplatz im Café Erzherzog Johann.

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