Gespräche zur neuen Ärzteausbildung auf "gutem Weg"

3. März 2014, 12:39
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Gesundheitsministerium und Ärztekammer wieder in intensiven Verhandlungen - Finanzierung der Lehrpraxis nach wie vor offen

Wien - Über die geplanten Neuregelung der Ausbildung der Ärzte wird wieder intensiv verhandelt. Nachdem die Gespräche zwischen Gesundheitsministerium und Ärztekammer im Vorjahr vor der Nationalratswahl ergebnislos abgebrochen worden waren, sei man nun "auf einem guten Weg", versicherten beide Seiten am Montag der APA. Größter offener Punkt ist weiterhin die Finanzierung der Lehrpraxen.

Ausbildung neu für Allgemeinmediziner

Einig ist man sich, dass nach der universitären Ausbildung und der Promotion für alle angehenden Ärzte eine neun Monate dauernde Ausbildung in Basiskompetenzen folgen soll. Die Inhalte orientieren sich dabei an den 15 häufigsten Krankheiten laut Weltgesundheitsorganisation (WHO). Am Ende dieser Basisausbildung muss der künftige Arzt die Entscheidung treffen, ob er bzw. sie eine Ausbildung zum Facharzt oder zum Allgemeinmediziner macht. Bei der Facharzt-Ausbildung sind im Konzept von Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) nach der neunmonatigen Basisausbildung wie bisher sechs Jahre in einem Krankenhaus vorgesehen, wobei eine Rotation zwischen Krankenhäusern mit verschiedenen Versorgungsstrukturen möglich wäre.

Lehrpraxis

Völlig neu soll die Ausbildung zum Allgemeinmediziner strukturiert werden. Nach den neun Monaten Basisausbildung sind in dem ursprünglichen Konzept Stögers weitere 33 Monate Ausbildung im Krankenhaus vorgesehen. Der derzeitige Turnus ginge damit quasi in diesen insgesamt 42 Monaten auf. Danach kommt noch eine Ausbildung in einer Lehrpraxis. Und genau an diesem Punkt sind die Verhandlungen im Vorjahr gescheitert. Nach den Vorstellungen des Gesundheitsministers sollte die Lehrpraxis wie bisher sechs Monate dauern und sowohl in einem Spital als auch bei einem niedergelassenen Arzt oder auch gemischt absolviert werden können - so wie das jetzt auch schon möglich ist. Die Ärztekammer wollte hingegen 12 Monate Lehrpraxis und die ausschließlich im niedergelassenen Bereich, die Kosten sollte die öffentliche Hand tragen.

"Überraschend konstruktiv"

Nun hat man die Verhandlungen wieder aufgenommen, und sowohl ein Sprecher des Gesundheitsministeriums als auch Ärztekammer-Chefverhandler Peter Niedermoser bezeichneten diese als "überraschend konstruktiv". Beide Seiten zeigten sich gegenüber der APA optimistisch und betonten, dass man auf einem "guten Weg" sei.

Niedermoser erklärte, dass man zwar auch um die Gesamtdauer der Ausbildung für die Allgemeinmediziner noch diskutiere, Hauptpunkt sei aber nach wie vor die Finanzierung der Lehrpraxen. Dabei sieht der Präsident der oberösterreichischen Ärztekammer aber nicht allein den Bund, sondern auch die Länder gefordert. Gleichzeitig verwies er auf ein Modellprojekt in Vorarlberg, das die Richtung vorgeben könnte. Dort werde die Finanzierung von Bund, Ländern und Sozialversicherung gemeinsam getragen. Die Lehrpraxis absolvieren die angehenden Allgemeinmediziner im Spital und in niedergelassenen Ordinationen.

Beruf soll attraktiver werden

Mit der neuen Ärzteausbildung hofft man - ebenso wie mit dem im Zuge der Gesundheitsreform geplanten neuen Konzept der Primärversorgung - den Beruf wieder attraktiver machen zu können. Den von der Ärztekammer beklagten, drohenden Ärztemangel kann das Gesundheitsministerium allerdings nicht erkennen. Zu der von Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) genannten Zahl von rund 600 der insgesamt 1.380 Medizin-Absolventen, die 2013 nicht in Österreich als Ärzte zu arbeiten begonnen haben, stellte das Gesundheitsressort fest, dass nicht alle ins Ausland abgewandert seien. Einige davon würden noch eine Ausbildung machen oder in anderen Bereichen - etwa in der Forschung - arbeiten. Dass es genügend Ärzte in Österreich gebe, beweise auch die OECD-Statistik, wonach es 4,8 Ärzte pro 1.000 Einwohner gebe - im OECD-Schnitt hingegen nur 3,2. Für das Gesundheitsministerium geht es daher vor allem um eine bessere Verteilung der Ärzte. (APA, 3.3.2014)

  • Die Reform der Medizinerausbildung haben sich schon viele Regierungen vorgenommen. 
 
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Die Reform der Medizinerausbildung haben sich schon viele Regierungen vorgenommen.

     

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