Gekünstelte Pinselspiele: Kunst am Körper

4. März 2014, 17:54
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Kunst kommt von klecksen - Das wollen die Designer in diesem Jahr vermitteln, denn sie verzieren ihre Kollektionen mit Pinselstrichen und Kritzelwerk

Ende des letzten Jahres machte im Internet eine bunt zugeschmierte Handtasche die Runde. Die Tasche, selbstverständlich nicht irgendeine: Kanye West hatte seiner Liebsten die Hermès Birkin Bag, jenes sündteure Statussymbol für die Armbeuge, besorgt. Weil kaufen aber wahrlich jeder kann und einem Kanye West so was zu billig ist, ließ er das Lederteil bemalen. Eine Ungeheuerlichkeit, so die wenig kunstsinnigen Kardashian-Fans über das Ergebnis: Alles nur hässliches Geschmiere auf dem Taschenheiligtum!

Der New Yorker Maler George Condo hatte mit dicken Pinselstrichen nackte Monsterfrauen aufs Leder gebracht. Und Kim Kardashian, die so ziemlich alles in die Welt hinaus twittert, sorgte dafür, dass George Condo’s Schmierereien alle Kanäle verklebten. Dabei hatte Kanye mit seinem kunstsinnigen Liebesbeweis doch einfach nur den richtigen Riecher bewiesen. 

Kunstwerk sein oder eines tragen

Die schnell daher gepinselten Schlieren, angeblich hat das Hinwerfen des Taschenbildes nicht allzu lange gedauert, ergänzen sich zu gut mit dem, was die Modewelt gerade beschäftigt: Die einen behaupten, Normcore, das Untergehen in der Masse mit durchschnittlichen weißen Nike-Socken an den Füßen sei das Ding gerade. Aber ach was, rufen die Anderen: Wir sind geschmackssichere Individuen und das soll man auch sehen! Und wovon ließe sich guter Stil besser ableiten als von Kunst am Körper?

So frisch aus dem Atelier wie Kardashians Frauenakte kommt das alles ja eh nicht. Denn das, was auf dem Textil nach frisch gezogenem Pinselstrich aussieht, in der Regel ganz banal in Serie gedruckt. Aber auf dem Laufsteg, da machen sich die Farbtupfer ziemlich gut. Karl Lagerfeld zum Beispiel, der ließ seine Models als angehende Kunststudentinnen in dahin aquarellierten Kleidern auftreten, "Miuccia Prada" hob gemalte Frauenköpfe als feministisches Statement ins Programm. 


Foto: EPA/CHRISTOPHE KARABA
Lagerfeld setzte auf als Kunststudentinnen verkleidete Models.


Foto: EPA/DANIEL DAL ZENNARO

Gemalte Frauenköpfe: Feminismus à la Prada.

Selbst Phoebe Philo hatte die Nase voll von ihren eigenen minimalistischen Vorgaben der letzten Saisonen und schleuderte bunte Farbschlieren auf ihre Frühjahrsentwürfe. Sogar die sonst recht zurückhaltende deutsche Vogue bekannte jetzt zum Jahresbeginn "die neue Leidenschaft am Expressionismus".


Foto: EPA/IAN LANGSDON
Die Frühjahrsmode aus dem Haus Céline: Phoebe Philo mag es nicht mehr minimalistisch.

Was bleibt da noch als darauf hinzuweisen, wie Kunst am Körper getragen werden kann. Oder vielleicht eine Handlungsanweisung des Oscar Wilde aus dem Keller zu holen: "Man sollte entweder ein Kunstwerk sein oder eines tragen." Zumindest in diesem Frühjahr scheint die wieder mal zu funktionieren. (Anne Feldkamp, derStandard.at, 4.3.2014)

Eine Auswahl aktueller Modelle


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