"Oft ist der Kontakt zum Kind ganz weg"

3. März 2014, 17:00
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Die Besuchsbegleitung soll helfen, dass nach einer Trennung die Verbindung zum Kind nicht abreißt. Die Mittel für geförderte Plätze sind knapp, der Wiener Familienbund musste schon einen Aufnahmestopp verhängen - mehr Fördergelder werden verlangt

Wer kein Geld hat, muss leider warten: zumindest beim Wiener Familienbund. Dort gibt es momentan keine freien geförderten Plätze bei der sogenannten Besuchsbegleitung. Stichwort: Fördermittel-Engpass. Für den betroffenen Vater oder die betroffene Mutter bedeutet dies vor allem eines: keinen Kontakt zum eigenen Kind.

Nach einer Trennung oder Scheidung, oft gepaart mit einem heftigen Obsorgestreit, soll dank der Besuchsbegleitung der Kontakt minderjähriger Kinder zu ihrem besuchsberechtigten Elternteil ermöglicht werden. Vom Gericht angeordnet, sind bei den Treffen in Besuchscafés ausgebildete Begleitpersonen - u. a. Lehrerinnen, Psychotherapeuten oder Sozialberater - anwesend.

"Natürlich haben wir eine Warteliste", bekennt Christine Laimer, Geschäftsführerin des Wiener Familienbundes. Die Bundesförderungen würden zweijährig gelten, also derzeit für die Jahre 2013 und 2014, und "vergangenes Jahr ist die Anzahl der betreuten Familien völlig unerwartet angestiegen", erklärt Laimer die auch für sie unbefriedigende Situation. Die Folge sei, dass "wir nicht wissen, was wir heuer tun sollen. Anders als in anderen Bundesländern gibt es für die Besuchsbegleitung keine Landesförderungen. Im Moment haben wir eine Aufnahmesperre. Um die bestehende Betreuung aufrechtzuerhalten, können wir keine neuen Fälle annehmen."

Unfreiwilliger Kontaktabbruch

Der Familienbund ist der größte Anbieter in Wien und betreut im Durchschnitt 200 Familien pro Jahr. Wer Geld hat, kann den Kontakt zum eigenen Kind selbst finanzieren. Beim Familienbund beläuft sich eine Stunde auf 48 Euro. Wer keines hat und unter einer gewissen Einkommensgrenze liegt, muss auf einen geförderten Platz hoffen. Es sind 40 Stunden innerhalb eines Jahres, die bewilligt werden. Wichtiger Punkt: Das Kind muss unter 14 Jahre alt sein. Laimer: "Wenn der Andrang weiter so bleibt, würde ich mir schon wünschen, dass die Fördermittel angehoben werden. Gerade in Wien ist der Bedarf sicher am größten."

Mehr Fördergelder fordert auch Albert Steinhauser, Justizsprecher der Grünen, denn: "Es muss sichergestellt werden, dass die Besuchsbegleitung möglich ist." Gerade bei jüngeren Kindern sei ein unfreiwilliger Kontaktabbruch durch Wartezeiten auf einen geförderten Platz fatal: "Oft ist der Kontakt zum Kind ganz weg", beklagt Steinhauser. In einer Anfrage an das Sozialministerium wollte er wissen, wie viele Familien die Besuchsbegleitung pro Jahr bekommen. Im Jahr 2011 waren es demnach 907 Familien beziehungsweise Elternteile, im Jahr darauf 880. Für vergangenes Jahr wurden keine Zahlen ausgewiesen. Die Förderungen kosten dem Ministerium pro Jahr etwas mehr als 630.000 Euro.

Hilfe vom Land

Anders als in Wien springt in Tirol das Land ein, wenn das Geld knapp wird. "Ja, es gibt in diesem Bereich Probleme", sagt Kerstin Egger, Geschäftsführerin der Volkshilfe Tirol, "die Fördermittel des Bundes sind sehr knapp bemessen. Im vergangenen September mussten wir uns an das Land wenden, um die bestehenden Besuchsbegleitungen weiterführen zu können." Die Kosten für den intensiven Koordinationsaufwand zwischen den Betroffenen wie auch beteiligten Institutionen und Betreuungspersonen übernimmt die Volkshilfe zur Gänze, sonst ginge gar nichts. Die Landesmittel helfen. Egger: "Wir sind sehr darauf bedacht, dass es keine Warteliste gibt. Im Dezember kann es schon sein, dass man auf Jänner vertröstet wird. Generell gibt es bei uns aber nach ein, zwei Wochen bereits Termine. Es geht natürlich auch immer um die Dringlichkeit der Fälle." Auch heuer werde sich die Volkshilfe Tirol "wohl wieder ans Land wenden müssen".

Im Sozialministerium wird darauf verwiesen, dass es sich eben um Zweijahresverträge handelt, man daher "derzeit nichts verändern kann". Aber, sagt ein Sprecher: "Im Herbst werden die neuen Verträge verhandelt. Da werden wir uns das ganz genau anschauen." (Peter Mayr, derStandard.at, 03.03.2014)

 

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