Berufung Holzbildhauer

Interview3. März 2014, 15:42
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Michael Roselieb hatte immer eine Leidenschaft für Holz. Die Ergebnisse zeigt er demnächst in der Unikatewelt der "Wohnen & Interieur"

Berufung oder Beruf - das ist oft so eine Sache. Nicht für den Holzbildhauer Michael Roselieb. Die Leidenschaft für Holz war immer da, eine Angst vor beruflichen Veränderungen war kein Hindernis auf dem Weg zur Berufung, sagt er im Gespräch mit Karin Bauer.

derStandard.at: Sie sind erst seit ein paar Jahren Holzbildhauer und heuer groß auf der Wohnen & Interieur vertreten. Sie klettern schnell...

Roselieb: Ja, das stimmt, ich habe viel Glück gehabt. Ich arbeite aber schon sehr lange mit Holz - schon als Kind habe ich mit meinem Hirschfänger Holz bearbeitet und daraus kleine Skulpturen her gestellt. Eines Tages habe ich dann einfach beschlossen, die Dimension zu ändern. Jetzt mache ich einfach ein ganzes Regal aus einem Baumstamm. Und den Hitschfänger habe ich gegen die Motorsäge getauscht.

derStandard.at: Zwischen Hirschfänger und Motorsäge liegt aber noch ein anderes, eigentlich komplettes Berufsleben: eigene Filmfirma, eigenes Tonstudio, Kompositionen.

Roselieb: Die Leidenschaft für Holz wie eine Berufung war aber immer da - und dann war der richtige Zeitpunkt, mich ganz darauf zu konzentrieren.

derStandard.at: Wie entstehen die Stücke im Kopf? Wenn Sie einen Stamm kaufen, wissen Sie dann schon, was drin steckt?

Roselieb: Manchmal, nicht immer. Heutzutage schauen die meisten Möbel und Einrichtungsgegenstände aus wie Geräte aus einer Zahnarztpraxis. Da sind wenig Naturkomponenten im Spiel. Wenn man das mag, na bitte. Ich versuche, bei meinen Entwürfen einzugehen auf die vom Stamm vorgegebene Form, ich übernehme Astlöcher, ich arbeite die Maserung heraus und so weiter. Eine einfache und fast archaische Formensprache.

derStandard.at: Wie genau entstehen dann die Objekte?

Roselieb: Viele Verarbeitungsschritte setze ich nicht ein. Zuerst die großen Motorsägen, dann die kleinen, dann feilen und schleifen und zum Schluss wachsen oder ölen. Und wenn man dann die Objekte angreift, dann spürt man noch etwas von der ursprünglichen Kraft des Baumes. Reduktion von Möglichkeiten ist meine liebste Arbeitsweise. Nicht nur beim Arbeiten mit Holz. Auch im täglichen Leben gehe ich so vor: ich versuche zuerst, die unwichtigen Teile eines Unterfangens auszublenden, zu eliminieren, wegzuarbeiten - je nachdem. Ich taste mich von außen heran und stürme nicht gleich in die Mitte hinein. Dabei lege ich langsam aber sicher die wichtigeren, zentraleren Ebenen frei. Es entstehen zuerst vage Umrisse, dann aber bald klarere Linien.

derStandard.at: Und da passieren nie Irrtümer, da wird nie zu viel weg geschnitten?

Roselieb: Es kann natürlich im Verlauf des Prozesses passieren, dass ich mich irre. Dass ich sehe: ich habe zu viel weg geschnitten. Wenn dieser Punkt erreicht ist, dann gibt es aber auch kein Zurück mehr. Dann entsteht Brennholz.

derStandard: Hatten Sie keine Angst vor dieser damals schon recht radikalen beruflichen Veränderung? Beide Ihrer Unternehmen waren ja profitabel und erfolgreich...

Roselieb: Das Leben ist ja eine einzige groß angelegte Veränderung, also nimm es in die Hand bevor es andere für dich tun. Viele Menschen haben Angst vor Veränderung. Die Angst beherrscht interessanter Weise vor allem Viele in den reichen Staaten der Welt. Man gibt ungern Sicherheiten auf, die man sich erarbeitet hat. Aber ich weiß: Richtige Entscheidungen tun Körper, Geist und Seele gut.

derStandard: Ein guter Ratschlag?

Roselieb: Den kann ich nicht geben. Ich kann nur sagen wie ich es gemacht habe: Ich habe mich gefragt, bei welcher Art von Arbeit ich ganz aufgehe, meine Umwelt ganz vergesse. Wenn man dann weiß, was man wirklich machen möchte, ist es zeit - Veränderungen kann man dann nur aktiv angehen. Man muss in sich hinein hören. Ich bin jetzt viel entspannter als früher - obwohl diese riesigen Stämme eine große auch körperliche Herausforderung sind. Ich habe das Gefühl, angekommen zu sein. (Karin Bauer, derStandard.at, 3.3.2014)

Michael Roselieb (51) lebt und arbeitet in Wien und im Weinviertel. Er studierte an der WU, verkaufte seine Anteile an film+co, gründete 2001 das Tonstudio Noyz, das er 2009 verkaufte.

Links

Unikatewelt auf der Wohnen & Interieur in Wien

Der Holzbildhauer Michael Roselieb im Portrait

  • Holzbildhauer Roselieb bei der Arbeit.
    foto: ho

    Holzbildhauer Roselieb bei der Arbeit.

  • Artikelbild
    foto: m. lusser
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    foto: m. lusser
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