"Gravity" führt die Gewinnerliste bei den 86. Oscars an

3. März 2014, 06:58
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Weltraumdrama konnte sieben von zehn Nominierungen in Statuette ummünzen - Bester Film "12 Years a Slave" - Darstellerpreise an Cate Blanchett und Matthew McConaughey

Hollywood/Wien - Das Weltraumepos "Gravity" stellte sich bei den 86. Oscars am Sonntagabend in Los Angeles (Ortszeit) mit sieben Trophäen bei zehn Nominierungen an die Spitze der Gewinner. Unter anderem wurde der Mexikaner Alfonso Cuaron als erster Lateinamerikaner zum besten Regisseur gekürt. Bester Film wurde jedoch das Sklavendrama "12 Years a Slave", und auch die Darstellerpreise gingen an die Konkurrenz.

"Gravity" konnte demnach vornehmlich in den technischen Kategorien wie Spezialeffekte und Schnitt triumphieren. Bei den begehrten Darstellerkategorien kam es stattdessen im wesentlichen zu Favoritensiegen: Cate Blanchett konnte für ihre Rolle der gefallenen Society-Lady in Woody Allens "Blue Jasmine" erwartungsgemäß die Auszeichnung als beste Hauptdarstellerin für sich entscheiden. Matthew McConaughey wurde für seinen Part eines HIV-infizierten Cowboys im Aidsdrama "Dallas Buyers Club" belohnt, für den er mehr als 20 Kilogramm abgenommen hatte.

Verlierer: American Hustle

Auch in der Nebendarsteller-Sparte zählte "Dallas Buyers Club" zu den Gewinnern, wurde doch Jared Leto als Transsexueller von den Academy-Mitgliedern zum Sieger gekürt. Eine kleine Überraschung war allenfalls, dass die aus Afrika stammende Debütantin Lupita Nyong'o für ihre Leistung in "12 Years a Slave" als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet wurde und damit unter anderen die hoch gehandelte Jennifer Lawrence aus "American Hustle" deklassierte.

Überhaupt war "American Hustle" der große Verlierer des Abends. Das von Kritikern gelobte Gangsterverwirrspiel von David O. Russell konnte von seinen zehn Nominierungen sage und schreibe null in einen Oscar ummünzen. "12 Years a Slave" des britischen Regisseurs Steve McQueen, der unter anderem von Brad Pitt produziert wurde, entschied bei neun Nominierungen immerhin in drei Kategorien das Rennen für sich, während "Dallas Buyers Club" von sechs Nennungen ebenfalls drei in eine Trophäe verwandeln konnte. Spike Jonzes ungewöhnliche Liebesgeschichte "Her", die fünf Mal im Rennen war, gewann schließlich in der Sparte Bestes Originaldrehbuch.

Italienischer Rekord

Einen einsamen Rekord stellte indes Italien auf: Durch die Wahl von Paolo Sorrentinos "La Grande Bellezza" zum besten nicht-englischsprachigen Film, setzte sich das Land in der Allzeitwertung beim Auslandsoscar klar von Frankreich ab. Insgesamt elf Auszeichnungen erhielt Italien in dieser Kategorie, während Frankreich hier "nur" auf neun kommt. Ihren ersten Oscar für einen animierten Langfilm erhielten indes die Walt Disney Animation Studios, deren Hit "Frozen" auch den Preis für den besten Song abräumte. Als bester Dokumentarfilm konnte das Backgroundsängerporträt "20 Feet from Stardom" den hochgelobten "The Act of Killing" über den Massenmord in Indonesien ausstechen. Seiner Favoritenrolle gerecht wurde indes die Kurzdokumentation "The Lady in Number 6: Music Saved My Life" über Alice Herz-Sommer. Die ältestes bekannte Holocaust-Überlebende war vor einer Woche im Alter von 110 Jahren verstorben.

Neben den üblichen Danksagungen an Familie, Crew und Gott wurden bei den Oscar-Reden auch ernste Töne angeschlagen. Jared Leto widmete seinen Preis all den Träumern "da draußen, in der Ukraine und in Venezuela" und "jenen 36 Millionen Menschen, die den Kampf gegen Aids verloren haben", Regisseur Steve McQueen indes "allen Menschen, die jemals unter Sklaverei gelitten haben, und den 20 Millionen Menschen, die noch heute darunter leiden". Cate Blanchett würdigte in ihrer Rede "diejenigen in der Filmindustrie, die immer noch der Idee anhängen, dass Filme mit Frauen im Mittelpunkt vom Publikum gesehen werden und auch tatsächlich Geld verdienen", während McConaughey das stetige Streben nach Verbesserung in den Mittelpunkt stellte - sei sein größter Held doch stets "ich in zehn Jahren".

Ellen DeGeneres als Gastgeberin

Bei der Gala selbst wurde heuer auf Schlichtheit gesetzt und auf einen spektakulären Eröffnungsauftritt oder pausenfüllende Gesangsnummern und Musical-Medleys verzichtet. Kurze Filmcollagen widmeten sich realen und animierten "Helden" des Kinos, Popsängerin Pink - und nicht die Kinder von Judy Garland, wie im Vorfeld spekuliert - zollte dem Klassiker "Der Zauberer von Oz" mit ihrer Interpretation von "Somewhere over the rainbow" Tribut und Bette Midler sang im Anschluss an die traditionelle Würdigung der kürzlich verstorbenen Künstler ihren Hit "Wind Beneath my Wings". Die Nominierten für den "Besten Song", u.a. U2 mit "Ordinary Love" aus "Mandela: Long Walk to Freedom" und Pharrell Williams mit buntem Auftritt seines Hits "Happy" (aus "Despicable Me 2") rundeten das musikalische Programm ab.

Gastgeberin Ellen DeGeneres, die die Verleihung bereits 2007 moderiert hatte, holte zwar in ihrem Eröffnungs-Monolog zum üblichen Rundumschlag auf Kosten der Nominierten aus. "Ihr habt zusammen schon über 1.400 Filme gemacht - und seid zusammen 6 Jahre aufs College gegangen", beschied die 56-Jährige ihren Kollegen, die sie wiederholt im Zuschauerraum begrüßte. Dort verteilte sie Pizza unter den Stars, schenkte Bradley Cooper nach der verlorenen Nebendarsteller-Kategorie ein Lotterieticket als Trostpreis und knipste mit u.a. Meryl Streep, Brad Pitt und Angelina Jolie ein "Selfie" (Selbstporträt), das daraufhin auf Twitter in nicht mal einer Stunde mehr als 1,3 Millionen Mal geteilt wurde. Hat ihr Vorgänger Seth MacFarlane 2013 noch weibliche Nacktheit im Film mit einer eigenen Gesangseinlage angepriesen, wagte Ellen DeGeneres mit einer Anspielung auf Jonah Hills Masturbationsszene in "The Wolf of Wall Street" nur einen Witz unter der Gürtellinie. "Du hast uns etwas gezeigt, das ich schon sehr, sehr lange nicht mehr gesehen habe", so die lesbische Komikerin. (APA, 3.3.2014)

Oscars 2014: Die Gewinner* und die Nominierten

Bester Film (Best motion picture)

  • "American Hustle" Charles Roven, Richard Suckle, Megan Ellison, Jonathan Gordon (Produzenten)
  • "Captain Phillips" Scott Rudin, Dana Brunetti, Michael De Luca
  • "Dallas Buyers Club" Robbie Brenner, Rachel Winter
  • "Gravity" Alfonso Cuarón, David Heyman
  • "Her" Megan Ellison, Spike Jonze, Vincent Landay
  • "Nebraska" Albert Berger, Ron Yerxa
  • "Philomena" Gabrielle Tana, Steve Coogan, Tracey Seaward
  • "12 Years a Slave" Brad Pitt, Dede Gardner, Jeremy Kleiner, Steve McQueen, Anthony Katagas*
  • "The Wolf of Wall Street" Martin Scorsese, Leonardo DiCaprio, Joey McFarland, Emma Tillinger Koskoff

Bester fremdsprachiger Film (Best foreign language film)

  • "The Broken Circle Breakdown" Belgium
  • "The Great Beauty" Italy*
  • "The Hunt" Denmark
  • "The Missing Picture" Cambodia
  • "Omar" - Palestine

Beste Regie (Achievement in directing)

  • "American Hustle" David O. Russell
  • "Gravity" Alfonso Cuarón*
  • "Nebraska" Alexander Payne
  • "12 Years a Slave" Steve McQueen
  • "The Wolf of Wall Street" Martin Scorsese

Bestes Originaldrehbuch (Original screenplay)

  • "American Hustle" Eric Warren Singer, David O. Russell
  • "Blue Jasmine" Woody Allen
  • "Dallas Buyers Club" Craig Borten, Melisa Wallack
  • "Her" Spike Jonze*
  • "Nebraska" Bob Nelson

Bestes adaptiertes Drehbuch (Adapted screenplay)

  • "Before Midnight" Richard Linklater, Julie Delpy, Ethan Hawke
  • "Captain Phillips" Billy Ray
  • "Philomena" Steve Coogan, Jeff Pope
  • "12 Years a Slave" John Ridley*
  • "The Wolf of Wall Street" Terence Winter

Bester Hauptdarsteller (Actor in a leading role)

  • Christian Bale in "American Hustle"
  • Bruce Dern in "Nebraska"
  • Leonardo DiCaprio in "The Wolf of Wall Street"
  • Chiwetel Ejiofor in "12 Years a Slave"
  • Matthew McConaughey in "Dallas Buyers Club"*

Beste Hauptdarstellerin (Actress in a leading role)

  • Amy Adams in "American Hustle"
  • Cate Blanchett in "Blue Jasmine"*
  • Sandra Bullock in "Gravity"
  • Judi Dench in "Philomena"
  • Meryl Streep in "August: Osage County"

Bester Nebendarsteller (Actor in a supporting role)

  • Barkhad Abdi in "Captain Phillips"
  • Bradley Cooper in "American Hustle"
  • Michael Fassbender in "12 Years a Slave"
  • Jonah Hill in "The Wolf of Wall Street"
  • Jared Leto in "Dallas Buyers Club"*

Beste Nebendarstellerin (Actress in a supporting role)

  • Sally Hawkins in "Blue Jasmine"
  • Jennifer Lawrence in "American Hustle"
  • Lupita Nyong'o in "12 Years a Slave"*
  • Julia Roberts in "August: Osage County"
  • June Squibb in "Nebraska"

Beste Kamera (Cinematography)

  • "The Grandmaster" Philippe Le Sourd
  • "Gravity" Emmanuel Lubezki*
  • "Inside Llewyn Davis" Bruno Delbonnel
  • "Nebraska" Phedon Papamichael
  • "Prisoners" Roger A. Deakins

Bester Schnitt (Film editing)

  • "American Hustle" Jay Cassidy, Crispin Struthers, Alan Baumgarten
  • "Captain Phillips" Christopher Rouse
  • "Dallas Buyers Club" John Mac McMurphy, Martin Pensa
  • "Gravity" Alfonso Cuarón, Mark Sanger*
  • "12 Years a Slave" Joe Walker

Bester Tonschnitt (Sound editing)

  • "All Is Lost" Steve Boeddeker, Richard Hymns
  • "Captain Phillips" Oliver Tarney
  • "Gravity" Glenn Freemantle*
  • "The Hobbit: The Desolation of Smaug" Brent Burge, Chris Ward
  • "Lone Survivor" Wylie Stateman

Beste Tonmischung (Sound mixing)

  • "Captain Phillips" Chris Burdon, Mark Taylor, Mike Prestwood Smith, Chris Munro
  • "Gravity" Skip Lievsay, Niv Adiri, Christopher Benstead, Chris Munro*
  • "The Hobbit: The Desolation of Smaug" Christopher Boyes, Michael Hedges,Michael Semanick, Tony Johnson
  • "Inside Llewyn Davis" Skip Lievsay, Greg Orloff, Peter F. Kurland
  • "Lone Survivor" Andy Koyama, Beau Borders, David Brownlow

Beste Effekte (Visual effects)

  • "Gravity" Tim Webber, Chris Lawrence, Dave Shirk, Neil Corbould*
  • "The Hobbit: The Desolation of Smaug" Joe Letteri, Eric Saindon, David Clayton, Eric Reynolds
  • "Iron Man 3" Christopher Townsend, Guy Williams, Erik Nash, Dan Sudick
  • "The Lone Ranger" Tim Alexander, Gary Brozenich, Edson Williams, John Frazier
  • "Star Trek Into Darkness" Roger Guyett, Patrick Tubach, Ben Grossmann, Burt Dalton

Bester Dokumentarfilm (Documentary feature)

  • "The Act of Killing" Joshua Oppenheimer, Signe Byrge Sørensen
  • "Cutie and the Boxer" Zachary Heinzerling, Lydia Dean Pilcher
  • "Dirty Wars" Richard Rowley, Jeremy Scahill
  • "The Square" Jehane Noujaim, Karim Amer
  • "20 Feet from Stardom" Morgan Neville, Gil Friesen, Caitrin Rogers*

Bester Animationsfilm (Animated feature film)

  • "The Croods" Chris Sanders, Kirk DeMicco, Kristine Belson
  • "Despicable Me 2" Chris Renaud, Pierre Coffin, Chris Meledandri
  • "Ernest & Celestine" Benjamin Renner, Didier Brunner
  • "Frozen" Chris Buck, Jennifer Lee, Peter Del Vecho*
  • "The Wind Rises" Hayao Miyazaki, Toshio Suzuki

Bestes Kostüm (Costume design)

  • "American Hustle" Michael Wilkinson
  • "The Grandmaster" William Chang Suk Ping
  • "The Great Gatsby" Catherine Martin*
  • "The Invisible Woman" Michael O'Connor
  • "12 Years a Slave" Patricia Norris

Bestes Make-up, beste Frisuren (Makeup and hairstyling)

  • "Dallas Buyers Club" Adruitha Lee, Robin Mathews*
  • "Jackass Presents: Bad Grandpa" Stephen Prouty
  • "The Lone Ranger" Joel Harlow, Gloria Pasqua-Casny

Beste Musik / Soundtrack (Music written for motion pictures - Original score)

  • "The Book Thief" John Williams
  • "Gravity" Steven Price*
  • "Her" William Butler and Owen Pallett
  • "Philomena" Alexandre Desplat
  • "Saving Mr. Banks" Thomas Newman

Bester Song (Music written for motion pictures - Original song)

  • "Happy" von "Despicable Me 2" Pharrell Williams
  • "Let It Go" von "Frozen" Kristen Anderson-Lopez, Robert Lopez*
  • "The Moon Song" von "Her" Karen O, Spike Jonze
  • "Ordinary Love" von "Mandela: Long Walk to Freedom" Paul Hewson, Dave Evans, Adam Clayton, Larry Mullen

Bestes Szenenbild (Production design)

  • "American Hustle" Judy Becker, Heather Loeffler
  • "Gravity" Andy Nicholson, Rosie Goodwin, Joanne Woollard*
  • "The Great Gatsby" Catherine Martin, Beverley Dunn
  • "Her" K.K. Barrett, Gene Serdena
  • "12 Years a Slave" Adam Stockhausen, Alice Baker

Bester Kurz-Dokumentarfilm (Documentary short subject)

  • "CaveDigger" Jeffrey Karoff
  • "Facing Fear" Jason Cohen
  • "Karama Has No Walls" Sara Ishaq
  • "The Lady in Number 6: Music Saved My Life" Malcolm Clarke, Nicholas Reed*
  • "Prison Terminal: The Last Days of Private Jack Hall" Edgar Barens

Bester Kurz-Animationsfilm (Animated short film)

  • "Feral" Daniel Sousa, Dan Golden
  • "Get a Horse!" Lauren MacMullan, Dorothy McKim
  • "Mr. Hublot" Laurent Witz, Alexandre Espigares*
  • "Possessions" Shuhei Morita
  • "Room on the Broom" Max Lang and Jan Lachauer

Bester Kurz-Spielfilm (Live action short film)

  • "Aquel No Era Yo (That Wasn't Me)" Esteban Crespo
  • "Avant Que De Tout Perdre (Just before Losing Everything)" Xavier Legrand, Alexandre Gavras
  • "Helium" Anders Walter, Kim Magnusson*
  • "Pitääkö Mun Kaikki Hoitaa? (Do I Have to Take Care of Everything?)" Selma Vilhunen, Kirsikka Saari
  • "The Voorman Problem" Mark Gill, Baldwin Li
  • Gravity-Regisseur Alfonso Cuaron mit den beiden Oscars für die beste Regie und den besten Schnitt.
    foto: reuters/ mario anzuoni

    Gravity-Regisseur Alfonso Cuaron mit den beiden Oscars für die beste Regie und den besten Schnitt.

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