Terror in China: Geknechtete Minderheiten

Kommentar2. März 2014, 18:04
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Die von Peking so oft selbst gelobte Minderheitenpolitik Chinas ist nicht mehr als eine gewaltsame Kombination aus Alimentation und Überwachung

Es war am Wochenende noch nicht zweifelsfrei belegt, ob es sich bei den Messer-Attentätern von Kunming um Uiguren handelt oder nicht. Will man dürren Polizeiandeutungen Glauben schenken, dann dürften tatsächlich Extremisten der muslimischen Bevölkerungsgruppe aus dem äußersten Westen Chinas dahinterstecken. Der Anschlag würde sich jedenfalls in eine Serie von Attacken fügen, die nach den blutigen Ausschreitungen zwischen Han-Chinesen und Uiguren in Urumqi, der Hauptstadt der Unruheprovinz Xinjiang, im Jahr 2009 folgten.

Nicht alle Uiguren sind Extremisten, für die es gerechtfertigt ist, mit Messern und Hacken Unschuldige zu massakrieren. Und nicht alle fordern eine Abspaltung von Peking. Aber viele fühlen sich im eigenen Land an den Rand gedrängt. Die von Peking so oft selbst gelobte Minderheitenpolitik Chinas ist nicht mehr als eine gewaltsame Kombination aus Alimentation und Überwachung (an allen Ecken Urumqis hängen Kameras, insgesamt sind es 40.000 in der Stadt). Folklore und Förderungen sollen an den ethnisch verwaschenen Rändern des Reiches für Ruhe sorgen.

Dass das nicht ausreicht, ist evident - in Xinjiang, in Tibet oder in der Mongolei. Viele der ethnischen Minderheiten wollen echte Autonomie. Fürchtet die Führung in Peking tatsächlich innere Aufstände gegen die zentrale Macht mehr als äußere Feinde, wird sie ihre Minderheitenpolitik substanziell umstellen müssen. (DER STANDARD, 3.3.2014)

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