Jeannée und Brandstätter: Vom Unmuth in der Mediaprint

2. März 2014, 17:44
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Es war wieder einmal Zeit für ein Scharmützel unter Konzernbrüdern

Die Muthgasse ist dank "Kronen Zeitung" "seit einem halben Jahrhundert erste journalistische Adresse im Land". Das erklärte "Krone"-Postler Michael Jeannée seinen Leserinnen und Lesern am Sonntag. Und dieser Befund sei gar "unbestritten selbst von der Konkurrenz, weil diese das ob der Auflage und Reputation unserer Zeitung nicht bestreiten kann" - das kann gar fett gedruckt.

Nun begleitet die "Krone" und ihren Journalismus unbestreitbar ein Ruf, nicht jeder kann da allerdings so leicht von einer Reputation sprechen oder schreiben wie Jeanée. Der Kolumnist trägt selbst einiges zu diesem Ruf bei.

Einer, zu dessen "Hegeabschuss" Jeannée schon einmal aufgerufen hat, liefert dem "Krone"-Kolumnisten den Anlass für seine Definition der "Krone" und ihrem Ansitz: Helmut Brandstätter, Chefredakteur und Herausgeber des "Kurier". Der teilt zwar einen Verlag und vor allem dessen Ertrag mit der "Kronen Zeitung", möchte aber zumindest nicht die gemeinsame Adresse. Weshalb Döblings ÖVP die Kreuzung Muthgasse/Mooslackengasse a) zum Platz erklären und b) diesen nach Prälat Lepold Ungar benennen möge.

Stefan Kappacher brachte die "realsatirische Parallelaktion" Donnerstag im Ö1-"Mittagsjournal" aufs Tapet. Freitag berichteten Eva Dichands "Heute" und Wolfgang Fellners "Österreich", Samstag mokierte sich "Die Presse" in einer Glosse und erinnerte, wie Kappacher, an den gemeinsamen Konzern von "Krone" und "Kurier".

Der alte Mediaprint-Zwist

Hinter der Realsatire und den Scharmützeln der beiden Geschwister steht wie so oft das Geld: Schon vom 2010 verstorbenen Hans Dichand ist der Vorwurf an den kleineren Mediaprintbruder überliefert: "Die verbrennen mein Geld".

Sieben Millionen Euro Jahresüberschuss stehen am Ende der jüngsten verfügbaren Mediaprintbilanz 2012/13 (derStandard.at/Etat berichtete). Im noch laufenden Geschäftsjahr könnten es unter dem Strich rund zehn Millionen Euro werden, sagen Menschen mit Einblick in den Geschäftsgang. Und Menschen, die diesen Geschäftsgang eher aus der Sicht der Muthgasse 2 verfolgen dürften, schätzen den Beitrag der "Krone" zu diesem Ergebnis auf 25 bis 30 Millionen Euro.

All diese Angaben lassen sich von außen nicht auf auf Richtigkeit und Vollständigkeit prüfen, sind also mit diesem Vorbehalt zu sehen. Wer in der Mediaprint wieviel zum Ergebnis beiträgt, ist offenbar auf mehrerlei Arten zu berechnen. Am Prälat-Ungar-Platz rechnet man, wie bisher in der Lindengasse, gewiss anders als in der Muthgasse - Muthgasse 2 jedenfalls.

Wer wieviel herausbekommt, ist hingegen relativ klar: Aufgrund der Verträge von 1988, unterzeichnet auch von den so noch immer im Firmenbuch stehenden "Krone"-Gesellschaftern Hans Dichand und WAZ-Gruppe (die heute Funke-Gruppe heißt), bekommt die "Krone" 70 Prozent vom Mediaprint-Gewinn - und der seit der Mediaprint-Partnerschaft doch ein Stück geschrumpfte "Kurier" 30 Prozent. Hans Dichand überzeugte "Kurier"-Haupteigentümer Raiffeisen in den 1990-ern, der kleinere Mediaprinttitel müsse sich - vorübergehend - mit 22 Prozent bescheiden.

Längst sind es wieder 30. Zum Unmut vor allem an der "ersten journalistischen Adresse im Land". (fid, derStandard.at, 2.3.2014)

  • "Krone"-Postler Michael Jeannée.
    foto: apa/pfarrhofer

    "Krone"-Postler Michael Jeannée.

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