EZB und Ukraine geben Takt an Börsen vor

2. März 2014, 15:05
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Anleger rätseln über mögliche EZB-Zinssenkung, Furcht vor Eskalation des Ukraine-Konflikts und Staatspleite

Frankfurt/New York - Die Gemüter am Aktienmarkt dürfte in der neuen Woche vor allem eine Frage bewegen: Lockert die EZB die Zinsschraube erneut oder hält sie trotz niedriger Inflationsraten still?

Jörg Rahn, Analyst bei Marcard, Stein & Co, geht davon aus, dass die Währungshüter bei ihrer Sitzung am Donnerstag auf Zeit spielen und nicht aktiv werden dürften. "Da die jüngsten Konjunkturdaten aus der Eurozone nicht so schlecht waren, wird die EZB den wirtschaftlichen Aufschwung in der Währungsunion erst einmal wirken lassen", prognostiziert der Experte.

Auch an der Wall Street steht das Schicksal der Konjunktur im Vordergrund und damit die Frage: Schwächt sich die weltgrößte Volkswirtschaft tatsächlich ab oder ist bloß das schlechte Wetter an den trüben Daten schuld?

Die EU-Kommission traut der Eurozone in diesem Jahr ein Wachstum von 1,2 Prozent zu. Zuletzt hatten die Zentralbanker im November den Leitzins auf das Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt, um möglichen Deflationsgefahren - also einen Preisverfall auf breiter Front - entgegenzuwirken. Im Februar verharrte die Inflationsrate in den Staaten der Währungsunion bei 0,8 Prozent.

Unsicherheiten am Markt

Bleibt eine Zinssenkung am Donnerstag aus, dürfte der deutsche Leitindex DAX in der neuen Woche keine neuen Höchststände ins Visier nehmen, meinen Börsianer. Dafür gebe es derzeit einfach zu viele Unsicherheiten - allen voran die Krise in der Ukraine. Nach dem Machtwechsel fürchten viele Anleger in Frankfurt und New York, dass Russland militärisch intervenieren und der Konflikt eskalieren könnte. Zudem droht der hoch verschuldeten Ukraine die Staatspleite. Eine Delegation des IWF soll nächste Woche in Kiew Gespräche über ein mögliches Hilfspaket führen. Auf Wochensicht verlor der Dax bis Freitagmittag 0,7 Prozent auf 9.593 Zähler - zuletzt war er im Jänner auf ein Rekordhoch von 9.794,05 Zähler geklettert.

Neben der Zinsentscheidung der EZB haben die Anleger beiderseits des Atlantiks die Arbeitsmarktzahlen aus den USA fest im Blick. Die zuletzt eher schwachen Konjunkturdaten, mit denen das Risiko einer raschen Drosselung der ultralockeren Geldpolitik aus Sicht vieler Anleger abgenommen hat, gaben der Wall Street einen Schub. Der Dow-Jones-Index gewann auf Wochensicht 1,4 Prozent und schloss am Freitag auf 16.321 Punkten. Der S&P 500 verließ den Handel auf dem Rekord-Schlussstand von 1.859 Zählern, der jedoch deutlich unter dem Tages-Höchststand von 1.867 Punkten lag.

Arbeitsmarktdaten in den USA

Die US-Notenbank Fed macht die Rückführung der milliardenschweren Anleihenkäufe vor allem von einer nachhaltigen Verbesserung des Arbeitsmarkts abhängig. Commerzbank-Analyst Christoph Balz rechnet für den offiziellen US-Arbeitsmarktbericht (Freitag) mit einem nur mäßigen Stellenaufbau von 130.000 im Februar nach 113.000 im Vormonat. Das Wirtschaftswachstum habe sich verlangsamt und das nicht nur wegen der Kältewelle, erklärt Balz. US-Volkswirte sind meist etwas zuversichtlicher und gehen im Schnitt von 148.000 neuen Stellen aus. Weiteren Aufschluss auf die US-Geldpolitik könnte der Konjunkturbericht "Beige Book" liefern, den die Fed am Mittwoch vorlegt. An diesem Tag werden zudem der ISM-Serviceindex sowie der ADP-Arbeitsmarktbericht veröffentlicht.

Auf Trab halten dürfte die Anleger am deutschen Aktienmarkt auch eine Reihe von Quartalszahlen aus der ersten und zweiten Reihe. Beim Versorger RWE müssen sich die Anleger am Dienstag auf Milliardenverluste einstellen. Wegen wegbrechender Erträge der Gas- und Kohlekraftwerke und daraus folgender Abschreibungen sei 2013 ein Nettoverlust von knapp drei Milliarden Euro aufgelaufen, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. RWE kämpft wie die anderen Versorgungsriesen auch mit den Folgen der Energiewende.

Am Donnerstag folgt die Bilanz der Deutschen Telekom. Neben den Geschäftszahlen für 2013 erhoffen sich Anleger auch Hinweise über die künftige Ausrichtung des Konzerns durch den neuen Vorstandschef Tim Höttges.

Auf der Agenda steht zudem die regulären Überprüfung der Nebenwerteindizes durch den Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse (Mittwoch): Der Gabelstaplerhersteller Kion könnte nach Einschätzung von Experten für Grafitspezialist SGL in den Nebenwerteindex MDax aufsteigen. Im TecDax könnte dagegen Spezialmaschinenbauer Manz ein Comeback feiern. Nach Meinung der Experten müsste dann Netzwerkausrüster Adva seinen Platz in dem Technologieindex räumen. (APA/Reuters, 2.3.2014)

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