Die Orchidee auf der Skipiste

1. März 2014, 16:26
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Nach Sotschi war vor der Weltmeisterschaft. Die Olympischen Spiele gingen auch diesmal ohne die Skibobfahrer über die Bühne. Sie hielten ihre WM in Spital am Semmering ab

Spital am Semmering - Lisa Zaff ist "ein bisschen traurig. Vielleicht wollte ich es zu sehr", sagt die 25-jährige Steirerin. Vieles hätte für sie gepasst. Der flache Kurs, der Sonnenschein, der Wettbewerb. Und dazu die Weltmeisterschaft in der Heimat. Gut, viele Menschen hätten nicht Notiz genommen von Zaffs erstem WM-Titel. Vor Ort schon gar nicht.

Zaff ist quasi in einem Orchideenfach auf der Skipiste aktiv. Skibobfahren erfreute sich schon größerer Beliebtheit. In den 1970er-Jahren erlebte es seine Hochblüte, wie Roland Fritsch, Präsident des Österreichischen Skibob-Verbands (ÖSBV), erzählt. 400 bis 500 Aktive gibt es bundesweit. Zaff zählt zu den Besten ihres Faches. Bei der WM in Spital am Semmering belegte sie Platz zwei im Super-G, geschlagen von der Tschechin Alena Housova. Sechs Läuferinnen waren in der Eliteklasse am Start, vier aus Tschechien, zwei aus Österreich. Diese beiden Nationen sind also die tonangebenden im Skibob-Sport.

105 Athleten aus zwölf Nationen waren bei der WM dabei. Die mangelnde internationale Verbreitung ist ein Problem der Skibobfahrer, hindert sie hauptsächlich daran olympisch zu agieren. 1988 hätte in Calgary ein Demonstrationsbewerb stattfinden sollen. Das Vorhaben scheiterte an fehlenden Sponsoren, sagt Fritsch. "Olympia ist für mich noch ein Thema, auch wenn mich andere auslachen." Im Moment werde die Sache aber nicht aktiv angegangen.

Trainer aus dem Alpin-Lager

Vorerst will man probieren, "professionell zu werden", sagt Bernd Zobel. Der Kärntner ist seit 2012 Trainer des ÖSBV-Teams, er war davor Alpin-Skitrainer und einige Jahre im ÖSV beschäftigt. "Ich habe Peter Schröcksnadel gefragt, ob er nicht einen Trainer für uns habe", sagt Fritsch. Der ÖSV-Präsident wusste einen. "Ich habe geschmunzelt, als man mich gefragt hat", sagt Zobel, der nach einem Probekurs einwilligte. Skibob gefahren ist er bisher noch nicht. Das müsse er auch nicht. "Ich schaue auf die Linie und die Technik." Und da, sagt Zobel, gebe es keinen großen Unterschied zu den Alpinen.

Unter Anleitung sei das Skibobfahren leicht erlernbar, sagt Fritsch. "Nach vier Tagen fahren sie jeden Hang runter." Das Sitzen vermittle ein subjektives Sicherheitsgefühl. Die Verletzungsgefahr sei geringer als im Skifahren.

Ab 900 Euro ist ein Skibob zu haben. Das Renngerät kostet rund 2500 Euro. "Manche fahren mit einem 20 Jahre alten Gerät." Nur die montierten Ski werden häufiger ausgetauscht. Atomic produziert jährlich 50 bis 100 Stück davon extra für Österreichs Skibobfahrer in seiner Lehrwerkstätte.

Akzeptanz auf der Piste

"Die Skifahrer sind nicht gegen uns", sagt Fritsch. Im Gegensatz zu früher fänden Skibobfahrer auf der Piste mehr Akzeptanz. "Die Snowboarder haben den heiligen Schnee für alle eröffnet." Als Vertreter einer Orchideendisziplin stößt er schon einmal auf neugierige Blicke. "Mich reden 20-Jährige an, die sagen: 'Das schaut voll cool aus.'"

Martin Gutjahr begann zwölfjährig mit dem Skibobfahren, war davor stehend auf Schnee unterwegs. In Spital gewann er im Super-G Bronze, womit der 38-jährige Salzburger nicht unbedingt gerechnet hatte.

Man kann also auch als älterer Läufer reüssieren, um den Nachwuchs in Österreich ist es ebenfalls gut bestellt. Um die Finanzen weniger. Einwöchige Trainingskurse im Finnland, wie schon gehabt, seien nicht mehr drinnen. Trainiert wird in der Regel an Wochenenden. Die Athleten sind nicht von Beruf Skibobfahrer. "Wir trainieren wie die Wahnsinnigen" , sagt Zobel. Dem Mann mit der ÖSV-Vergangenheit könnte eine Zukunft im heimischen Skiverband blühen. Präsident Fritsch hätte nichts dagegen, "wenn wir unter den ÖSV schlüpfen könnten". Konkrete Gespräche werden aber noch nicht geführt.

Für einen Stockerlplatz bei der WM gab es Piccolos, Rubbellose und Handwärmer. Keine Preisgelder. Auch für Zaff nicht. Am Freitag revanchierte sich die Köflacherin im Riesentorlauf, holte wie ihr Landsmann Gerhard Hauer junior Gold. Viele Menschen nahmen davon nicht Notiz. Vor Ort schon gar nicht. Aber Zaff musste nicht mehr traurig sein. (Birgit Riezinger, DER STANDARD, 01./02.03.2014)

ERGEBNISSE vom Samstag

Herren:

Slalom: 1. Gerhard Hauer (AUT) 1:57,56 Min. - 2. Christian Ablinger (AUT) 1,34 Sek. zurück - 3. Pavel Cihacek (CZE) 1,81.

Kombination (Super-G, Riesenslalom und Slalom): 1. Hauer 5:41,44 - 2. Ales Housa (CZE) 4,54 - 3. Markus Achleitner (AUT) 5,10.

Damen:

Slalom: 1. Alena Housova (CZE) 2:04,39. 2. Lisa Zaff (AUT) 2,06. 3. Stanislava Preclikova (CZE) 2,97

Kombination: 1. Housova 5:57,82 - 2. Zaff 2,55 - 3. Claudia Hartl (AUT) 16,78

  • Gerhard Hauer junior zählt weltweit zu den besten Skibobfahrern. Es gibt allerdings nicht so viele Skibobfahrer. In Spital am Semmering holte er im Riesentorlauf und im Slalom Gold.
    foto: photo plohe

    Gerhard Hauer junior zählt weltweit zu den besten Skibobfahrern. Es gibt allerdings nicht so viele Skibobfahrer. In Spital am Semmering holte er im Riesentorlauf und im Slalom Gold.

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