Präsidentschaftswahlen in Ägypten: Der Mann in den Kulissen

Kommentar28. Februar 2014, 20:51
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Statt der erwarteten Kandidatur-Erklärung von Verteidigungsminister al-Sisi kommen fast täglich schwer entzifferbare Meldungen aus Kairo

Der Feldmarschall macht es spannend: Statt der erwarteten Kandidatur-Erklärung von Verteidigungsminister und Armeechef Abdel Fattah al-Sisi kommen fast täglich schwer entzifferbare Meldungen aus Kairo.

Zuerst war das der Regierungsrücktritt, der angeblich Sisi den Weg zur Kandidatur öffnen sollte. Diese Interpretation war prozedural unsinnig - warum sollten alle gehen, wenn nur einer gehen müsste - und wurde widerlegt, als Sisi prompt im Amt blieb. Durch den Austausch des Premiers sollte wohl eher der aktuellen Streikwelle der Wind aus den Segeln genommen werden. Was misslungen ist.

Und nun beschneidet Übergangspräsident Adly Mansur per Dekret seine Macht und gibt die Führung des Obersten Militärrats, die immer beim Präsidenten lag, an den Verteidigungsminister ab. Der heißt Sisi - aber nicht mehr lange. Oder? Rechnet Sisi mit einem anderen Präsidenten und will diesem den Zugriff auf das Militär verwehren? Will er gar nicht mehr Präsident werden, ein Posten, auf dem er nicht mehr der verehrte Übervater sein, sondern für alle Übel Ägyptens verantwortlich gemacht werden wird?

Wahrscheinlicher ist, dass Sisi gerade ein perfektes Paket für die Armee - für seinen Zirkel in der Armee - schnürt, das auch hält, wenn er selbst einmal nicht mehr Präsident sein wird. Die Aufgabe der Militärratsführung kann er verschmerzen, wenn dort ein hundertprozentiger Vertrauensmann sitzt. Der wartet noch in den Kulissen. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 1.3.2014)

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