Hoffnungsvolle Apokalypse

28. Februar 2014, 17:51
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Das kanadische Kollektiv Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra um Efrim Manuel Manuck präsentiert am Sonntag neue aufregende Kampfmusik für schlechte, schwere Zeiten

Wien - Im Wiener Jazzclub Porgy & Bess sah man zuletzt 2012 eine Leistungsschau des hauseigenen Labels Constellation Records. Der dabei entstandene Dokumentarfilm And We Made The Room Shine zeigt, dass nicht nur Instrumente auf der Bühne gut klingen, sondern auch Stiegengeländer im Eingangsbereich als Geräuschquellen geeignet sind. Er kann gerade frisch auf Youtube abgerufen werden.

Nun machen der im kanadischen Montreal beheimatete Gitarrist Efrim Manuel Manuck und seine Frau Jessica Moss mit ihrer Band Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra wieder einmal Stopp in Wien und präsentieren im benachbarten Brut-Theater das neue Programm Fuck Off Get Free We Pour Light On Everything.

Ähnlich wie Godspeed You! Black Emperor, die zweite Band des Paares, wird hier eine selbstverwaltete, selbstproduzierte und böse kapitalistische Anfechtungen strikt ablehnende Kampfmusik geboten, die verschiedene historische Formen der musikalischen und politischen Aufsässigkeit zusammenführt: Folkgefiedel mit jeder Menge Protest in den Künstlern, radikal Hippietum mit den Ausläufern des Hardcore-Punk verschränkender Autonomer-Bauernhof-Progressive-Rock sowie eine Prise kosmonautischer Freizeitspaß mit Drogen für Weltraumreisende - und natürlich Free Jazz als politische Kraft. Dieses Sound-Amalgam zeichnet nicht nur Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra aus, sondern auch andere Constellation-Bands wie etwa Do Make You Think.

Im Gegensatz zu den zwei Handvoll Musikern im Kollektiv Godspeed You! Black Emperor, die weitgehend auf Gesang verzichten und in länglichen Gruppenimprovisationen erkunden, wie viel Rock, Post-Rock, Postpost-Rock und Rock ohne Rock hergeben, wenn man nicht gern Akkordwechsel macht, singt Menuck bei Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra gern und viel. Derzeit ist aus nicht ganz weit hergeholten Gründen vom nahenden Weltuntergang die Klage - und davon, dass unsere Kinder alle einmal den Scherben aufhaben werden, den wir ihnen von anderen Kindern in Ausbeuterbetrieben der Dritten Welt herstellen haben lassen. Die Sonne fällt vom Himmel, Menschen stürzen sich von Hochhäusern, Shopping Malls brennen, knallharter Stoff.

Allerdings spricht Menucks Sohn Ezra anfangs nicht nur die schönen Zeilen: "We live on the island called Montreal, and we make a lot of noise ... because we love each other!" In den epischen Stücken macht sich mitunter auch so etwas wie Hoffnung breit, beziehungsweise wird Restoptimismus geduldet: "Lord, let my son live long enough to see that mountain torn down." (Christian Schachinger, DER STANDARD, 1./2.3.2014)

Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra, So., 2. 3., Brut-Theater, Wien, 21.00

Link

www.brut-wien.at

  • Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra aus Montreal um den musikalischen Kopf Efrim Manuel Manuck (mit Gitarre) gastiert am Sonntag in Wien.
    foto: yannick grandmont

    Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra aus Montreal um den musikalischen Kopf Efrim Manuel Manuck (mit Gitarre) gastiert am Sonntag in Wien.

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