Krankenschein forever

Blog1. März 2014, 00:01
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Die User und die Daten

Irgendwie war die Welt noch in Ordnung, bevor Edward Snowden ein paar Festplatten voller NSA-Dokumente auf die Welt losließ. Zumindest konnten wir uns das selber sagen. Überwachung und das Sammeln von Daten waren auch vorher schon Thema, aber der Staat als Datenkrake betraf uns eher bei der Auswahl von Agentenromanen für die Strandlektüre, als im täglichen Leben. Das NSA-Thema fand auch im Forum nur mäßige Resonanz, selten hat ein Artikel mehr als hundert Postings.

Umso überraschender wie ausgiebig die Diskussion um Elga, die Elektronische Gesundheitsakte, geführt wird. Das liegt wohl daran, dass wir alle direkt betroffen sind, während die Vorstellung, dass ausländische Geheimdienste unsere Telefone überwachen, eher abstrakt bleibt. Die Tendenz im Forum ist jedenfalls klar: Elga wird abgelehnt.


Mit Technologie-Feindlichkeit allein lässt sich die Stimmung aber nicht erklären. Wie diese Woche bekannt wurde, wollen sich bereits 140.000 Menschen von Elga abmelden und das hängt wohl mit einer anderen Sorge zusammen: Datensicherheit.

Über Jahre hinweg bemühte sich die Regierung und die verantwortlichen Minister zu betonen, wie sicher das Elga-System sei, nur um diese Sicherheitsgarantie beim erstbesten Daten-Skandal über Bord zu werfen. Eine Firma, die im Auftrag des Bundesinstituts für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen Schulwesens (Bifie) eine weitere Firma mit der Datensicherheit von SchülerInnentests betraute, hatte offenbar ein Datenleck. Die Emailadressen von 37.000 Lehrern lagen für jeden zugänglich auf einem rumänischen Server.

Die Lehrergewerkschaft beeilte sich, den Rücktritt von Bildungsministerin Heinisch-Hosek (SPÖ) zu fordern, doch diese fühlt sich in der Rolle der Aufklärerin und nicht der der Schuldigen. "Im Cyber-Bereich kann niemand etwas garantieren", sagt Heinisch-Hosek. Dass jemand im 21. Jahrhundert noch das Wort "cyber“ verwendet, kann verziehen werden, wie sieht es aber mit der Sicherheit unseren Gesundheitsdaten aus?


In der Community herrscht große Skepsis. Niemand kann garantieren, dass seine persönlichen Daten absolut sicher sind. "Wenn man nicht in eine Höhle, fernab der Zivilisation ziehen will, dann bleibt nur die Möglichkeit, Daten wo es geht zu vermeiden", meint ein User. Aber es gibt auch jene, die finden, dass von den Elga-Gegnern übertrieben wird. Dass es keine hundertprozentige Sicherheitsgarantie geben kann, wird dabei gar nicht in Abrede gestellt. Wenn überhaupt macht Elga nachvollziehbar, wer sich welche Daten angesehen hat.


Auch wenn sich noch einmal so viele Menschen von der elektronischen Gesundheitsakte abmelden wollen, als bisher schon geschehen, bleiben die Zahlen doch sehr gering. 140.000 sind gerade zwei Prozent aller im System erfassten Menschen. Doch das Bifie-Datenleck hinterlässt einen bitteren Beigeschmack. Ob der Effizienz-Gedanke, der hinter der Idee von Elga steht, schlussendlich wahr wird, wollen viele User erstmal abwarten.


(Florian Stambula, derStandard.at, 28.2.2104)
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