Wenn die Lärche mit der Lerche zwitschert

28. Februar 2014, 16:55
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Das Osttiroler Vater-Sohn-Team Jungmann & Aberjung Design Agency entwarf in Nußdorf-Debant eine alpine Luxusschutzhütte mit dem außerirdisch tierischen Namen "Ufogel"

Ein seltsames Tier ist es, das sich hier auf der Osttiroler Wiese niedergelassen hat: Das hölzerne Gebilde aus Holz, das neben dem ehrwürdigen Bauernhaus keck auf Stelzenfüßen balanciert und mit breitem Fenster ins Gebirgspanorama guckt, wirkt fremd und vertraut zugleich. Fremd, weil winzig und nicht ins Hof-Scheune-Schema passend, vertraut hingegen, weil mit freundlichen, einheimischen Lärchenholzschindeln verkleidet. Der animalisch-außerirdische Name: Ufogel.

Konzipiert als Biwak für Wanderer

Entworfen wurde das Minihaus vom Vater-Sohn-Gespann Peter und Lukas Jungmann aus Lienz. Die erste Idee war noch alpiner, als es die Holzoptik ahnen lässt. Konzipiert wurde es nämlich als Biwak für Wanderer. "Weitwanderer haben einen anderen Anspruch als Alpinisten, die nur übernachten wollen", sagt Lukas Jungmann, der vor allem für die Inneneinrichtung verantwortlich ist, während Vater Peter die konstruktive Hülle plante. Ein wenig erinnert die minimale Hochgebirgsarchitektur an die futuristischen, silbernen Kugeln, die Gerhard Garstenauer in den 1970er- Jahren hoch über Sportgastein absetzte und die zwar nicht wie Vögel, dafür aber wie Ufos aussahen.

Der Name für den aufgeständerten Unterschlupf stand schon früh fest: "Das heruntergezogene Vordach am Eingang schaut aus wie der Schnabel eines Vogels", meint Lukas, der jedoch vor allem den funktionalen Zweck betont: "Das Dach bietet Schutz vor Schneewechten und nimmt die Versorgungsleitungen auf."

Vorfertigung und Handarbeit

Die Biwak-Pläne wurden zwar wieder verworfen, doch dafür erspähte ein Holzbauunternehmer den Entwurf und wollte ihn unbedingt realisieren. So entstand ein erster Muster-Ufogel mit 45 Quadratmetern Wohnfläche auf eineinhalb Geschoßen, das bald den ersten Käufer fand. Heute steht es als bestens ausgelastete Ferienwohnung auf einer idyllischen Wiese in Nußdorf-Debant bei Lienz. Die kleine Luxusschutzhütte mit Küche, Dusche und Doppelbett ist eine konzentrierte Mischung aus Vorfertigung - der Bau lässt sich leicht transportieren - und maßgeschneiderter Handarbeit.

Trotz dünner Stahlfüße ist das extraterrestrische Federvieh felsenfest in der Heimat verwurzelt: Lärchenholz und Naturstein im Minibad stammen ebenso aus der Gegend wie das edle Wildleder, mit dem Polster und Handläufe bezogen wurden. Vorteil der engen Zusammenarbeit von Vater und Sohn: Architektur und Einbaumöbel sind untrennbar miteinander verschmolzen. So etwa dienen die schräg gestellten Panoramafenster zugleich als gläserne Sofa-Rückenlehne.

Exportschlager

Ausgeliefert wurde der erste Ufogel 2012. Seitdem steht das Telefon im Hause Jungmann nicht mehr still. Drei bis vier Fogelfreunde fragen täglich nach. Sogar aus Dubai und Korea kamen schon Anfragen, berichtet Lukas Jungmann. Und: Das authentisch austroalpine Holzhandwerk hat eindeutig das Zeug zum ornithologischen Exportschlager.

Ob es irgendwann einmal doch noch zu seiner ursprünglichen Nutzung als Biwak auf dem Berg findet? "Das wäre sehr wünschenswert", bekräftigt Lukas Jungmann. "Der Ufogel kann aber genauso gut eine Seehütte sein." (Maik Novotny, DER STANDARD, 1.3.2014)

Zahlen & Fakten

  • Grundstücksgröße: 780 m²
  • Wohnfläche: 45 m²
  • Zusätzliche Nutzfläche: 15 m²
  • Anzahl der Bewohner: 2 bis 4
  • Energiebedarf: 60 kWh/m²a
  • Baukosten: 190.000 Euro
  • Fertigstellung: 2012
  • Architekten: Jungmann & Aberjung Design Agency

Links

www.aberjung.com

www.ufogel.at

  • Der Ufogel, dessen Betonung einige Fragen aufwirft, kann nächteweise ...
    foto: günter jagoutz

    Der Ufogel, dessen Betonung einige Fragen aufwirft, kann nächteweise ...

  • ... angemietet werden. Die Fläche ist zwar klein, ...
    foto: günter jagoutz

    ... angemietet werden. Die Fläche ist zwar klein, ...

  • ... doch Synergieeffekte gibt's in der Lärchenuntertasse viele.
    foto: lukas jungmann

    ... doch Synergieeffekte gibt's in der Lärchenuntertasse viele.

  • So dienen die schräg gestellten Panoramafenster zugleich als gläserne Sofa-Rückenlehne.
    foto: lukas jungmann

    So dienen die schräg gestellten Panoramafenster zugleich als gläserne Sofa-Rückenlehne.

  • Die Grundrisse machen's möglich.
    bild: jungmann

    Die Grundrisse machen's möglich.

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