Giganten aus Österreich

28. Februar 2014, 17:35
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In einer Art Lebensrückblick zog Richard Lugner - kein Opernball ohne eine erschütternde Mörtel-Story - in "News" Bilanz über sein Leben

Terminbedingt wurden dieser Tage in den Medien zwei Familiengeschichten aufgekocht, beide mit einem leichten Vergangenheitsbezug. In einer Art Lebensrückblick zog Richard Lugner - kein Opernball ohne eine erschütternde Mörtel-Story - in "News" Bilanz über sein Leben und kam zu dem Schluss: "Es ist nicht alles gelaufen, wie ich wollte. Die Familie Lugner gibt's nicht." "Mausi ist weg. Käfer ist weg. Katzi ist weg. Hasi ist weg. Bambi ist weg. Kolibri ist weg", liefert das Magazin eine Familienaufstellung melancholischer Art: "Wenn Richard Lugner nach Hause in seine Grinzinger Villa kommt, erwarten ihn auf 300 Quadratmetern Wohnfläche und 2.500 Quadratmetern Garten nur noch drei echte Haustiere."

Wo tiefe Tragik waltet. "Lange lebte der Clown der Wiener Gesellschaft nur für seine Firma. Und für den Opernball. Heute lebt er alleine", aber in seiner Einsamkeit aufgestöbert von "News". Da ist es kein Wunder: "Österreichs Society-Clown Richard Lugner ist einsam und verbittert. Wochentags hetzt Lugner noch immer atemlos von Party zu Party, 1.000-PS-Ball, Villacher Fasching, kein Ereignis ist zu gering, keine Einladung zu unwürdig", nicht einmal die des Magazins. "Doch wenn das Wochenende kommt, wird die Einsamkeit nur noch von Erinnerungen verdrängt", zerdrückt der "News"-Reporter eine stille Träne. "Dass seine erste Familie langsam zerbrach, schmerzt Lugner noch heute. Eine Moschee stampfte er danach in Rekordzeit aus dem Boden, restaurierte liebevoll den Stadttempel der Wiener Synagoge, errichtete am Gürtel sein imposantes Einkaufszentrum", doch was half diese Bauwut? - "Die Beziehung zu seinen zwei Söhnen konnte der Baumeister nie mehr richtig planieren."

Spät, aber doch, und das ist nicht jedem gegeben, tritt er ins Stadium des Zweifels und der Selbsterkenntnis ein. "Für viele bin ich nur noch der Lustgreis." Ob ihn all die "unbedarften Frauen, die sich von ihm viel zu kindische Tiernamen umhängen ließen", wirklich geliebt haben oder "ob andere Überlegungen ausschlaggebend waren", kann er nicht sagen, und damit steht er nicht allein. "Der Herr Wlaschek, mit dem ich gut befreundet war, hat ja dasselbe Problem. Er weiß nicht, ob die Frauen ihn lieben oder das, was er ihnen bietet." Wenn sie es in ihrem Alter noch nicht wissen, werden sie das Rätsel Weib in dieser Welt wohl nicht mehr entschlüsseln.

Kaum weniger berührend die Familienstory von der Tochter, die unter dem Vorwand, der EU auf die Sprünge helfen zu wollen, auszieht, das Andenken ihres Vaters von den Sprüngen zu heilen, die ihm böswillige Neider zufügen. Der "Kronen Zeitung" gelang das Kunststück, auf der Titelseite die Nachricht "Jörg Haiders Tochter tritt bei EU-Wahl an", mit einem Foto zu kombinieren, das Richard Lugner zeigt, wie er sich - "Wer schön sein will, muss leiden - beim Schönheits-Chirurgen fünfzehnmal ein Botox-Spritzerl setzen ließ".

Zeigte sich der also Behandelte in Bezug auf sein Leben halbwegs einsichtig, wenn auch spät, bewies das letzte Aufgebot des BZÖ für die EU-Wahl töchterliche Liebe durch hartnäckige Uneinsichtigkeit. Kindesliebe entschuldigt ja einiges, aber muss man sich selbst als "Haider-Tochter" zu der Behauptung versteigen: "Vater war ein Gigant", und zwar "ein Gigant der österreichischen Innenpolitik", wie sie das der "Presse" gegenüber unwidersprochen tat?

Zum Thema EU hatte sie bisher nicht mehr abzuspulen als die aus dieser Richtung zu erwartenden Phrasen, umso mehr dafür zum Anlass ihrer Kandidatur, zu ihrem Vater. "Ich will meine Kandidatur auch dafür nutzen, einige Dinge richtigzustellen", gestand sie im Hinblick auf die Causa Hypo den "Salzburger Nachrichten". "Ich lehne es ab, wie der Name meines Vaters beschmutzt wird." Mehr noch. Dass er "täglich missbraucht werde, um ihren Vater als allein Verantwortlichen in der Causa Hypo hinzustellen, könne sie nicht mehr mitanschauen".

In dieser Situation weiß sie aus bester Familientradition, wohin man sich wenden muss. Schon am Mittwoch, einen Tag vor den anderen Blättern trat die alte Familienkoalition Haider/Dichand wieder in Kraft, und Conny Bischofberger durfte über eine rührend bebilderte Doppelseite hinweg die ebenso kühne wie rein rhetorische Frage stellen: "Tun Sie das für Ihren Vater, Frau Haider-Quercia?" No na, für die EU wird sie "die väterliche Alkoholisierung" leugnen wollen. Da glaubt sie lieber: "Der Tod ist bis heute nicht aufgeklärt". Aber immer noch besser aufgeklärt als vieles, das er sonst hinterließ. (Günter Traxler, DER STANDARD, 1./2.3.2014)

  • Lugner und seine Bilanz in "News" über sein Leben.
    apa-foto: herbert p. oczeret

    Lugner und seine Bilanz in "News" über sein Leben.

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