Parteijugend fordert Freund zum Eintritt in die SPÖ auf

28. Februar 2014, 17:19
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SP will sozialeres Europa - Freund sieht zu viel "Klein-Klein" in der EU - SPÖ-Kandidatenliste bestätigt

Wien - Mit Standing Ovations wurde der erste große Auftritt des Spitzenkandidaten Eugen Freund als Politiker am Freitag im Großen Redoutensaal der Wiener Hofburg quittiert, bis in die letzten Reihen hievten sich die Delegierten zum SPÖ-Bundesparteirat dafür in die Höhe. Freund hatte sich zuvor mit bescheidenem Tonfall präsentiert: Er hätte nicht geglaubt, dass sein Traum, einmal eine Rede in der Hofburg zu halten, tatsächlich in Erfüllung gehen würde, leitete der langjährige ORF-Journalist und neue Spitzenkandidat seinen Auftritt ein.

"Ein Stück mit der Sozialdemokratie gehen"

Er wolle nun "ein Stück mit der Sozialdemokratie gehen", sagte Freund. Die Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit und Armut seien ihm dabei besonders wichtige Anliegen: "Reiche werden immer reicher, Arme werden nur zahlreicher. Das können wir nicht hinnehmen." Kritisch zeigte er sich darüber, dass die EU sich zu viel mit Kleinigkeiten auseinandersetze. Der Spitzenkandidat spielte dabei unter anderem auf die Debatte um offenes Olivenöl auf Restauranttischen an: "Diese Dinge hat Brüssel uns nicht vorzuschreiben. Neben all dem Klein-Klein fehlt es an den großen Entscheidungen."

Kritische Stimmen gegenüber dem Spitzenkandidaten gab es seitens der Jugendorganisationen. SJ-Vertreterin Julia Herr forderte Freund in der öffentlichen Diskussion auf, sich als Spitzenkandidat auch zur Partei zu bekennen und wurde dafür von Ministerin Gabriele Heinisch-Hosek vom Podium gebeten. Einer ihrer Kollegen überreichte Freund kurz darauf ein übergroßes Antragsformular zum Parteibeitritt, während Parteirebellin Daniela Holzinger Herr anerkennend die Hand schüttelte.

SJ-Tirol Vorsitzender Luca Tschiderer überreicht Eugen Freund ein SPÖ-Beitrittsformular (ab Minute 3:50)

Darabos: Programm "mit Spitzenkandidat kompatibel"

Worte des Vertrauens erntete Freund von Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos, der das Parteiprogramm für durchaus "kompatibel mit dem Spitzenkandidaten" hielt. Auch Kanzler Werner Faymann sah in Freund "einen Freund unserer Bewegung, einen Mann mit großen und sehr tollen Eigenschaften, der bewiesen hat, dass er auf unserer Seite steht."

Kandidatenliste bestätigt

Nach den Reden fixierte der Parteirat am Freitag die Kandidatenliste für die EU-Wahl. 93 Prozent der Delegierten stimmten für die von Eugen Freund angeführte Liste. Freund ersetzt Hannes Swoboda, der nicht mehr kandidiert, hinter ihm sind die bisherigen Abgeordneten Evelyn Regner, Jörg Leichtfried, Karin Kadenbach und Josef Weidenholzer platziert.

Das Wahlprogramm "Für ein soziales Europa" wurde ohne Gegenstimmen und mit nur drei Enthaltungen angenommen.  Darin bekennen sich die Sozialdemokraten zur Europäischen Union, üben aber auch deutliche Kritik. Im inhaltlichen Fokus des Programms stehen die Forderungen der SPÖ nach sozialen Mindeststandards in Europa, der Einführung der Finanztransaktionssteuer, dem Ausstieg aus der Atomenergie und Programmen gegen die Jugend-Arbeitslosigkeit und einer Beitrittsperspektive für alle Länder des Westbalkans. (juni, 28.2.2014)

  • Eugen Freund will ein Stück mit der Soziademokratie gehen. Die Sozialdemokratie ist größtenteils einverstanden.
    foto: apa/hochmuth

    Eugen Freund will ein Stück mit der Soziademokratie gehen. Die Sozialdemokratie ist größtenteils einverstanden.

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