Salzburg im Stile einer Klassemannschaft

Analyse28. Februar 2014, 15:25
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Wie die Bullen dem niederländischen Serienmeister Ajax Amsterdam ein zweites Mal die Grenzen aufzeigten

Der Schiedsrichter pfiff an, die Salzburger jagten los. Zu  Beginn zeigten die Bullen in unveränderter Formation gegen Ajax Amsterdam noch einmal ihr wahnwitziges Pressing aus dem Hinspiel. Nach diesem ersten Angriffswirbel legte sich der Pressingsturm ein wenig. Red Bull positionierte sich als gesamtes Team wieder sehr hoch, spielte aber kein ganz so aggressives Forechecking wie in der ersten Hälfte in Amsterdam.

Ajax-Torhüter Jasper Cillessen wurde nur in Ausnahmefällen angelaufen. Die Salzburger Angreifer stellten geduldig die Passwege zu und warteten auf gute Gelegenheiten zum Zugriff. Aus der eigenen Hälfte betrieb Salzburg kaum eigenen Spielaufbau (41 Prozent Ballbesitz), sondern schlug die Kugel hoch nach vorne, um auf die zweiten Bälle zu lauern und bei Ajax-Ballbesitz die geliebten Pressingsituationen zu kreieren. Bei Ballgewinn schaltete Salzburg wie gewohnt rasend schnell um.

Wie vor einer Woche provozierte Salzburg zahlreiche Ballverluste der Amsterdamer Defensivspieler. Mike van der Hoorns Abspielfehler (4. Minute) blieb noch ohne Konsequenzen, doch Innenverteidiger Stefano Denswil wurde in der Folge Opfer des Pressings. Im Spielaufbau leistete sich der Niederländer zwei normalerweise fatale Fehler, die in zwei ungenutzten Torchancen für Alan resultierten (6./19.).

Im Gegensatz zum Hinspiel verwertete Salzburg seine Chancen in der ersten Hälfte jedoch nicht, die beste davon war ein Lattentreffer von Jonatan Soriano (34.). Erst in der zweiten Hälfte wurde die Überlegenheit in drei Tore umgemünzt.

Ein Sonderlob verdienten sich einmal mehr die Außenverteidiger Christian Schwegler und Andreas Ulmer. Sie bespielten ihre Seite über die gesamte Länge. Beide attackieren äußerst früh und füllten so die Lücken hinter den Außenstürmern Sadio Mané und Kevin Kampl. In die Offensive schalteten sie sich mit mehreren Flankenläufen ein und suchten sogar selbst den Abschluss: Jeder schoss zweimal in Richtung Tor, allerdings visierte nur Schwegler einmal richtig, Cillessen parierte (58.).

Amsterdams Trainer Frank De Boer nahm nach der desaströsen 0:3-Heimniederlage zahlreiche Veränderungen vor: So wechselte er unter anderem bis auf Ricardo van Rhijn seine gesamte Viererkette aus und schickte Christian Poulsen diesmal von Beginn an auf die einzige Sechser-Position in der  4-3-3-Grundordnung, die beibehalten wurde.

Gut funktionierte bei Ajax aber nur die Abseitsfalle. Insgesamt achtmal wurden die Salzburger vom Schiedsrichter zurückgepfiffen. Ansonsten knirschte es an allen Ecken und Ende im Getriebe.

Auf den Halbpositionen war es Aufgabe von Siem de Jong und Davy Klaassen, bei weiten Schlägen die Ablagen von Sturmtank Kolbeinn Sigthorsson zu verwerten. Wie im Hinspiel misslang dies jedoch völlig, weil Christoph Leitgeb und Stefan Ilsanker sich die zweiten Bälle holten und Salzburg erneut die Mittelfeldhoheit sicherten.

Ajax' Euro-Debütant und Rechtsaußen Lesly De Sa hielt konsequent seine rechte Seite und bot aufgrund dieser breiten Positionierung eigentlich sehr gute Möglichkeiten zur Spielverlagerung. Solch ein Seitenwechsel gelang aber zum ersten Mal erst kurz vor dem Halbzeitpfiff.

Die Amsterdamer hatten wie im Hinspiel enorme Probleme im Spielaufbau. Und das hatte einen guten Grund: Salzburg verdichtete von Beginn an die Zentrale. Amsterdams Poulsen war als einziger Sechser im Aufbau völlig ausgeschaltet und hatte nur 41 Ballkontakte. Noch weniger im Spiel war Kapitän Siem de Jong mit 27 Kontakten auf der linken Halbposition. Folgerichtig nahm De Boer beide Spieler schon nach 63 Minuten vom Platz.

Weil Red Bulls Vierer-Offensivreihe wie im Hinspiel die Ajax-Außenverteidiger in der Defensive hielt, fehlte Ajax in der 4-3-3-Formation die Breite im Spiel. Salzburg leitete das Spiel nach außen und provozierte dort Ballverluste der isolierten Außenspieler. Aufgrund dieser Konstellation fand auch das Rückspiel hauptsächlich in der niederländischen Spielhälfte statt.

Ajax fehlte ein Spieler, der sich im Mittelfeld in bedrängten Situationen gegen Salzburgs Mittelfeld-Abfangjäger Ilsanker und Leitgeb durchsetzen konnte, um dann den Ball nach vorne zu treiben.

Ajax versuchte zwar ebenfalls ein Mittelfeldpressing, doch mit Mané und Kampl besitzt Salzburg zwei wendige und technisch herausragende Spieler, die sich aus diesen Drucksituationen sehr gut befreien konnten. Zudem schaltete auch Leitgeb nach seinen Ballgewinnen sehr rasch und dynamisch um.

Ajax Amsterdam hat in seiner traditionellen 4-3-3-Formation zweimal kein Mittel gegen die Salzburger Pressingmaschine gefunden. Im Achtelfinale darf jetzt der FC Basel den nächsten Feldversuch wagen. (Jörn Wenge, derStandard.at, 28.2.2014)

  • Soriano wurde seinem Ruf als Vollstrecker gerecht.
    foto: apa/ap/joensson

    Soriano wurde seinem Ruf als Vollstrecker gerecht.

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