Wie heißt der Shitstorm auf österreichisch?

Kolumne28. Februar 2014, 17:47
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Zur Sprachverbesserung

Wir Österreicher sind arme Schweine. Als hätten wir mit dem Hypo-Debakel und der EU-Kandidatur von Haiders Tochter nicht Scherereien genug, verdichtet sich jetzt auch noch der Verdacht, dass wir zusehends sprachlich unter die Räder kommen. Arglistige Anglizismen und grindige Germanismen höhlen unseren genuin österreichischen Sprachschatz aus, und lange wird es nicht mehr dauern, ehe wir "dufte" statt "leiwand" und "fuck" statt "ja, Feign" sagen, wenn wir in der Kneipe lecker Frikadellen bestellen.

So pressant stellt sich das Problem inzwischen dar, dass ihm News diese Woche sogar seinen Aufmacher ("Red' net so deppert!") gewidmet hat. Im Blattinnern spricht sich die Redaktion für den Erhalt der köstlichsten Austro-Sprach-Preziosen aus, als da etwa wären: greanschedlat (burgenländisch für "strohblond"), Bratlschütz (steirisch für "Wilderer" ), Bodabiira (vorarlbergerisch für "Erdäpfel") oder Faustbusserl (wienerisch für "Faustschlag auf den Kopf").

Außerdem können österreichische Sprecher künftig eine Patenschaft für akut vom Aussterben bedrohte heimische Wörter übernehmen, ein Angebot, das beim Krisenkolumnisten sicher nicht ungehört verhallen wird. Ich werde der schönen Redewendung "Brunzbuschen z'sammtuschen" (für: kopulieren) Pate stehen. Erstens, weil sie sich gar so possierlich reimt, und zweitens, weil sie so romantisch ist. Dagegen kann eine mechanistisch-germanische Geschlechtsverkehr-Vokabel wie "poppen" (" Einmal gepoppt, nie mehr gestoppt!") nicht einmal in hundert Jahren anstinken.

Ein anderes Problem, das ansteht, ist die Frage nach einem passenden heimischen Äquivalent für das scheußliche englische Wort "Shitstorm". Wohlfeile Wendungen wie "Kotsturm" oder "Scheißwetter" sind für österreichische Ohren unerträglich, weil viel zu bundesdeutsch. Die lassen wir lieber außen vor.

Mein Gegenvorschlag wäre, auf die feine Wiener Wendung "Schas im Wald" zurückzugreifen und sie flugs auf "Schas im Web" umzutaufen ("Die Kampagne für den neuen McDonald's-Burger hat einen regelrechten Schas im Web ausgelöst"). Zusatzvorteil bei dieser Shitstorm-Übersetzung: Man könnte problemlos zwischen großen und kleinen Shitstorms differenzieren. Ein "Schas im Web" für den großen Storm, ein "Lercherlschas im Web" für den kleinen. (Christoph Winder, Album, DER STANDARD, 1./2.3.2014)

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