Muskeldystrophien: Hoffnungen in neue Therapien enttäuschend

28. Februar 2014, 14:02
1 Posting

Molekularbiologische Therapien konnten Erwartungen nicht erfüllen - Auch bei klassischem Kraft- und Ausdauertraining Datenlage unzureichend

Wien - Kürzlich abgeschlossene Studien über molekularbiologische Therapieformen für Muskelerkrankungen haben die Erwartungen nicht erfüllt, erklärten Fachärzte heute, Freitag, bei einer Pressekonferenz in Wien. Aber auch über die Wirksamkeit und mögliche Nachteile von klassischen Therapien wie Kraft- und Ausdauertraining sei noch zu wenig bekannt, sagten sie.

In den vergangenen Jahrzehnten hätte zwar das Wissen über die molekularen Ursachen von Muskelkrankheiten wie Duchenne Muskeldystrophie (DMD) "eindrucksvoll zugenommen", doch die therapeutischen Möglichkeiten blieben weiterhin recht eingeschränkt, erklärt Arpad von Moers von der Kinderklinik der Deutschen Rot Kreuz Kliniken Berlin.

Die ersten großen Studien zur Behandlung von Patienten mit DMD, Spinaler Muskelatrophie (SMA) und Amyotropher Lateralsklerose (ALS) auf molekularbiologischer Basis hätten nicht die gewünschten Ergebnisse gebracht, sagt er. "Diese Ansätze stellten sich als mühsamer heraus als geglaubt", so der Mediziner. Dies sei nicht nur für die Forscher deprimierend, sondern vor allem für die betroffenen Familien, deren Hoffnungen enttäuscht wurden.

Ausdauer vor Kraft

Trotz dieser Ernüchterung solle man nicht vergessen, dass die Therapien auch ohne große Durchbrüche in den vergangenen Jahrzehnten enorm verbessert wurden, sagte Günther Bernert, Ärztlicher Leiter des Preyer'schen Kinderspitals in Wien, der auch Präsident der Vereinigung "Österreichische Muskelforschung" ist. So konnte die Lebenserwartung bei DMD-Patienten im Vergleich zu den 1970-er Jahren verdoppelt werden, vor allem aber habe sich die Lebensqualität für die Betroffenen gesteigert.

Nachholbedarf sieht Andrea Klein vom Muskelzentrum Zürich auch beim Wissen zu begleitenden Behandlungsformen wie Kraft- und Ausdauertraining. "Man sollte meinen, dass es für Muskelkrankheiten gute Daten gibt, ob Krafttraining nützt oder sogar eher schadet, aber dem ist leider nicht so", sagt Klein. Vermutlich sei Ausdauertraining eher gut, Krafttraining eher schlecht für die Patienten, doch die Qualität der Daten, denen diese Annahmen zugrunde liegen, sei alles andere als zufriedenstellend. Immerhin würden aktuell gute, kontrollierte Studien mit Patienten durchgeführt, erklärt die Kinderärztin.

Internationale Tagung

Heute und morgen findet im  AKH in Wien eine internationale Tagung über die Forschung, Diagnosemöglichkeiten und Therapien neuromuskulärer Erkrankungen statt. Diese wird von der Österreichischen Muskelforschung organisiert und kann auch von Patienten und deren Angehörigen besucht werden.

In Österreich sind etwa 20.000 Menschen, etwa die Hälfte davon Kinder und Jugendliche, von derzeit noch unheilbaren Muskelerkrankungen betroffen. (APA/red, derStandard.at, 28.2.2014)

Share if you care.