Ukraine: Ein Land, viele regionale Unterschiede

28. Februar 2014, 11:24
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Die Halbinsel Krim ist ist ethnisch und historisch am brisantesten

Der Machtwechsel in Kiew rückt die regionalen Unterschiede in der Ukraine erneut ins Blickfeld. Teilungsszenarien, wie sie in westlichen Medien zuletzt verstärkt kursierten, dürften aber nach wie vor unrealistisch sein. Eines der stärksten Indizien dafür ist, dass die am Samstag versuchte Flucht des abgesetzten Präsidenten Wiktor Janukowitsch, angeblich nach Russland, ausgerechnet im ostukrainischen Donezk vereitelt wurde, wo er seine stärkste Unterstützung genießt. Am gleichen Tag war bei einem Treffen des Janukowitsch-Lagers in Charkiw die Idee einer Abtrennung des Ostens verworfen worden. Danach setzten sich hochrangige Funktionäre, unter ihnen der Bürgermeister von Charkiw, angeblich nach Russland ab.

Die ethnisch und historisch brisanteste Region der Ukraine ist die Halbinsel Krim. Sie hat den Status einer Autonomen Republik und ist mehrheitlich von ethnischen Russen bewohnt, von denen viele auch einen Pass der Russischen Föderation besitzen. Durch einen unter Janukowitsch abgeschlossenen Vertrag mit Moskau darf die russische Schwarzmeerflotte bis 2042 im Hafen Sewastopol liegen.

Mehr als zehn Prozent der Bewohner sind Krim-Tataren. Sie waren 1944 von Stalin kollektiv in den Osten deportiert worden und durften erst 1989 in die Heimat zurückkehren. Sowohl die Orange Revolution 2004 als auch die Euro-Maidan-Bewegung seit November 2013 wurde und wird von den Krim-Tataren stark unterstützt.

Die Krim-Tataren wenden sich auch gegen jeden Versuch einer Abspaltung der Halbinsel, wie er zuletzt vonseiten des prorussischen Lagers angedeutet wurde. Es werde keinen Zerfall der zentralen Machtstrukturen und der Ukraine geben, sagte Ali Chamsin, Pressesprecher der Medschlis, des Parlaments der Krimtataren, zur APA. Der Erfolg der Euro-Maidan-Bewegung werde auch die Garantie für die europäische Integration der Ukraine sein: "Der größte Sieg, den wir in der allernächsten Zeit feiern, wird sein, dass wir ein Teil Europas sind." Chamsin geht davon aus, dass das Assoziierungsabkommen mit der EU bald unterzeichnet wird. (red, DER STANDARD, 24.2.2014)

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