Krim-Flughäfen wieder unter der Kontrolle Kiews

28. Februar 2014, 14:03
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Ukraine wirft Russland Invasion vor und will den UN-Sicherheitsrat einschalten - Moskau dementiert Beteiligung an Aktionen

Simferopol/Kiew - In der Ukraine nimmt der Machtkampf um die Halbinsel Krim zu. Bewaffnete Männer besetzten dort am Freitag den Flughafen von Simferopol und einen Militärflughafen nahe Sewastopol. In der Hafenstadt hat die russische Schwarzmeerflotte einen Stützpunkt. Der ukrainische Innenminister Arsen Awakow beschuldigte russische Marineeinheiten, sie seien an der Besetzung des Militärflughafens beteiligt gewesen. Ein Sprecher der Schwarzmeerflotte wies dies laut der Nachrichtenagentur Interfax zurück. Mittlerweile befinden sich die Flughäfen wieder unter Kontrolle der ukrainischen Behörden. Das gab der Chef des Nationalen Sicherheitsrates, Andrij Parubij, am Freitag im Fernsehen bekannt.

Der amtierende ukrainische Präsident Alexander Turtschinow berief wegen der Lage auf der Krim ein Dringlichkeitstreffen der Sicherheitschefs ein. Kurze Zeit später entließ er den Chef der Streitkräfte, Yuriy Ilyin. Gründe dafür wurden nicht genannt.

Mitglieder der Übergangsregierung wollten am Freitag auf die Halbinsel fliegen. Das ukrainische Parlament forderte Russland eindringlich auf, alle Maßnahmen zu beenden, die die territoriale Unversehrtheit der Ukraine untergrüben. Das Parlament rief den UN-Sicherheitsrat auf, sich einzuschalten.

Der Militärflughafen nahe Sewastopol:


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Awakow sprach auf seiner Facebook-Seite von einer "bewaffneten Invasion und Besetzung" auf der Krim. Die Halbinsel ist die einzige Region der Ukraine mit einer russischen Bevölkerungsmehrheit und die letzte größere Bastion der Anhänger des abgesetzten Präsidenten Viktor Janukowitsch. Die Opposition hatte ihn nach monatelangen Massenprotesteten wegen seines pro-russischen Kurses und einer Gewalteskalation auf den Straßen der Hauptstadt Kiew vor einer Woche abgesetzt. Die neue Übergangsregierung ist für eine engere Anbindung der Ukraine an die Europäische Union.

Die Identität der Besatzer der beiden Flughäfen blieb unklar. Ein Unterstützer der bewaffneten Gruppe auf dem internationalen Flughafen von Simferopol beschrieb diese als einfache Männer der "Volksmiliz der Krim".

Der Flughafen von Simferopol:


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Unterdessen sind russische Militärhubschrauber der Agentur Interfax zufolge am Freitag auf die Krim geflogen. Zudem blockieren demnach russische Einheiten einen Grenzübergang nahe Sewastopol. Ein ranghoher Vertreter der Sicherheitskräfte bringt die Verhängung des Ausnahmezustands ins Gespräch, um die Lage auf der Krim in den Griff zu bekommen. 

Russisches Militärmanöver 

Die Konfrontation auf der Krim stellt die Ukraine zunehmend vor die Zerreißprobe. Russland hatte am Donnerstag mit einem massiven Militärmanöver auf die Spannungen reagiert und den Schutz für seine in Sewastopol stationierte Schwarzmeerflotte erhöht. Die NATO warnte vor einer Eskalation. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier und sein US-Kollege John Kerry riefen Russland zu einer konstruktiven Rolle bei der Stabilisierung der Ukraine auf.

Die prorussische Volksvertretung auf der Krim sprach sich für eine Volksbefragung über die Autonomie der Region aus. "Durch die verfassungswidrige Machtübernahme in der Ukraine von radikalen Nationalisten und mit Unterstützung bewaffneter Banden sind Friede und Ruhe auf der Krim gefährdet", sagte eine Parlamentssprecherin. Die Mehrheit der Krim-Bewohner sind ethnische Russen.

Zentralbank verhängt Obergrenze

Die Zentralbank der finanziell angeschlagenen Ukraine traf derweil Maßnahmen, um den Abfluss von Devisen zu bremsen. Notenbankchef Stepan Kubiw verhängte eine Obergrenze für Abhebungen in ausländischen Währungen. Sie dürfen nur noch im Gegenwert von bis zu umgerechnet 1500 Dollar pro Tag abgezogen werden. Das Land habe genügend Reserven, um alle Gläubiger zu bezahlen, sagte Kubiw vor Journalisten in Kiew. Nach früheren Angaben des Zentralbankchefs haben sich die Reserven des vom Staatsbankrott bedrohten Landes in ausländischen Währungen auf 15 Milliarden Dollar von 17,8 Milliarden Dollar am 1. Februar verringert. (APA/Reuters, 28.2.2014)

  • Die Zufahrt zum Militärflughafen nahe Sewastopol war blockiert.
    foto: reuters/baz ratner

    Die Zufahrt zum Militärflughafen nahe Sewastopol war blockiert.

  • Bewaffnete vor dem Flughafen in Simferopol.
    foto: reuters/david mdzinarishvili

    Bewaffnete vor dem Flughafen in Simferopol.

  • Die rund 50 Bewaffneten patrouillierten auf dem Gelände.
    foto: reuters/david mdzinarishvili

    Die rund 50 Bewaffneten patrouillierten auf dem Gelände.

  • Vor der Besetzung kam es in Simferopol zu einer prorussischen Demonstration.
    foto: ap/darko vojinovic

    Vor der Besetzung kam es in Simferopol zu einer prorussischen Demonstration.

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