Ein zauberhaftes Schaulaufen in Salzburg

27. Februar 2014, 20:57
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Red Bull Salzburg hat logischerweise das Achtelfinale der Europa League erreicht. Auf das 3:0 von Amsterdam folgte ein total ungefährdeter 3:1-Heimsieg gegen Ajax

Salzburg – Frank de Boer ist Humor nicht abzusprechen. Der Trainer von Ajax Amsterdam gab sich keinerlei Illusionen hin, sagte vor Anpfiff des Rückspiels: "Verlierst du daheim mit 0:3, brauchst du gegen eine derart starke Mannschaft ein Wunder. Wir wollen nur besser Fußball spielen. Es kann nicht sein, dass man die erste Torchance in der 88. Minute hat. Es sollte diesmal früher sein."

Es war also angerichtet am Donnerstagabend in der vollen Red-Bull-Arena. Selbstzweifel hatten die Salzburger keine, Trainer Roger Schmidt warnte pflichtgemäß ("Sie werden alles versuchen"), sagte aber auch: "Unser Selbstvertrauen reicht zum Aufstieg, wir lassen nicht nach." Schmidt vertraute jener Elf, die vor einer Woche in Amsterdam gegeigt hatte.

Zweiter Akt

Das Orchester knüpfte an den ersten Akt an, presste, kombinierte, setzte die Niederländer unter Druck. Einziger Unterschied: Diesmal waren sie nicht perplex, sie wussten ja, was auf sie zukommt. Alan vergab eine große Chance (6.), Kevin Kampl schlenzte den Ball an die Latte (11.), Alan schoss knapp vorbei (17.). In der 21. Minute war de Boer beruhigt: Ajax kam gefährlich vors Tor, Peter Gulacsi parierte einen Kopfball bravourös. Es war eine Verbesserung um 67 Minuten.

Zählbares

Die Partie war aufgrund der Ausgangslage spannungsfrei, sie erinnerte an ein unterhaltsames, zauberhaftes Schaulaufen. Salzburg dominierte, musizierte. Kapitän Jonathan Soriano prüfte die Haltbarkeit der Stange (34.), sie bestand den Test. 56. Minute: Was sein muss, muss sein. Salzburg geht 1:0 in Führung. Kampl bedient Soriano, dessen Querpass befördert Ajax-Verteidiger Mike van der Hoorn ins eigene Tor. 66. Minute: Der famose Sadio Mane erhöht auf 2:0. 77. Minute: Soriana schließt eine bilderbuchhafte Kombination zum 3:0 ab. 82. Minute: Davy Klaassen verschönert auf 1:3, sein Schuss wird von Martin Hinteregger abgefälscht, egal.

Red Bull Salzburg wähnt sich erfreulicherweise noch nicht am Zenit. Sportdirektor Ralf Rangnick sagte noch vor dem Aufstieg: "Ich sehe keinen Grund, weshalb die Entwicklung jetzt schon auf dem obersten und höchstmöglichen Bereich sein soll." Im Achtelfinale wartet nun der FC Basel, die Schweizer schalteten Maccabi Tel Aviv aus. Auf ein 0:0 in Israel folgte ein 3:0-Heimsieg. Am 13. März wird in Basel gekickt, sieben Tage später in Salzburg. Rangnick: "Solche Spiele brauchen wir, um noch besser zu werden."

Am Sonntag empfängt Salzburg in der Meisterschaft Rapid. Ob die Hütteldorfer diese Partie brauchen, ist fraglich. (red, DER STANDARD, 28.2.2014)

Europa League, Runde der letzten 32, Rückspiel

Red Bull Salzburg - Ajax Amsterdam 3:1 (0:0)
Red-Bull-Arena, 29.320 Zuschauer (ausverkauft), SR Tagliavento (ITA)
Hinspiel 3:0, Salzburg mit dem Gesamtscore von 6:1 im Achtelfinale gegen den FC Basel (Hinspiel auswärts am 13. März, Rückspiel am 20. März)

Tore:
1:0 (56.) Van der Hoorn (Eigentor)
2:0 (66.) Mane
3:0 (77.) Soriano
3:1 (82.) Klaassen

Salzburg: Gulacsi - Schwegler (89. Klein), Ramalho, Hinteregger, Ulmer (78. Svento) - Ilsanker - Kampl, C. Leitgeb, Mane - Alan (73. R. Zulj), Soriano

Ajax: Cillessen - Van Rhijn, Van der Hoorn, Denswil, Blind - Klaassen, Poulsen (63. Riedewald), De Jong (63. Krkic) - De Sa, Sigthorsson, Duarte (78. Andersen)

Gelbe Karten: Leitgeb bzw. Poulsen, Denswil

  • Auch wenn es in Salzburg etwas länger als in Amsterdam gedauert hat, bis gejubelt werden durfte ...
    foto: reuters/michaela rehle

    Auch wenn es in Salzburg etwas länger als in Amsterdam gedauert hat, bis gejubelt werden durfte ...

  • ... der Gesamtscore von 6:1 gegen Ajax spricht Bände.
    foto: reuters/michaela rehle

    ... der Gesamtscore von 6:1 gegen Ajax spricht Bände.

  • Da hat wohl auch Trainer Schmidt (re.) nicht viel auszusetzen.
    foto: apa/ gindl

    Da hat wohl auch Trainer Schmidt (re.) nicht viel auszusetzen.

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